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Belästigung in Games

Rassismus und Sexismus sind Alltag in 'Overwatch' und die Entwickler lassen die Opfer im Stich

Eigentlich will Entwickler Blizzard die Belästigungen mit einem Meldesystem eindämmen. Doch unser Test enthüllt: Blizzard reagiert zu langsam und lässt Pöbler, die gegen die eigenen Regeln verstoßen, ungehindert weiterspielen.

Dominik Schott

Dominik Schott

Unser Test zeigt: Beleidigungen wie diese Zitate sind in Overwatch Normalität | Bild: Blizzard | Collage: Motherboard

Nicole hat verloren: "Niederlage" erscheint in roten Buchstaben auf dem Bildschirm. Das kommt vor. Der Multiplayer-Shooter Overwatch ist bunt, schnell, herausfordernd – und unglaublich erfolgreich: Mittlerweile haben sich über 35 Millionen Spieler auf die Server gestürzt.

In den Gefechten zwischen zwei Sechser-Teams entscheiden Reflexe, die richtige Mischung aus spielbaren Helden und viel Taktik. Nicole ist ein Profi, über 15 Stunden die Woche spielt die Livestreamerin den Shooter. Die meiste Zeit über als Heilerin, die ihr Team am Leben hält: "Tja, hatten wohl Pech, Leute", spricht sie in den Team-Chat. Als Antwort hört sie allerdings nur Beleidigungen: "Ich glaube, Mercy ist nichts für dich, dumme Fotze. Lerne endlich einen ordentlichen Helden. 45 Spielstunden und du bist immer noch schlecht. Mädchen sind generell einfach schlecht in allem, du verfickte, dumme Hure."

Für Nicole ist dieses Verhalten nichts Neues: In fast jedem Match wird sie wegen ihrer vermeintlichen taktischen Fehler beleidigt oder einfach nur wegen ihres Geschlechts angepöbelt. In solchen Fällen zögert sie nicht, diese Spieler zu melden. Das geht leicht: per Rechtsklick auf den Spielernamen in der Punkteübersicht gibt es die "Report"-Funktion. Die Entwickler des Spiels, Blizzard, versprechen dann, sich die auffälligen Spieler genau anzuschauen und Schritte gegen sie zu unternehmen. So soll Overwatch zu einem besseren Spielerlebnis werden. Doch hilft diese Funktion wirklich?

Blizzard will mit diesem Feature das toxische Verhalten der Community moderieren und bestrafen. Wer in Overwatch unterwegs ist, merkt wie dringend das notwendig ist: Während unseres Tests treffen wir immer wieder Spieler, die uns als "Judensau!", "Schwuchtel", oder "Scheiß Flüchtling" beschimpfen; einfach nur weil wir nicht so gespielt haben, wie sie es sich gewünscht hätten, oder schlicht, weil unser Team verloren hat. Manche feuern solche Schimpfwörter minutenlang im Chat ab. Ein anderer Spieler, mit dem wir ein Match in einem Team gespielt haben, droht nach einer Niederlage: "Ich werde herausfinden, wo du wohnst und dich töten." Auch das N-Wort ist Alltag auf Overwatch. Wir haben das Meldesystem, das den rassistischen, antisemitischen und sexistischen Umgang eigentlich bekämpfen soll, über Monate hinweg getestet und die Versprechungen des Entwicklerteams auf den Prüfstand gestellt.

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Das Ergebnis unseres intensiven Praxistests zeigt: Das Meldesystem von Overwatch in seiner aktuellen Form ist in erster Linie dafür gemacht, unliebsame Mitspieler aus dem eigenen Spielalltag zu verbannen – doch was genau mit den verbalen Angreifern passiert, bleibt in vielen Fällen undurchschaubar. Tatsächlich zeigt unser Praxistest, dass Strafen zumindest in den von uns dokumentierten Fällen gar nicht oder viel zu spät verteilt werden – obwohl alle von uns gemeldeten Aussagen gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.

