Motherboardhttps://motherboard.vice.com/deRSS feed for https://motherboard.vice.comdeMon, 21 Jan 2019 11:54:14 +0000<![CDATA[Nach 81 Stunden: Gamer haben das komplexeste Rätsel in der Geschichte von 'Destiny 2' gelöst]]>https://motherboard.vice.com/de/article/evegyj/niobe-labs-gamer-loesen-raetsel-destiny-2Mon, 21 Jan 2019 11:54:14 +0000 "Seht den Besten und Schlausten dabei zu, wie sie das Puzzle angehen": Dieser Satz eröffnete vor einigen Tagen das bislang größte Rätsel in der Geschichte des Online-Shooters Destiny 2. Drei Tage lang knobelten Spieler und Spielerinnen herum. Manche Streamer saßen fast 30 Stunden vor dem Bildschirm und schienen zunehmend den Verstand zu verlieren. Tausende Kommentare auf Reddit unterstützten sie auf der Suche nach der Lösung – und zwischendurch zogen die Entwickler den Zorn der Community auf sich.

81 Stunden und einen entscheidenden Tipp benötigte es am Ende, um die komplexe Rätselsammlung zu lösen. Das ist ein Rekord, denn bislang dauerten neue Missionen in Destiny bloß zwischen 14 und 20 Stunden, bis sie das erste Mal bewältigt wurden. Das Ereignis zeigt, wie die Fans von Videospielen für ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten, sich absprechen und gegenseitig unterstützen. Es zeigt aber auch, wie schnell die Spieleentwickler über ihre eigenen Ambitionen stolpern können.

Aber der Reihe nach. Bei Destiny 2 handelt es sich um einen Multiplayer-Shooter. Spielerinnen und Spieler können die Science-Fiction-Spielwelt gemeinsam erkunden und Missionen bewältigen. Regelmäßig erscheinen neue Inhalte mit neuen Events, Waffen und andere Belohnungen. Im Dezember erschien die jüngste Neuerung, die jetzt in einem Event namens Niobe Labs ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Die Mission war von Beginn an darauf ausgelegt, vor allem Streamer und erfahrene Teams herauszufordern. Wer das Puzzle als erstes löste, schaltete damit nämlich einen neuen Teil der Spielwelt für alle anderen Spieler frei. Bekannte Streamer wie xGladd und Datto stellten sich der Herausforderung und Tausende Zuschauer und Zuschauerinnen im Chat schauten ihnen dabei zu. Was sie nicht ahnten: Es sollte eine etwas längere Angelegenheit werden.

Ein Puzzle im Puzzle im Puzzle

Um das Event zu starten, mussten die Teams zunächst einen neuen Teil der Spielwelt, die sogenannten Niobe Labs, betreten. Die Mission war nichts für Einzelgänger: Es brauchte drei Spieler, ausgestattet mit drei speziellen Waffen, um das Puzzle zu lösen. Denn nur wer durch die Zielfernrohre der drei Waffen blickte, konnte versteckte Symbole und Buchstaben erkennen.

Diese Symbole waren entscheidend für die nächsten Schritte im großen Rätsel: Denn wer die Mission lösen wollte, musste mit der richtigen Waffe die richtigen Symbole in der richtigen Reihenfolge treffen. Dazwischen mussten die Spieler immer wieder Horden mit zunehmend stärkeren Monstern erlegen – und vorne beginnen, wenn sie scheiterten.

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<![CDATA[Die Story hinter dem irren Hai-Tanz, der plötzlich wieder angesagt ist]]>https://motherboard.vice.com/de/article/yw8m5m/die-story-hinter-dem-irren-hai-tanz-der-plotzlich-wieder-angesagt-istMon, 21 Jan 2019 09:58:13 +0000Es ist Sommer 2007, das zweite Jahr nach Schnappi, und die Pop-Produzenten Deutschlands suchen nach einem neuen Ohrwurm. Hoffnung schöpfen sie auf YouTube. In einem pixeligen Home-Video singt eine junge Frau mit türkisfarbenem Pulli und rotem Haarreif Zeilen wie "kleiner Hai (dim dim)", "großer Hai (dim dim)" und gestikuliert dabei immer heftiger mit Händen und Armen, bis die Performance mit einem Schrei ihren Höhepunkt erreicht.

