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Dyson will mit einem riesigen Staubsauger Flüsse und Küsten von Müll befreien

James Dyson will sein Prinzip der High-Tech-Staubsauger jetzt in größerem Maßstab einsetzen, um unserer Flüsse von Plastik zu säubern.

Kai La Quatra

Alle Bilder: Dyson. Verwendet mit freundlicher Genehmigung.

Erst in der vergangenen Woche hat der 19-jährige Boyan Slat mit seinem Crowdfunding-Projekt „The Ocean Cleanup" für Aufsehen gesorgt. Nun bekommt er Unterstützung bei seinem ambitionierten Ziel die Meere vom Plastikmüll zu befreien. Die Firma Dyson—genau die mit den beutellosen Multizyklon-Staubsaugern—will nämlich jetzt ebenfalls in die Weltrettung eingreifen.

Während Boyan Slat stationär darauf wartet, dass der Müll vorbeischwimmt, will Dyson mit seinen Booten die Flüsse und Küstenabschnitte befahren und dort aktiv sammeln. Schließlich gelangt nach Ansicht von Dyson von dort aus der meiste Müll in die Ozeane. Dabei sieht das Konzept vor, dass die Schiffe Schleppnetze hinter sich herziehen. Die Netze befördern dann den gesammelten Müll an Deck des Schiffes. Dort wird es durch die Sauger in verschiedene Stoffe getrennt. Zur Filterung des Materials sind die Sauger mit unterschiedlich starken Gebläsen ausgestattet.

Bei den Saugern verlässt sich Dyson auf altbewährte Technik. Also ein mehr oder weniger handelsüblicher Staubsauger. Nur eben in verdammt groß. Nicht recycelbares wird von dem Plastik getrennt. Das Plastik wird direkt vor Ort zu Granulat verarbeitet und könnte wieder verwendet werden. Dass seine Idee noch nicht ausgereift ist, weiß James Dyson. Das Hauptproblem sind derzeit die Fische. Bei dem bisherigen Verfahren würden diese, wenn sie im Netz landen mit eingesaugt werden.

Alle Bilder: Dyson. Verwendet mit freundlicher Genehmigung.

Klingt im ersten Moment so als würde hier eine Firma selbstlos versuchen einen Teil für die Umwelt zu leisten. Allerdings wäre man als Wirtschaftsunternehmen sicher nicht zu seinen Milliarden gekommen, wenn man verschwenderisch wäre. Aber der geringe Wert des recycelbaren Plastiks droht momentan noch die Schiffe unwirtschaftlich zu machen. Dabei klang es so selbstlos und ambitioniert als Dyson selbst gegenüber dem Fastcoexist-Blog sein Ziel seiner Mission zu Protokoll gab:

„Indem das Schiff einen Großteil des Abfalls in verschmutzten Flüssen abschöpft, könnte damit eine Hauptursache für die Verschmutzung der Weltmeere bekämpft werden."

Die Firma ist nicht die Erste, die eine solche Idee verfolgt. Allerdings wäre sie mit dem Know-How ihrer Ingenieure und ihrem bisher angesaugten akkumulierten Kapital in der Lage eine ganze Flotte an Schiffen auf die Flüsse loszulassen.

Eine ähnliche Idee verfolgt in Deutschland bereits das Team von Dirk Lindenau Maritime Engineering & Projecting aus Kiel. Die Forscher werden von der Bundesstiftung für Umwelt mit verhältnismäßig kleinen Mitteln unterstützt. 170.000 Euro erhalten sie als Förderung. Ihre Idee ist es den organischen Müll in nutzbaren Treibstoff umzuwandeln um so kosteneffizienter zu arbeiten.

Ein Teil der Studie von Lindenau und Team widmet sich auch der Frage, wer den recycelten Plastikmüll abnehmen kann und wiederverwendet. Ihre Boote sollen zusätzlich zu den eigentlichen Reinigungsfahrten entlegene Gebiete anfahren, deren Bewohner ihren Müll aus Gewohnheit in die Meere werfen. Die Boote sollen auf intelligenten Routen so gleichzeitig als Müllabfuhr und als Versorgungsschiffe dienen, und zusätzlichen Verkehr einsparen.

Bei Dyson ist man allerdings noch nicht soweit um sich über einen zusätzlichen Nutzen der Schiffe den Kopf zu zerbrechen. Eine Nachfrage bei der Presseabteilung zu der realistischen Schätzung der Entwicklungskosten, sowie einem Zeitrahmen in dem das Konzept umgesetzt werden kann, war ernüchternd. „Da weiß man leider noch nichts," so die Pressesprecherin. Allerdings wurde von Seiten des Konzerns auch eingeräumt, dass nur ein geringer Prozentsatz der Konzepte schlussendlich umgesetzt werde.

Bei Dyson weiß man aus Erfahrung, dass die eigentlich Arbeit dann erst beginnt. 5000 Prototypen hat James Dyson zusammengebastelt, bis er seinen ersten Teppich perfekt sauber bekam. Bleibt also zu hoffen, dass wenn erst mal viel Zeit und Geld in dem Projekt steckt solche Lapalien, wie ökonomischer Gewinnzwang nebensächlich werden.