Wie Blizzard gegen Belästigung und Beleidigungen vorgehen möchte

Nicoles Erlebnis stammt aus einem Video mit dem Titel "Toxic Overwatch Harassment Girl Gamers Deal With", das sie im Oktober 2017 auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht hat. Sie spielt fast täglich auf der Live-Streaming-Plattform Twitch vor Publikum und wird in den etwa 20-minütigen Overwatch-Matches regelmäßig Opfer von sexistischen Beleidigungen und Morddrohungen. Deswegen entschloss sie sich schließlich dazu, einen Zusammenschnitt dieser Erlebnisse zu machen, um auch andere Spieler auf dieses Problem aufmerksam zu machen. "Fixt bitte endlich euer Meldesystem und tut was gegen die Trolle und Idioten", schreibt sie in der Videobeschreibung an das Entwicklerteam.

Mittlerweile haben fast eine halbe Millionen Menschen das Video angesehen. Viele der Kommentare stimmen Nicoles Forderung zu und berichten von eigenen, ähnlichen Erfahrungen, die sich um Drohungen und Beleidigungen in den Mehrspieler-Partien von Overwatch drehen.

Offiziell verstößt dieses Verhalten gegen die Nutzungsbedingungen des Spiels: Hier schreibt Blizzard unmissverständlich vor, dass jegliche Form der Hate Speech oder Belästigungen nicht geduldet werden. Um Verstöße gegen diesen Verhaltenskodex bestrafen zu können, integrierten die Entwickler eine Meldefunktion ins Spiel. Dieses Reporting-System erlaubt es, das Verhalten anderer Overwatch-Spieler während oder nach einer Partie bei Blizzard zu melden. Dazu genügt ein Rechtsklick auf den entsprechenden Nickname des Täters, der ein kleines Untermenü öffnet. Hier kann dann die passende Kategorie ausgewählt werden, in der das Fehlverhalten des Täters fällt und optional noch ein kurzer Kommentar zum Report hinzugefügt werden. Anschließend schickt ein Klick auf den "Absenden"-Button die Beschwerde direkt zu Blizzard, die dann dem Fall nachgehen – so zumindest das Versprechen der Entwickler.

Während PC-Spielern seit Release des Spiels eine Meldefunktion zur Verfügung stand, mussten Konsolenspieler immerhin knapp ein Jahr auf das wichtige Feature warten. Auf beiden Plattformen aber konnte das Report-System die Beleidigungen offenbar nicht nachhaltig reduzieren – unter Spielern wird das raue Klima immer wieder thematisiert. Auch auf die vielen Beschwerden der Spieler über die Ineffizienz des Systems reagierte Blizzard. So versprach Lead Designer Jeff Kaplan im September 2017, dass das Team noch mehr Energien darauf verwenden werde, toxische Spieler vorübergehend oder permanent aus dem Spiel zu verbannen. Im Januar 2018 eröffnete Kaplan der Overwatch-Community, dass das Entwicklerteam nun auch damit begonnen habe, verbal übergriffige Spieler abseits der Multiplayer-Server ausfindig zu machen – und zwar, indem sie gezielt Social-Media-Kanäle und YouTube nach Hinweisen durchsuchen, die das ausfällige Verhalten von Spielern belegen. Aber haben diese Initiativen wirklich geholfen? Das wollten wir herausfinden.

So lief unser Test ab


In diesem Menü kann man als Spieler den Grund für eine Meldung auswählen | Screenshot: Overwatch

Seit Dezember 2017 verbrachten wir mehr als 50 Stunden auf den europäischen Multiplayer-Servern und meldeten jeden Spieler, der wegen rassistischer, sexistischer und ähnlicher schwerer Beleidigungen auffällig war. In einem Datenblatt dokumentierten wir die genauen Wortlaute der Beleidigungen und Drohungen, sowie den Nickname des jeweiligen Spielers. Etwa zwei bis drei Wochen nach dem Report versuchten wir anschließend wieder Kontakt zu dem gemeldeten Spieler aufzunehmen um herauszufinden, ob sie von Blizzard für ihr Verhalten bestraft wurden.

