Astrobiologen legen die bisher traurigste Lösung für das Fermi-Paradoxon vor

Warum haben wir trotz unzähliger lebensfähiger Planeten im Universum noch immer kein Leben im Weltall gefunden? Zwei australische Astrobiologen haben eine ebenso einfache wie deprimierende Antwort.

|
Jan. 22 2016, 2:26pm

Titelfoto: imago

Was haben unsere Wissenschaftler nicht alles ausprobiert, um endlich diese verflixten Aliens in den unendlichen Tiefen des Weltalls zu finden: Seit den 1960ern strecken sich SETI-Antennen nach außerirdischen Audiosignalen. Regelmäßig erscheinen Studien, die zeigen, dass theoretisch hunderttausende Zivilisationen im Weltall existieren müssen. Die NASA hat 1977 sogar die Voyager Golden Records ins All geschossen—Kupferplatten mit eingravierten interstellaren Grußworten, Fotos stillender Mütter und Walgesängen.

Doch unsere galaktischen Nachbarn schweigen noch immer. Wo ist denn nun das Leben dort draußen, von dem so viele Astrophysiker überzeugt sind? Dieser Widerspruch ist als Fermi-Paradoxon in die Geschichte eingegangen und beschäftigt die Wissenschaft bis zum heutigen Tag.

Eine neue Studie liefert nun die traurige These, dass vielleicht alles Rätseln umsonst gewesen sein könnte. Australische Astrobiologen glauben nämlich, eine einigermaßen entmutigende Lösung für das Fermi-Paradoxon gefunden zu haben. Diese besagt, dass wir deswegen noch keinen Kontakt mit Aliens hatten, weil die Lebensformen auf fremden Planeten so schnell wieder aussterben, dass sie sich über ein primitives Stadium einfach nicht hinaus entwickeln. Das Leben überdauere keine kritische Entwicklungsphasen, die die Forscher als Gaia-Flaschenhals bezeichnen. Hochentwickelte Zivilisationen könnte es den Forschern zufolge erst recht kaum geben.

Hintergrund: Warum die Astronomie seit Jahrzehnten über dem Fermi-Paradoxon brütet

„Die Umwelt der meisten Planeten ist in der Entstehungsphase instabil", erklärt Chopra die Hintergründe ihrer Überlegungen. „Damit ein Planet bewohnbar wird, müssen Organismen zuerst die Treibhausgase wie Wasser und Kohlendioxid regulieren. Dadurch stabilisieren sich die Oberflächen-Temperaturen." Es stimme zwar, dass das Potential für intelligentes Leben theoretisch in vielen erdähnlichen Planeten stecke. Vor vier Milliarden Jahren, so die Astrobiologen, könnten außer der Erde auch Venus und Mars bewohnbar gewesen sein. Aber leider habe sich der Mars zur Kältekammer und Venus zum Treibhaus entwickelt. „Die frühen Mikroben auf Venus und Mars haben es einfach nicht geschafft, ihre Umwelt zu stabilisieren", sagt Charley Lineweaver, Co-Autor der Studie. Planeten in der Entstehungsphase verändern sich so schnell, dass frühe Lebensformen einfach nicht Schritt halten können, um kritische Phasen ihrer Evolution zu überleben.

Da hatten wir Erdlinge ganz schön Glück, dass wir die Blaualgen hatten. Die Photosynthese-Bakterien produzierten in den Urmeeren Sauerstoff und ermöglichten so alles Leben. Sie sind tatsächlich die Ur-Architekten der biologischen Wurzeln unserer Welt. „Das frühe Leben auf der Erde hat wahrscheinlich maßgeblich dazu beigetragen, das Klima zu stabilisieren". Eine Entwicklung, die bitter nötig war und ohne die auch unsere biologischen Urahnen möglicherweise ausgestorben wären.

Chopra und Lineweaver benannten ihre These vom Gaia-Flaschenhals übrigens nach der aus der Biologie bekannten Gaia-Hypothese. Diese besagt, dass die Erde und alle sich darauf befindlichen Organismen ein (mehr oder weniger) geschlossenes System bilden – mit dem Ziel, das Leben zu erhalten. Die Gaia-Forschung beschäftigt sich damit, wie terrestrische Lebensformen sich auf Temperatur, Salzgehalt der Meere und unser Klima auswirken.

Der Flaschenhals, den die Forscher als kritische Phase in der Entwicklung von biologischem Leben beschreiben, ist eine Hürde, das Lebensformen an der Evolution hindert. Zu allem Übel gibt es gleich mehrere solcher Flaschenhälse. Einer ist der Entstehungs-Flaschenhals—ein Punkt, an dem die Entwicklung von Lebensformen so komplex ist, dass sie von Anfang an nicht weit kommt. Ist der überstanden, entwickeln sich primitive Lebensformen wie Mikroben auf Planeten.

Als nächste Herausforderung folgt Chopra zufolge der Gaia-Flaschenhals. Inwiefern könnten sich Mikroben, wenn sie erst entstanden sind, dann noch weiter entwickeln? In den meisten Fällen gelinge es schlicht nicht, diese kritische Phase zu überstehen. „Nur in extrem seltenen Fällen—wie auf der Erde—entwickeln sich diese frühen Mikroben so, dass sie die Erdoberfläche stabilisieren können, so Chopra.

Eigentlich geht das Fermi-Paradoxon davon aus, dass—allein schon, weil so viele erdähnliche Planeten im Universum vorhanden sind—dort theoretisch irgendwo hoch entwickelte Lebensformen existieren müssten. Bislang versuchte sich die Wissenschaft mit mehreren Erklärungsversuchen: Manche gingen einfach davon aus, dass wir Menschen die einzig schlauen und kommunikationsfähigen Wesen im All seien; andere spekulierten, dass Alien-Kolonien technologisch einfach noch nicht oder viel zu weit fortgeschritten seien, um sich uns verständlich mitzuteilen oder mal ein Raumschiff vorbeizuschicken. Dieser mindere Entwicklungsstand schlösse dann natürlich auch eine von Aliens verwendete Verschlüsselungstechnik aus. Sorry Ed Snowden, Deine Verschlüsselungstheorie wäre mit der nun von den australischen Astrobiologen vorgelegten Hypothese vom Gaia-Flaschenhals genauso wiederlegt, wie andere Träume vom intelligenten Alien-Leben.

Vielleicht ist es wirklich so einfach: Wir Menschen hatten schlicht gute Voraussetzungen auf der Erde—einen Gesteinsplaneten mit Wasser und den richtigen Bakterien, die die Treibhausgase in Schach hielten, den wilden Ur-Planeten stabilisierten und so den Gaia-Flaschenhals überwinden konnten. Besten Dank fürs Nicht-Aussterben, liebe Blaualgen.