Fast eine Million Abrufe hat das Video zu diesem Zeitpunkt – virales Potenzial! Ein knappes Jahr später steht die junge Frau bei The Dome auf der Bühne, tritt am Ballermann auf und Kleiner Hai, jetzt mit einem Technobeat hinterlegt, steigt auf Platz 25 der Charts ein.

Alemuel nannte sich die Interpretin damals, Alexandra Müller heißt sie bis heute. Sie ist Mitte 30, arbeitet als Online-Redakteurin beim SWR in Stuttgart und wird derzeit von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der Grund: Ein Kindersong aus Korea namens Baby Shark Dance ist kürzlich in die Top 100 der Billboard Charts eingestiegen, wird weltweit gecovert, begeistert Kinder und nervt Erwachsene, und ist mit mehr als zwei Milliarden Abrufen eines der bislang meistgeklickten YouTube-Videos überhaupt.

Der Song ist zwar keine Kopie von Alemuels Kleiner Hai, aber die Ähnlichkeit ist offensichtlich: Mit einem eingängigen Refrain wird händeklatschend eine Hai-Familie vorgestellt. Der Text ist anders, das Ohrwurmpotenzial ähnlich gefährlich. Grund genug, bei Alexandra Müller nachzufragen, wie es vor elf Jahren zu ihrem ungewohnten Erfolg im Internet kam – und weshalb ihre Karriere mit einer Lüge begann.

Alemuel wollte anonym bleiben – aber das Internet war schlauer

Alles begann zum Jahreswechsel 2006/2007 bei einer Silvesterfreizeit für Kinder und Jugendliche, die Müller betreute: "Da singen wir dieses Lied schon ewig", sagt sie im Gespräch mit Motherboard, "und die Kids haben gemeint, ich würde den Hai so gut machen und sollte es doch mal aufnehmen. Also habe ich mich filmen lassen und in meiner grenzenlosen Naivität das Video anschließend bei YouTube hochgeladen."

Ein halbes Jahr später hatte Kleiner Hai plötzlich eine Million Abrufe. Was genau zur sprunghaften Verbreitung beigetragen hat, weiß Müller nicht. Plötzlich entstanden die ersten Reaction-Videos, in denen andere Menschen die Performance kopierten. Es folgten Mashups mit anderen Memes, etwa dem Techno Viking, und plötzlich erkannten auch die klassischen Medien das virale Potenzial des absurden Clips. "Ein Mann schrieb mir, er sei mit der EMI verbandelt und wolle eine Platte mit mir aufnehmen. Ich dachte mir so 'ey, der verarscht mich doch!' Aber ich habe ihm einfach mal zugehört. Und kurz darauf hatte ich einen Plattenvertrag", sagt Müller.

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<![CDATA[#10YearChallenge: Promis warnen vor Klimawandel – doch da gibt es ein Problem]]>https://motherboard.vice.com/de/article/qvydvm/promis-machen-mit-10yearchallenge-auf-den-klimawandel-aufmerksam-doch-da-gibt-es-ein-problem-oezil-klumFri, 18 Jan 2019 13:06:40 +0000Frag nicht, wie sich dein Gesicht in den letzten zehn Jahren verändert hat – frag, wie sich dein verdammter Planet verändert hat. Das dachten sich wohl Stars wie Heidi Klum und Mesut Özil, als sie Beiträge zur #10YearChallenge posteten. In den Beiträgen zeigen sie nicht etwa, wie beneidenswert auch sie dem Alter trotzen, sondern wie der Klimawandel das Leben auf der Erde bedroht.

Eigentlich posten unter dem Hashtag #10YearChallenge Millionen Menschen Selfies aus dem Jahr 2009 und 2019. Umweltschützer und einige Prominente wollen mit etwas anderen Vorher-Nachher-Bilder aber nun zeigen, wie dramatisch sich der Zustand unseres Planeten in den letzten Jahren verschlechtert hat. Unter dem viralen Hashtag findet man inzwischen zahlreiche Bilder von abgeholzten Wäldern, absterbenden Korallenriffen und verschmutzten Gewässern. So auch Klum und Özil: "Die einzige #10yearchallenge, die uns wirklich interessieren sollte", schreiben sie über Bilder von schmelzenden Eisbergen auf Instagram beziehungsweise Twitter.

