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Wenn Trumps Haushaltsplan durchkommt, wäre das eine Katastrophe für die Wissenschaft

US-Medien bezeichnen die Pläne als „Blutbad“. Was das Weiße Haus vorhat, würde nicht nur US-amerikanische Wissenschaftler hart treffen, sondern hätte weltweit Folgen für Forschung und Umwelt.

Der Entwurf zum Haushaltsplan, den Trump vergangene Woche vorgelegt hat, hat vor allem eins im Sinn: Das Militär und die innere Sicherheit stärken. „Ein Haushalt, der Amerika an die erste Stelle setzt, muss die Sicherheit unserer Bürger zur Priorität machen – denn ohne Sicherheit, kein Wohlstand," schreibt Trump in seinem Vorwort an den Kongress. Was das für andere Bereiche bedeutet, wenn die Ausgaben für Verteidigung, Heimatschutz und Veteranen in die Höhe schnellen: Nichts Gutes. Vor allem die Wissenschaft trifft es hart.

Das Budget für Umwelt, Gesundheit sowie Energie würde, wenn der Plan in ein Gesetz umgewandelt wird, radikal gekürzt werden – keine Überraschung in einem Kabinett mit Klimawandelleugnern, Impfgegnern und Fans alternativer Fakten. Noch ist das Budget nur eine Vorlage aus dem Weißen Haus, über die nun erst in monatelangen Verhandlungen in Senat und Repräsentantenhaus gestritten werden wird – trotzdem gibt das rund 50-seitige Dokument einen sehr konkreten Einblick in Trumps Politik. In US-Medien wird der Entwurf dann auch scharf kritisiert. So bezeichnet The Verge ihn beispielsweise als „Blutbad" – und die Pläne würden längst nicht nur die USA treffen, sondern hätten Auswirkungen für die Wissenschaftscommunity weltweit.

Am schönsten spart es sich bei der Umwelt

Die Umweltschutzbehörde trifft es mit einer Kürzung von 31 Prozent mit am härtesten. 2,6 Milliarden Dollar weniger wird sie damit zur Verfügung haben, was rund ein Fünftel der Mitarbeiter ihre Jobs kosten wird. Woher der Wind weht ist klar: Scott Pruitt, neuer Chef der Behörde, gilt als Leugner des Klimawandels. Viele Programme, die bisher den Klimawandel erforscht haben und dazu beitrugen, das Ziel des Klimaabkommens von Paris zu erreichen, werden so mal eben gestrichen.

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Insbesondere dem Clean Power Plan würde die Finanzierung entzogen. Dieser wurde 2014 unter Barack Obama verabschiedet und sieht vor, die CO2-Emissionen drastisch zu senken und erneuerbare Energie zu fördern. 100 Millionen US-Dollar will die Trump-Regierung damit einsparen. Die Folgen solcher Einsparungen würden weit über die Wissenschaftswelt hinausreichen, denn was die EPA erforscht trägt letztlich auch dazu bei, die Folgen des Klimawandels einzudämmen.

Auch das Office of Research and Development (ORD), müsste mit 233 Millionen US-Dollar weniger auskommen. Dadurch würden Forschungsgelder und Stipendien wegfallen, die bisher an Forscher und den wissenschaftlichen Nachwuchs gingen. Insgesamt fallen so 50 EPA-Programme weg.

Weniger Geld für Gesundheit

17,9 Prozent weniger Geld soll es für das Department of Health & Human Services geben. Das Ministerium verantwortet eine Reihe wichtiger Behörden, die für die Gesundheit der Amerikaner und für medizinische Forschung zuständig sind. Ganze 15,1 Milliarden Dollar weniger sollen im Haushaltsplan für das Steuerjahr 2018 ausgegeben werden, wenn es nach dem Weißen Haus geht. Die Kürzungen treffen vor allem die National Institutes of Health (NIH), die mit über 20 Instituten die weltweit größte Einrichtung zur Forschungsförderung im Gesundheitsbereich ist. Regelmäßig liefern NIH-Studien Fortschritte beim Kampf gegen bisher unheilbare Krankheiten oder sorgen für Fortschritte in der Grundlagenforschung.

Außerdem kündigt der Plan eine „große Umstrukturierung der Institute und Zentren der NIH" an. Teil davon soll die Auflösung des Fogarty International Center sein. Dieses betreibt weltweit etwa 400 Forschungsprojekte, die bei der Eindämmung von Epidemien helfen oder den Klimawandel erforschen. Auch das passt zur „America First" Policy von Trump – obwohl doch gerade von den medizinischen Fortschritten amerikanischer Forscher Menschen überall auf der Welt profitieren könnten.

Die Kürzungen zeigen auch: Was die Trump Administration entscheidet, hat längst auch für Wissenschaftler außerhalb der USA Folgen. Gerade in der vernetzten Wissenschaftswelt stammen Förderungen, Stipendien und Projektgelder längst nicht nur aus den Heimatländern von Forschern und gerade die USA zählen zu den größten Geldgebern.

Kürzungen beim Energieministerium treffen die Wissenschaft

Das Energieministerium ist in den USA einer der größten Förderer wissenschaftlicher Forschung. Zwar beläuft sich die Budget-Kürzung insgesamt „nur" auf 5,6 Prozent, besonders hart trifft es aber das Department of Science (DOS), das unter anderem erneuerbare Energien, Batterie- und Informationstechnologien erforscht, aber auch physikalische Grundlagenforschung betreibt.

Unter Trump würde das DOS 20 Prozent – oder 900 Millionen Dollar – seiner finanziellen Mittel verlieren. Nur noch „wesentliche Energieforschung" mit „hoher Priorität" soll finanziert werden, heißt es dazu im Haushaltsplan.

Dass diese Budget-Kürzungen nicht nur für die Wissenschaft sondern für die Entwicklung der USA insgesamt eine denkbar schlechte Idee ist, zeigt eine Studie von 2011. 50 Prozent des wirtschaftlichen Wachstums in den USA zwischen 1950 und 1993 seien direkt auf eine Erhöhung der wissenschaftlichen Forschung zurückzuführen.