Über die gesamte Dauer unseres Experiments, in dem wir 126 Runden gespielt haben, meldeten wir insgesamt 21 Spieler, die sich außerordentlich aggressiv gegenüber ihren Mitspielern verhielten. Das mag zunächst nach einer kleinen Zahl klingen, doch gemeint sind damit mehrfach ausgesprochen sexistische, rassistische, homophobe oder ähnlich schwere Beleidigungen und Belästigungen, mit denen uns die Spieler teilweise sogar noch nach dem Ende einer Runde konfrontieren wollten. Noch weitaus mehr Spieler fielen im Testzeitraum mit vereinzelten Beleidigungen im Chat auf. Eigentlich kam kaum eine Runde ohne zumindest vereinzelte Beleidigungen im Chat aus — doch wir konzentrierten uns für unser Experiment nur auf die schwerwiegendsten Fälle, die garantiert gegen Blizzards Nutzungsbestimmungen verstoßen.

Im Ranglistenmodus sind Beleidigungen sehr weit verbreitet, wie unser Test zeigt. In 126 Spielen gab es kaum ein Match ohne Beleidigung. Auch das was wir hier als 'leichte Beleidigung' kategorisieren, verstieß gegen die Nutzungsbedingungen – wir haben uns bei den Meldungen aber nur auf die Fälle von schwerem Harassment konzentriert. In solchen Fällen pöbelten Spieler minutenlang Beleidigungen und es kam zu drastischer Hassrede gegen einzelne Gruppen ("Judensau). Solche Fälle gab es in immerhin jedem sechsten Spiel | Grafik: Motherboard

Zu diesen Fällen gehört beispielsweise auch ein Spieler, der uns rund 20 Minuten lang als "Schwuchtel", "Judensau" und mit dem N-Wort beschimpfte, nur weil wir seiner Meinung nach nicht gut genug spielten – kein Einzelfall während unseres Praxistests, rassistische Beleidigungen oder konkrete Drohungen waren fester Bestandteil vieler unserer Matches. Dieses Verhalten haben wir mit einem Report bedacht, spontan und einmalig geäußerte Flüche wie "Du Idiot!" hingegen nicht.

In Ranglistenspielen gehören Beleidigungen zur Normalität

Ganz anders die Stimmung in den sogenannten Quick Matches: Hier treten Spieler zwar auf den gleichen Karten und in den gleichen Spielmodi wie bei den Ranglistenspielen gegeneinander an, doch gibt es im Anschluss keine Punkte zu gewinnen oder zu verlieren. Nur einen Spieler mussten wir während unserer rund 40 Matches in diesem Spielmodus melden.

Feedback auf unsere Reports lässt lange auf sich warten

Das Report-System von Overwatch teilt dabei eine ganz grundsätzliche Schwäche mit vielen anderen Multiplayer-Spielen: Melden wir einen Mitspieler während einer Partie, müssen wir die Runde trotzdem weiterhin mit ihm fortsetzen und beenden. Es gibt keine rote Karte, die aggressive Mitspieler direkt aus der Runde verbannt. Allerdings müssen wir die Beleidigungen und verbalen Angriffe trotzdem nicht hilflos über uns ergehen lassen: Mit nur zwei Klicks können wir die Pöbler stumm schalten oder komplett blockieren. So verschwinden nicht nur die aggressiven Kommentare aus dem Chat, sondern es wird auch verhindert, dass dieser spezielle Spieler in Zukunft in unseren Spielen auftauchen oder uns anderweitig kontaktieren kann. Das hilft gegen akute Beleidigungen, macht aber gleichzeitig die wichtige Kommunikation mit dem Team schwieriger. Diese Möglichkeit funktioniert in unserem Praxistest tadellos. Im krassen Gegensatz dazu stehen allerdings die mangelnden Rückmeldungen, die wir auf unsere Reports erhalten haben.

Sobald wir einen Mitspieler wegen seines ausfälligen Verhaltens melden, dankt uns Blizzard mit einer standardisierten Nachrichteneinblendung dafür, dass wir aktiv dabei helfen, die Overwatch-Community "zu einem besseren Ort zu machen". Aber erst vier Wochen nach unserem ersten abgeschickten Report im Dezember erhielten wir die erste Rückmeldung von Blizzard in Form einer Ingame-Einblendung mit ebenfalls standardisiertem Wortlaut.