Nicht alle Fotos zeigen allerdings die Entwicklungen der letzten zehn Jahre. Teilweise liegen mehrere Jahrzehnte oder ein ganzes Jahrhundert zwischen den Bildern.

Ein beliebtes Bild wurde vom NASA Earth Observatory aufgenommen. Es zeigt die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes im brasilianischen Bundesstaat Rondônia zwischen 1975 und 2012.

Greenpeace teilte das berühmte Bild des schwedischen Fotojournalisten Christian Åslund, der den Rückgang der Gletscher in Norwegen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis 2002 dokumentiert.

Das Problem: Nicht alle gezeigten Veränderungen lassen sich automatisch auf den Kilmawandel zurückführen. Beispielsweise macht gerade wieder ein Bild von 2015 die Runde, das einen abgemagerten Eisbären auf einer Eisscholle zeigt. Auch wenn das Foto herzzerreißend ist, sagte der Eisbär-Forscher Ian Stirling gegenüber Mashable, dass er nicht glaubt, dass das Tier aufgrund des Klimawandels hungert. Wahrscheinlich sei der Bär alt, krank oder verletzt und könne deswegen nicht mehr richtig jagen.

Ein anderer Post zeigt einen nicht näher benannten Wald angeblich vor und nach der Abholzung. Ein Reddit-Nutzer bemerkte jedoch, dass die beiden Ausschnitte aus ein und demselben Foto stammen – einem Stockfoto von Shutterstock, das geteilt wurde und mit der Wassermarke der Umweltorganisation WWF versehen ist.

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<![CDATA[ASCII-Porn: Die nerdige Geschichte der ersten Internet-Pornografie]]>https://motherboard.vice.com/de/article/nepapk/ascii-porn-erste-pornografie-internet-videotextFri, 18 Jan 2019 06:00:00 +0000 Einige Bilder und Links in diesem Artikel sind NSFW.

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<![CDATA[Jemand hat das bislang größte Passwortleak der Geschichte online gestellt]]>https://motherboard.vice.com/de/article/8xy49x/groesster-passwortleak-der-geschichte-online-hacking-troy-huntThu, 17 Jan 2019 12:20:16 +0000Ein Leck wird bekanntlich schlimmer, je mehr ausläuft. Das gilt auch für Leaks von Benutzernamen, Passwörtern oder E-Mail-Adressen. Die bislang größte und damit schlimmste Datensammlung hat jetzt Troy Hunt, Betreiber der Passwort-Sicherheits-Webseite Have I Been Pwned entdeckt. Die "Collection #1" genannte Sammlung enthält nach
Hunts Analyse 772.904.991 einzigartige E-Mail-Adressen, 21.222.975 individuelle Passwörter und noch einmal mehr als eine Milliarde einzigartiger E-Mail-Passwort-Kombinationen.

Ob eure Daten auch betroffen sind, könnt ihr direkt auf Have I Been Pwned checken. Dort gebt ihr eure E-Mail-Adressen ein und könnt dann sehen, ob sie in der aktuellen oder einer früheren Datensammlung enthalten sind. Umgekehrt könnt ihr auf Pwned Passwords auch herausfinden, welche Passwörter genau betroffen sind. Die Abfrage ist nach Angaben den Seitenbetreibers sicher, da euer tatsächliches Passwort dabei nicht übermittelt wird, wie wir in diesem Artikel erklärt haben. Tipps, wie ihr euch und eure Accounts in wenigen Schritten schützen könnt, erfahrt ihr weiter unten.

