Die Farbe der Ozeane verändert sich – und das ist ein Problem

Der Klimawandel bringt die Mikroorganismen im Ozean durcheinander. Forschende fürchten: Das wirkt sich auf den ganzen Planeten aus.

von Becky Ferreira; Übersetzt von Sandra Sauerteig
|
06 Februar 2019, 9:22am

Phytoplankton | Bild: MIT

Schaut man vom All auf die Erde, sieht man vor allem eins: viel Blau. Unser Planet ist zu gut zwei Dritteln mit Wasser bedeckt. Doch die Ozeane haben keinen einheitlichen Blauton, die Palette reicht von hell- bis dunkelblau oder auch grün. Dieses Farbenspiel könnte sich allerdings bis Ende diesen Jahrhunderts extrem ändern. Laut einer Studie, die diesen Montag in Nature Communications veröffentlicht wurde, soll etwa die Hälfte der Ozeanfläche bis 2100 die Farbe ändern. Grund dafür: die globale Erderwärmung.

Die Meeresökologin Stephanie Dutkiewicz vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und ihr Forschungsteam haben errechnet, dass die bereits bestehenden Farbunterschiede in den Ozeanen stärker werden: Blaue Flächen werden noch blauer, grüne noch grüner.

"Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird sich die Farbe von 50 Prozent der Ozeanfläche merklich ändern", schrieb Dutkiewicz in einer Pressemitteilung des MIT. "Dies könnte sehr ernste Folgen haben."

Das Team von Stephanie Dutkiewicz hatte mit Computermodellen errechnet, dass einige algenarme Regionen wie die Subtropen in den kommenden Jahrzehnten noch blauer werden, weil es hier künftig noch weniger Phytoplankton geben wird. In den Gebieten rund um die Pole soll hingegen ein Phytoplankton-Boom stattfinden. Diese Regionen werden vermutlich immer grüner aussehen.

"Diese Veränderungen sind schlecht, da sie sich definitiv auf die gesamte Nahrungskette auswirken werden", sagte Dutkiewicz gegenüber CNN. "Phytoplankton bilden die Basis und wenn sich die Basis ändert, gefährdet das alle in der Nahrungskette bis hin zu Eisbären, Thunfisch, oder alles, was du essen oder dir gerne auf Bildern anschauen möchtest."

Die Farbänderungen entstehen durch die unterschiedliche Konzentration von Phytoplankton, welches sich durch den Klimawandel verändert. Phytoplankton besteht aus mikroskopisch kleinen Organismen, die in den oberen, sonnendurchfluteten Meeresschichten leben. Gebiete mit viel Phytoplankton erscheinen grün. Meereszonen mit wenig Phytoplankton hingegen wirken marineblau.


Auch bei Motherboard: Der 20-Jährige, der die Weltmeere vom Plastikmüll befreien will


Phytoplankton ist für das Ökosystem extrem wichtig: Die Organismen sind nicht nur Nahrungsquelle für viele Meereslebewesen, sondern produzieren durch Photosynthese außerdem die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs. Außerdem schlucken sie jährlich etwa zehn Gigatonnen des Treibhausgases Kohlendioxid. Damit mindern sie die Erderwärmung.

Durch steigende Meerestemperaturen hat sich die Menge des Phytoplankton seit den 1950er Jahren um 40 Prozent verringert. Falls sich der Abwärtstrend fortsetzt, könnte vielen Meeresbewohnern das Futter ausgehen. Außerdem könnte der Sauerstoffgehalt in der Luft sinken und der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre steigen.

Darum sind die Farbveränderungen der Meere ein wichtiges Indiz, wie sich der Klimawandel auf Phytoplankton – und somit auf den ganzen Planeten – auswirkt. Auf der Erde wird man die Veränderung mit dem bloßem Auge aber nicht erkennen können, sagte Anna Hickman, Co-Autorin der Studie. Auf Satellitenbildern könnte unser Planet jedoch deutlich grüner und blauer aussehen.

Folgt Motherboard auf Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Dieser Artikel ist zuerst auf der englischsprachigen Seite von Motherboard erschienen.