"Diese Nutte gehört totgebumst": Mordaufrufe gegen Linken-Politikerin nach Facebook-Post

Die Hetze wird nicht nur durch rechte Trolle befeuert, auch ein AfD-Politiker spielt eine Rolle – schließlich landen die wüsten Beleidigungen sogar auf einer Porno-Seite und jetzt werden auch die Verwandten der Politikerin belästigt.

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08 September 2017, 1:37pm

Bild: Screenshot, Facebook

Dass rechte Trollgruppen und AfD-Politiker es oft auf dieselbe Person abgesehen haben zeigt der Fall Sarah Rambatz gerade ziemlich eindrücklich. Die Bundesprecherin der Linksjugend ['solid] wird derzeit über verschiedene Online-Kanäle massiv beleidigt und bedroht.

Als Anlass für die Mordaufrufe und Gewaltfantasien gegen die 24-jährige Linken-Politikerin dient den Hetzern dabei ein Post von Rambatz, den sie am 2. September in einer geschlossenen Facebook-Gruppe absetzte: Rambatz fragte hier nach "antideutschen Filmempfehlungen." "Am besten solche, in denen Deutsche sterben", fügt sie noch hinzu und garniert den Post mit einem Herz-Emoji.

Rambatz selbst beschreibt den Post in einer offizielle Stellungnahme als "Überspitzung" und "einen Fehler." Vom Wahlkampf wird sie jetzt jedoch ausgeschlossen, erklärte Martin Wittmaack, Landessprecher des Hamburger Linken-Verbandes, in dem auch Rambatz Mitglied ist, gegenüber der Hamburger Morgenpost.

Wie wird sie bedroht?

Auf Anfrage von Motherboard Deutschland hat uns Sarah Rambatz Screenshots zur Verfügung gestellt, die einige der Drohungen und Beleidigungen zeigen, die sie seit Montag über verschiedene Online-Kanäle erhält.

Die Screenshots zeigen, dass die Anfeindungen gegen Rambatz sowohl aus bekannten rechten und frauenfeindlichen Trollecken, aber auch von AfD-nahen Nutzern kommen.

"Die Dame möchte doch nur ein wenig Aufmerksamkeit erhaschen. Seid kreativ, seid richtig schön nervig und anstrengend – aber immer freundlich", liest sich etwa der Aufruf eines Facebook-Nutzers mit dem Nutzernamen "Bär Abschie". Mit dem Namen und dem Profilbild spielt er auf einen vier Jahre alten NPD-Film über den "Abschiebär" an: Darin läuft ein Mann im Bärenkostüm durch eine Stadt und weist Menschen mit Migrationshintergrund an, Deutschland zu verlassen.

Einige Drohungen auf Facebook und 4fuckr | Bild: Screenshot, Facebook, 4fuckr

Was dann kommt ist natürlich weder "kreativ" noch "freundlich". Rambatz wird auf Facebook und Twitter als "geisteskrank" betitelt, sie sollte "zwangssterilisiert und abgeschoben" werden heißt es in einer privaten Nachricht an sie, die Motherboard vorliegt. Auch Morddrohungen sind dabei. Rambatz wird auf Facebook zum Selbstmord aufgerufen, im Pornoforum 4fuckr schreiben Nutzer sie solle "totgebumst und dann zerhackt" werden und von einem "MaxiHammeL" heißt es schlicht: "In einer halben Stunde bei ihr Zuhause."

Die zahlreichen Drohungen gehen inzwischen auch über Online-Posts hinaus . "Meine Angehörigen werden jetzt regelmäßig telefonisch kontaktiert", schreibt Rambatz an Motherboard Deutschland. Laut MOPO ist sie inzwischen auch in Kontakt mit Polizei und Staatsschutz. Das Haus der Familie wird von regelmäßigen Polizeipatrouillen beschützt.

Woher kommen die Trolle?

Um zu verstehen, wie aus einzelnen Facebook-Post eine größere Hetz-Kampagne werden konnte, lohnt es sich die einflussreichsten Nutzer anzuschauen, die zur Verbreitung von Rambatz' Facebook-Post beigetragen haben. So lässt sich auch besser einschätzen, aus welcher inhaltlichen Ecke die Hetzkampagne gegen sie gestartet wurde.

