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    Bild: Motherboard.

    Ein 20-jähriger Niederländer will die Ozeane vom Plastikmüll befreien

    Autor Christine Kewitz

    Klimawandel, Bienensterben, Fukushima, die Veränderung unserer Umwelt hat viele Namen und Auswirkungen. Und die meisten von uns merken, dass wir langsam etwas tun sollten, um in ein paar Jahren nicht extrem blöd dazustehen. Eine Idee ist es, dass wir den ganzen Plastikmüll nicht permanent neu produzieren, sondern ihn einfach recyclen. Genug Material gibt es schließlich, dazu müsste man nur einmal mit einem ganz großen Besen durch die Meere fegen. Und da revolutionäre Ideen nicht ausschließlich von Wissenschaftlern kommen müssen, nimmt ein inzwischen 20-jähriger Niederländer das Problem mit einer eigenen Entwicklung in die Hand.

    The Ocean Cleanup nennt sich das Projekt, für das Boyan Slat nun eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen hat. Obwohl die allgemeine Meinung lautet, dass eine Säuberung der Ozeane unmöglich ist, Milliarden kostet und hunderte von Jahren dauert ist Boyan überzeugt davon, dass seine Methode es mit dem Problem aufnehmen kann.

    Boyan Slat vor Plastikmüll. Alle Bilder The Ocean Cleanup | Pressefotos

    Schon vor zwei Jahren hatte der damals 17jährige die Idee für das Konzept des Ocean Cleanup und stellte seine Methode bei einer TedX-Konferenz in Delft vor. Das Video von seinem Talk wurde ein Riesenerfolg und die Idee begann Form anzunehmen. Seitdem konnte Boyan um die 100 Freiwilligen, vor allem Wissenschaftler und Ingenieure, für sein Projekt begeistern.

    Bei konventionellen Säuberungsmethoden ziehen Schiffe mit Netzen den Müll aus den Meeren. Das dauert nicht nur länger als es möglicherweise Menschen geben wird, sondern auch Unsummen an Geld. Dazu kommen Beifang und Emissionen, die die guten Absichten schmälern.

    Boyan Slat änderte einfach die Denkrichtung und heraus kam die Frage: „Warum sollten wir uns durch die Ozeane bewegen, wenn die Ozeane sich doch durch uns bewegen könnten?“ Der Teenager erdachte schwimmende Barrieren, die den Müll passiv auffangen, während sich das Wasser unter ihnen hindurch bewegt. Nach einer Machbarkeitsstudie über 400 Tage und einem Ergebnisbericht von 530 Seiten, stellten Boyan uns seine Forschungsmitarbeiter fest, dass das Ocean Cleanup-Projekt nicht nur durchführbar sei, sondern realistische Erfolgschancen biete.

    Dieses Video zeigt die Anfänge von The Ocean Cleanup und die Arbeiten an der Machbarkeitsstudie:

    An Stelle von Netzen wird das Plastik nun mit festen, schwimmenden Barrieren eingesammelt. Das meiste Plastik befindet sich in den oberen drei Metern, also direkt unter und auf dem Meeresspiegel. Die lebenden Organismen können also unter den Barrieren hindurch tauchen, während das Plastik, welches leichter als Wasser ist und somit oben schwimmt, aufgefangen wird.

    Durch verschiedene Ankerstellen und Schranken kann das Projekt über viele Quadratkilometer ausgedehnt werden und innerhalb von fünf Jahren ist es möglich einen ganzen Ozeanwirbel zu umfassen.

    Die Methode hat keine umweltschädlichen Auswirkungen und es wurden keine Hürden für die Durchführung entdeckt.

    Mit der Crowdfunding-Kampagne will Boyan Slat in 100 Tagen zwei Millionen Dollar sammeln, 184.000 hat er schon und noch 93 Tage vor sich. Die Spenden beziehen sich darauf, wie viel Plastik jeweils gesammelt wird. Für 6,21 Dollar erleichterst du den Ozean um ein Kilo, für eine Spende von 750 Dollar werden mit deiner Hilfe 120 Kilo Müll aus dem Wasser gefischt.

    Von dem gesammelten Geld will Boyan zuerst noch mehr Tests durchführen, um die Verlässlichkeit der Technik zu garantieren, er will das Team vergrößern und die Methode perfektionieren. Und es sieht ganz danach aus, dass die Kampagne ein erfolgreiches Ende nehmen könnte.

    So könnte ein 20-jähriger Holländer eines der größten Umweltprobleme unserer Erde lösen. Denn: „Mit zwei Millionen Dollar können wir die Theorie Wirklichkeit werden lassen“, so Boyan Slat.

    In der ersten Folge unserer neuen Videoreihe Upgrade haben wir Boyan in seiner Werkstatt in Delft besucht und die aktuellen Entwicklungen des Ocean Clean Up Projects dokumentiert.

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