Diese Bestätigung erscheint nach einem Meldevorgang | Screenshot: Blizzard

Wir erfahren weder, wie schwer die Strafe ausgefallen ist, noch welcher der von uns gemeldeten Spieler gemeint ist. Das Feedback auf unsere Meldungen ist intransparent, deswegen unbefriedigend — und nicht zuletzt außerordentlich rar: Insgesamt erhielten wir über die Dauer unseres Praxistests nur vier dieser Rückmeldungen (Stand: 05.03.18), obwohl sich alle 21 von uns gemeldeten Spieler zweifellos schwer ausfällig und beleidigend verhalten haben. Sie verstoßen damit gegen die Nutzungsbedingungen, die Blizzard für all seine Spiele ausstellt und die eine freundliche, kooperative Kommunikation ohne Hate Speech oder andere Formen der Belästigungen vorschreiben.

Da Blizzard uns als Nutzer keine Antwort darüber gibt, welche Konsequenzen unsere Meldungen haben, versuchen wir es auf einem anderen Weg.

Die von uns gemeldeten Spieler berichten von keinen negativen Folgen

Die nächste Überraschung wartet auf uns, als wir die von uns gemeldeten Spieler nach einiger Zeit kontaktieren, um zu erfahren, ob sie irgendeine Form von Strafe erhalten haben. Die Kontaktaufnahme fiel schwer: Nur sechs der 21 Spieler erklärten sich zu einem kurzen Gespräch bereit, der Rest ignorierte unsere Anfragen.

Die sechs Spieler versicherten mir, dass sie keinerlei Einschränkung seit unserer Begegnung bemerkt haben – unter ihnen war auch ein Spieler, der uns Wochen zuvor über die Dauer eines kompletten Spiels als "Judensau" und "dummer Schwuchtel" (sic!) bezeichnet hatte, weil wir seiner Meinung nach nicht gut genug gespielt hatten. Auch er kam trotz unseres Reports offenbar ungestraft davon. "Nein, ich wurde niemals gesperrt, konnte immer spielen, keine Einschränkungen", erklärte uns der Pöbel-Gamer im kurzen Kontrollgespräch. Einsicht, warum er von uns gemeldet wurde, zeigte er nicht.

In den Quick Matches sind Beleidigungen weniger weit verbreitet. In 39 Quick Matches kam es in sieben Fällen zu leichten Beleidigungen, die wir nicht gemeldet haben, und in einem Fall zu schweren Beleidigungen. Auch das was wir hier als 'leichte Beleidigung' kategorisieren, verstieß gegen die Nutzungsbedingungen – wir haben uns bei den Meldungen aber nur auf die schweren Fälle konzentriert | Graphik: Motherboard

Für Motherboard gibt es keine Möglichkeit, die Aussagen der sechs Spieler zu überprüfen: Blizzard veröffentlicht keine offiziellen Informationen zum Status einzelner Spieler, während externe Analyse-Seiten die Spielerdaten nachweislich oft fehlerhaft synchronisieren. Zumindest scheinen diese Berichte aber mit der Tatsache zusammenzupassen, dass anscheinend nur vier unserer Reports zu einer tatsächlichen Strafe bei den entsprechenden Accounts geführt haben – und das nach teilweise über drei Monaten.

Wir können festhalten: Blizzard setzt sich nicht annähernd so ernsthaft mit dem Report-System auseinander, wie sie es ihren Kunden und Spielern versprechen. Vielmehr lässt das Entwicklerteam die ausfälligen Spieler ungestraft davonkommen, die sich eigentlich eines Beleidigungsdeliktes schuldig gemacht haben – und ein solches Delikt ist juristisch strafbar, wie Sebastian Schwiddessen, Rechtsanwalt für IT- und Medienrecht in der Wirtschaftskanzlei Baker McKenzie, gegenüber Motherboard erklärt: "Beleidigung ist ein Straftatbestand. Betroffene können den Täter daher anzeigen. Im Falle von homophoben oder rassistischen Äußerungen kommt außerdem noch der Straftatbestand der Volksverhetzung in Betracht."


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Das neu eingeführte Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das die Löschung und strafrechtliche Verfolung von Hasskommentaren erleichtern soll, könne in diesem Kontext allerdings nicht angewandt werden, wie Schwiddessen weiter erklärt: "Videospiele und auch Videospielvertriebsplattformen fallen nach dem Willen des Gesetzgebers nicht unter das NetzDG, sodass das Gesetz in diesem Bereich wenig hilfreich ist."