Zentral dafür, dass Rambatz' Kommentar in einer geschlossenen Facebookgruppe doch öffentlich wurde, waren zwei Facebook-Accounts: Einer davon gehört AfD-Politiker Dubravko Mandic. Der Direktkandidat der AfD in Tübingen teilte am 4. September einen Screenshot von Rambatz' Post. "Die Jugend von Heute", titelt Mandic, der zum rechten Flügel der AfD gehört und laut ZEIT und Tagesspiegel Barack Obama schon mal als "Quotenneger" bezeichnete. Über 400 Shares bekam Mandics Post. "Ich empfehle: Selbstmord gegen rechts", lautet der Top-Kommentar. "Nur ein toter Roter ist ein guter Roter", ein anderer.


Bei Motherboard: Umzingelt von Haien


Den Screenshot von Rambatz hat Mandic allerdings nicht selbst herausgesucht. Zuerst gepostet hat ihn Oliver Flesch, der Betreiber eines Männerblogs, der regelmäßig Sex-Tipps gibt. In einem empfiehlt er beispielsweise Viagra – er nennt es "Riemenspanner – um Frauen "süchtig zu ficken". Neben solchen Sex-Emfpehlungen hetzt Flesch regelmäßig gegen Flüchtlinge. Am Abend des 3. Septembers teilt er einen Screenshot, der Rambatz' Post zeigt. Im Bild ist ihr Name rot umrandet. Auf ihre Frage nach Filmempfehlungen empfiehlt er Nazi-Propaganda.

Mit seinen 12.600 Facebook-Abonennten lenkt Flesch die Aufmerksamkeit von AfD-Gruppen wie der Jungen Alternative Thüringen auf sich, auf die sich dann auch Mandic in seinem Post bezieht.

Auf die Trolle scheinen die Posts wie eine Art Leichtfeuer zu wirken. Denn während sich die Facebook-Beiträge mit den Screenshots zu verbreiten beginnen, starten auch die Mordaufrufe und Drohungen gegen Rambatz. So wird die Linken-Politikerin auch auf Twitter von einer Reihe von Nutzern angegangen. Dabei sind nicht nur AfD-Politiker wie Jan Wenzel Schmidt, die Rambatz als "krank und widerlich" bezeichnen, sondern auch eine Menge anonymer Trolle, die schon in den vergangenen Monaten durch das Verbreiten von AfD-Propaganda aufgefallen sind.

Eine Twitter-Analyse von Motherboard Deutschland zeigte, das bei den über 500 Accounts, die Rambatz auf Twitter angegriffen haben, auch 20 Accounts dabei sind, die bei der jüngsten Pro-AfD-Aktion #Verräterduell mitgemacht, bei der Twitter mit Memes gegen Schulz und Merkel während des TV-Duells geflutet werden sollte.

Schließlich schalteten sich auch User der Gaming-App Discord ein, auf der sich in jüngster Zeit einige rechte Pro-AfD-Troll versammelt haben. Am 4. September wurde Rambatz Twitter-Account auch auf jenem Discord-Server zum Ziel ausgerufen, auf dem das #Verräterduell organisiert woren war: Im Chat-Kanal "Radarstation", in dem Trolle gemeinsam täglich "relevante Angriffsziele" auserküren, tauchte das Bild das Flesch postete auf.

Inzwischen haben sich die Online-Angriffe gegen Rambatz völlig verselbstständigt. Ihre Geschichte findet sich auf antifeministischen und rechtspopulistischen Blogs und Foren.

Von ihrer Partei bekomt Rambatz währenddessen kaum öffentliche Unterstützung. Er bekäme "das kalte Kotzen", sagte der Linke Spitzenkandidat Fabio de Masi dem NDR über Rambatz' Post des Anstoßes. Sarah Rambatz zieht sich aufgrund des Druckes aus dem Wahlkampf zurück, auch wenn sie auf Listenplatz Fünf schon vorher kaum Chancen hatte, in den Bundestag einzuziehen.

Redaktionelle Mitarbeit: Sebastian Gluschak, Johannes Hausen