Die Kryptowährung Monero mausert sich zum liebsten Zahlungsmittel von Neonazis weltweit

Kryptowährungen bieten viele Vorteile – das haben auch rechtsextreme Gruppen entdeckt. Warum es ihnen Monero besonders angetan hat – und wie die Zahlungsströme verfolgt werden können.

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06 März 2018, 2:56pm

Bild: Shutterstock | conejota 

Kryptowährungen locken mit einem großen Versprechen: Unabhängigkeit von traditionellen Geldinstituten wie Banken oder Bezahldiensten wie PayPal. Das ist vor allem für jene nützlich, die von diesen Unternehmen regelmäßig ausgeschlossen werden, wie Cyber-Kriminelle, radikale Aktivistengruppen oder auch rechte Gruppen.

Es ist kein Geheimnis, dass Bitcoin bei rechten Gruppierungen weltweit beliebt ist. In letzter Zeit entdecken immer mehr von ihnen eine Kryptowährung, die sich noch stärker auf den Privatsphärenschutz seiner Nutzer fokussiert: Monero.

"Spendet eure Prozessorleistung der nordischen Widerstandsbewegung!"

Dabei wenden rechte Organisationen ein Prinzip an, das bei Cyberkriminellen und findigen Website-Betreibern schon länger im Einsatz ist: Sie lassen Besucher bestimmter Websites Krypto-Kohle scheffeln. Während das im Fall von The Pirate Bay passierte, ohne dass der Nutzer merkt, dass sein Rechner als Mining-Rig missbraucht wurde, fordern rechte Gruppierungen ihre Anhänger ganz offiziell dazu auf, einen bestimmte Unterseite ihrer Website im Browser im Hintergrund mitlaufen zu lassen.

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"Spendet eure CPU-Leistung der nordischen Widerstandsbewegung", heißt es beispielsweise auf der Website von Nordiska Motståndsrörelsen, einer rechten Bewegung, die in Finnland, Norwegen und Schweden aktiv ist. Mit dieser Aufforderung sollen Anhänger animiert werden, ihre Rechner zur Gewinnung von Monero einzusetzen. Über einen QR-Code auf der Website kann Monero auch direkt an Nordiska Motståndsrörelsen gespendet werden.

Was Monero von Bitcoin unterscheidet

Monero setzt sich vor allem durch seine zusätzlichen Privatsphären-Features von Bitcoin ab. Während alle Informationen auf Bitcoins Blockchain für jeden sichtbar sind, werden Aktivitäten auf Moneros Blockchain teilweise verschleiert. Darum ist es viel schwieriger, Monero-Transaktionen nachzuvollziehen oder zu sehen, wie viel Monero ein bestimmter User besitzt. Wenn man auf der Website Monero Blocks, auf der sich Bewegungen auf der Monero-Blockchain nachvollziehen lassen, die Adresse eines bestimmten Users sucht, blockiert die Website diese Suche mit folgender Meldung: "Hmmmm … sieht ganz so aus, als ob du den Kontostand von diesem Typen prüfen wolltest. Dazu sagt Monero: 'Nein'!"

Dieser Fokus auf Privatsphäre ist wohl auch der Grund, warum einige Neonazi-Gruppierungen ihre Anhänger dazu animieren, Monero zu nutzen. "Einige Mitglieder der Alt-Right mussten feststellen, dass ihr Coinbase-Konto gesperrt wurde, weil sie Geld [wohl an Nazi-Gruppen, d.Red.] gespendet haben", sagte der bekannte US-amerikanische Neonazi Andrew 'Weev' Auernheimer vergangenen August in einem Video, in dem er die Vorzüge von Monero erklärt. Auch einem Freund von ihm, der gar nichts mit rechtsextremen Gruppen zu tun habe, sei das Bitcoin-Konto ganz plötzlich gesperrt worden, so Weev. Bei Monero hingegen können Tauschbörsen viel schlechter nachvollziehen, ob die Transaktionen für etwas eingesetzt wird, das gegen ihre Richtlinien verstößt.


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Wie anonym Monero wirklich ist

Doch auch Transaktionen auf Monero bleiben nicht völlig unsichtbar. Vor allem lässt sich nachvollziehen, wenn Summen von Bitcoin zu Monero transferiert werden. Im Dezember veröffentlichte der Sicherheitsforscher John Bambenek eine Liste, die einen Teil von Weevs Einzahlungen auf sein Monero-Konto zeigen soll. Für die Veröffentlichung der Monero-Liste wurde der Forscher aus dem Subreddit r/weev geschmissen, wie er auf Twitter beschrieb.

Bambenek hat bereits einen Bot entwickelt, der die Bitcoin-Transaktionen von Neonazis nachverfolgt. Außerdem trackt Bambenek nach eigenen Angaben die Einzahlungen in das Monero-Spendenkonto von The Daily Stormer. Nach den Ausschreitungen von Charlottesville schmissen verschiedene Provider, Bezahldienste und Crowdfunding-Plattformen wie Apple Pay und Kickstarter das Neonazi-Magazin von ihren Seiten. Wie genau er die vermeintlichen Monero-Transaktionen von Neonazis identifiziert, wollte Bambenek uns nicht beschreiben. Er sagte jedoch, dass es sich meist nicht um hohe Geldsummen handele.

Auch scheint es unwahrscheinlich, dass Websites wie Nordiska Motståndsrörelsen durchs Mining reich werden. Im vergangenen Monat hatten Hacker einen Mining-Code in einem Plug-in versteckt, das von Tausenden Websites genutzt wird. Die Attacke dauerte vier Stunden und obwohl sehr viele Menschen von diesem Hack betroffen waren, erbeuteten die Hacker umgerechnet nicht einmal 20 Euro.