​Was zur Hölle geht eigentlich in diesem grausamen Schulmädchen-Simulator ab?

Im Yandere Simulator übernimmst du die obsessive Persönlichkeit eines japanischen Schulmädchens und machst es nach Gutdünken zum sadistischen Serienmörder.

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Dez. 16 2015, 11:09am

Foto: Screenshot Yandere Simulator

Im Yandere Simulator kontrollierst du ein obsessives japanisches Schulmädchen. Die selbsterklärte Mission des Girls ist es, alle anderen Mädchen, die sich an ihren umschwärmten Boy heranmachen, um die Ecke zu bringen—und zwar auf möglichst sadistische Weise.

Ja richtig, ihr übernehmt hier die Rolle einer waschechten Soziopathin und es liegt an euch, diese so grausam wie möglich auszufüllen. Wer entwickelt so etwas?, fragte ich mich, und stieß auf einen 27-jährigen Entwickler aus Kalifornien, der sich Alex nennt. Mehr möchte er über seine Identität nicht verraten.

Per Email erzählt er mir über: „Eines Tages sah ich im Unity Asset Store ein ziemlich kostengünstiges Charaktermodell eines Schulmädchens. Ich fragte meinen Kumpel, welche Art von Spieler er entwickeln würde, wenn der Protagonist ein Schulmädchen wäre. Er meinte, er würde einen „Simulator mit jugendlichen Straftätern" bauen, und ich dachte: „Warum bei einem Simulator für einfache Straftaten aufhören? Warum machen wir keinen Simulator eines Serienkillers?'"

Gesagt, getan. Alex nahm sich seine Idee vor und stieß auf das Konzept der Yandere. Diese meist weiblichen Personen tauchen in japanischen Mangas und Animes auf (als Inspiration nennt Alex hier beispielsweise Mirai Nikki und School Days) und zeichnen sich stets durch ihre zunächst unschuldige, liebevolle und fürsorgliche Art aus, bis ihre romantische Verliebtheit in eine Personen nach und nach in Obsession, Gewalt und Brutalität umschlägt und die Yandere ihr wahres, geisteskrankes Wesen zeigt.

Senpai ist kurz davor, mich zu bemerken, aber ich bin zu schüchtern. Foto: Yandere Simulator

Obwohl sich das Spiel noch immer in einer relativ frühen Entwicklungsphase befindet—Alex selbst bezeichnet es noch nicht einmal als ausgewachsenes Game—und jede Menge Bugs und unvollendete Features aufweist, wird es bereits von einigen hunderttausend Gamern gespielt—darunter nicht gerade unbekannte Jungs wie Markiplier oder Pewdiepie, die dem bisher noch kostenlosen Yandere Simulator zu einiger Aufmerksamkeit verholfen haben.

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Dass Alex sich überhaupt Zeit nehmen kann, sein kostenloses Spiel stets weiterzuentwickeln, verdankt er der Crowdfunding-Plattform Patreon, die derzeit monatlich über 3.700 US-Dollar abwirft, um Alex Arbeit zu finanzieren.

Was finden Gamer aber am Yandere Simulator und all seinen Grausamkeiten, die mit jedem neuen Feature zahlreicher werden? Nun, das Spiel ist schlicht und einfach einzigartig. Horror-Games basieren gewöhnlich auf den sogenannten Jumpscares, erschreckenden Bild- und Tonsequenzen, die auch in Horrorfilmen den Zuschauer in Angst und Schrecken versetzen. Der Yandere Simulator ist da in Sachen Spannungsaufbau und Blutrünstigkeit um einiges komplexer. Er bietet unzählige Möglichkeiten, sein Opfer zu massakrieren.

Welches Höschen ziehe ich denn mal heute an?

Warum solltet ihr einem nervigen Mitschüler einfach ein Messer in den Rücken rammen, wenn ihr euch auch mit ihm anfreunden könnt, sein Vertrauen gewinnen und ihn dann in einen abseits gelegenen Lagerraum locken könntet, um dort zur Tat zu schreiten? Dort könntet ihr euer Opfer mit einer Spritze aus dem Krankenzimmer ruhig stellen und nach Hause in euren Keller verfrachten, um es dort tagelang psychologischer Folter zu unterziehen.

„Ein elektrischer Stuhl ist echt witzig!", antwortet Alex auf meine Frage, welche denn seine Lieblingsmethode ist, einen Schüler zu töten. „Es macht auch total Spaß, ein Mädchen zu entführen, es zu foltern, mental zu brechen und es auf einen Mordversuch deines Rivalen anzusetzen—nur um das Mädchen schließlich selbst zu töten."

Der Yandere Simulator ist voll von diesen kranken, unheimlichen strategischen Möglichkeiten. Ihr könnt Fotos von Schülern machen, um mehr über sie zu erfahren, böse Gerüchte über Klassenkameraden verbreiten oder euch auch einfach nur für bestimmte Situationen ein neues Unterhöschen anziehen.

Yandere ist einzigartig—gerade in seinem verstörenden Gameplay. Genau das macht es für viele interessant, zumindest einmal einen Blick auf das Spiel zu werfen.

Ich habe aufgrund meiner Recherchen und Berichterstattungen immer wieder das Vergnügen, mir jede Menge grausame Bilder und Geschichten im Internet zu Gemüte zu führen, aber ich hatte selten etwas auf dem Bildschirm, das mir mehr Angst gemacht hat als Yandere Simulator. Diese Asynchronität zwischen der seichten Musik, den grellen Farben und den fröhlichen Anime-Mädchen zusammen mit der Tatsache, dass ich einen Blut verschmierten, leblosen Körper hinter mir her schleife, war für mich hart an der Grenze des Erträglichen.

Trotz der Inhalte von Yandere ist es manchmal sogar noch unheimlicher, Alex dabei zuzuhören, wenn er sadistische neue Features vorstellt. Er hat tatsächlich ein Horror-Game geschaffen, das seinen Namen in jeder Hinsicht verdient.

„Yandere Simulator ist ein Spiel über das Stalken, Mobben, über Entführung, Folter und das Töten von Schulkindern. Ein Horrorspiel, in dem du das Monster bist. Wenn es da draußen noch jemanden gibt, der das Spiel nicht gruselig findet, dann muss ich wohl noch eine Schippe drauf legen."