Trotzdem gibt es für Betroffene die Möglichkeit, die Identität der Täter festzustellen, um die Klage auf ein Beleidigungsdelikt wirksam zu machen: "Im Zuge des NetzDG hat der Gesetzgeber einen neuen Auskunftsanspruch eingeführt. Diesen kann der Betroffene gegen den Anbieter des jeweiligen Online-Dienstes geltend machen, auf dem die Beleidigung oder sonstige Straftat begangen wurde." Dieser Auskunftsanspruch gelte auch gegenüber den Anbietern von Online-Games und könne mit einer formellen Anfrage eingefordert werden. Zwar trage der betroffene Spieler dann die Beweislast, doch im Fall der exzessiven Beleidigungen und Hasssprache via Textchat genügen hier bereits einfache Screenshots des Nachrichtenverlaufs.

Das Meldesystem von Overwatch muss transparenter werden

Unser Praxistest endet mit einem ernüchterndem Fazit: Das Meldesystem von Overwatch selbst erlaubt zwar, auffällige Spieler mit wenigen Klicks in einer passenden Kategorie zu ahnden und aus den eigenen Spielen weitestgehend auszublenden. Allerdings scheint nur ein Bruchteil der Reports auch wirklich in Konsequenzen für die gemeldeten Spieler umgesetzt zu werden. Das ist kein gutes Ergebnis, das zudem von der Intransparenz des Meldevorgangs getrübt wird: Zu keinem Zeitpunkt erfahren wir, welcher Spieler wie schwer für sein Verhalten bestraft wird – das machen andere Online-Spiele besser und nachvollziehbarer.

Graphik: Motherboard

Mit Einführung des Auskunftsanspruches haben Spieler in Deutschland zwar die Möglichkeit, schwere Vergehen zur Grundlage einer strafrechtlichen Verfolgung zu machen. Doch eigentlich sollte es im Interesse von Blizzard liegen, bereits im Vorfeld ein solches Klima auf den Multiplayer-Servern von Overwatch zu schaffen, dass sich derartige Vergehen in der absoluten Minderheit befinden. Die Marschrichtung, die Blizzard hierfür eingeschlagen hat, wurde bereits deutlich: Mehr Strafen und mehr Überwachung.

Blizzard ist natürlich nicht der einzige Hersteller, der mit solchen Problemen zu kämpfen hat. Ein großes Beispiel ist etwa Riot Games, dessen League of Legends jahrelang ein massives Problem mit toxischer Kommunikation hatte. Statt allerdings diesem Fehlverhalten Strafen und ein klassisches Meldesystem entgegenzusetzen, überlegte sich das Entwicklerteam andere Methoden. So können mittlerweile nicht nur Mitspieler wegen ihres ausfälligen Verhaltens gemeldet, sondern auch gutes Verhalten belohnt werden. Die Community von League of Legends hat mehr Mitspracherecht – und davon profitiert spürbar die Stimmung auf den Servern.

Motherboard hat Blizzard mittlerweile mit den Ergebnissen des Praxistests konfrontiert und die Diskrepanz zwischen gemeldeten Spielern und Feedback-Nachrichten zu erfolgreichen Reports offengelegt. Auch nach möglichen Konsequenzen für den Status Quo des Meldesystems haben wir uns erkundigt. Bisher erhielten wir allerdings noch keine Antwort.

Die bisherigen Stellungnahmen und Community-Updates von Blizzard legen dabei nahe, dass die mangelnde Transparenz des Reporting-Systems kein Irrtum, sondern eine bewusste Entscheidung war: Lead Designer Jeff Kaplan erklärt beispielsweise bereits im Herbst 2016: "Wir sprechen nicht darüber, denn wenn wir das tun, dann riskieren wir, dass Spieler das Meldesystem missbrauchen." Für Spieler wie Nicole, deren virales Video die toxische Seite der Overwatch-Community sichtbar machte, bedeutet diese Haltung aber wohl vor allem nur eines: Sie müssen weiterhin damit rechnen, exzessiv beleidigt und beschimpft zu werden, ohne aber selbst aktiv dazu beitragen zu können, dass sich der Umgang in der millionengroßen Community von Overwatch nachhaltig verbessert.