Wie extrem groß die aktuelle Sammlung ist, zeigt ein Vergleich mit früheren Hacks und Passwort-Leaks. Eine schicke Übersicht dazu findet ihr zum Beispiel auf der Website Information is Beautiful. So enthielt etwa der gestohlene Datensatz der Marriott-Hotelkette aus dem vergangenen Jahr "nur" Daten von 500 Millionen Gästen. Der Angriff auf den Finanzdienstleister Equifax im Jahr 2017 betraf "nur" 143 Millionen Kunden.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zwischen der "Collection #1" und den genannten Datensätzen: Im Fall von Marriott und Equifax stammen die Daten aus einzelnen Datenbanken. Die "Collection #1" dagegen scheint nach ersten Analysen die Beute verschiedener Hacks der vergangenen Jahre zu enthalten.

]]>8xy49xEike KühlSebastian MeineckHackingLeakDatenschutzPrivatsphärePassworte-mail<![CDATA[Diese acht Tricks sollte jeder YouTube-Nutzer kennen]]>https://motherboard.vice.com/de/article/xwjma3/acht-tricks-youtube-nutzer-zeitlupe-hintergrund-smartphoneThu, 17 Jan 2019 09:25:25 +0000Wenn du kreative, witzige oder lehrreiche Videos im Internet suchst, kommst du um YouTube nicht herum. Auch Podcasts, Produkttests, Tutorials und Musik hat YouTube zu bieten. Rund 1,8 Milliarden Menschen melden sich dort monatlich an, minütlich erscheinen Hunderte Stunden neues Videomaterial auf der Plattform. Die bizarren Aktionen mancher YouTube-Stars lösen weltweite Debatten aus.

Zugleich steht YouTube in der Kritik wegen fragwürdiger Videos auf der Trendseite, wegen nervigen Influencer-Aktionen und zunehmend mehr Werbung. Mit ein paar Tricks kannst du deine Zeit auf der Plattform aber deutlich angenehmer machen. Einige nützliche Features sind direkt im Player versteckt, für andere brauchst du ein paar Klicks mehr. Wir zeigen dir die besten YouTube-Kniffe, die deinen Video-Alltag erleichtern.

1. Leanback-Funktion: Navigiere maximal gechillt durch YouTube

Screenshot: Giphy
Giphy hilft dir, legendäre Szenen in Gifs zu verwandeln | Bild: Screenshot | giphy.com

Manche Szenen aus YouTube-Videos bekommst du einfach nicht aus dem Kopf. Ihre Brillanz liegt darin, dass sie wie ein Meme auf verdammt viele Situationen anwendbar sind. Zum Beispiele diese Harlem-Shake-Waschmaschine, die im Schleudergang einen absurden Zappeltanz hinlegt. Die Szene passt zu wilden Partys oder zu verpassten Waschtagen in der WG, sie hat extremes Gif-Potenzial.

Wenn du im Internet kein Gif zu deinem Lieblingsvideo findest, kannst du einfach selbst eines erstellen, beispielsweise mit Giphy. Dafür fügst du auf der Website unter "Create" die URL des Videos ein. Danach kannst du auf einem Zeitstrahl den genauen Ausschnitt des Gifs wählen und optional einen Schriftzug hinzufügen. Umwandeln, herunterladen: fertig.

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<![CDATA[Millionen Nutzer betroffen: Hacker erklärt, wie du dein Gerät vor Botnetzen schützt]]>https://motherboard.vice.com/de/article/yw7aq7/hacker-erklaert-vor-botnetz-schuetzen-spam-ddos-schadsoftwareWed, 16 Jan 2019 11:02:57 +0000Das Handy in deiner Tasche oder der Laptop auf deinem Schreibtisch könnte ein Zombie-Gerät sein, denn Millionen von Rechnern und Geräten sind Teile von Botnetzen. Das heißt, sie sind übers Internet miteinander zu einem Schwarm vernetzt und führen im Hintergrund Aufgaben aus. Das Heimtückische: Meist bemerken wir das nicht. Doch Kriminelle nutzen dadurch unsere Geräte, um Spam zu versenden oder Server lahmzulegen.

Auf diesem Weg werden zum Beispiel Viren verbreitet sowie Menschen und Unternehmen um hohe Geldsummen erpresst. Mit DDos-Attacken durch Botnetze lassen sich potenziell auch Krankenhäuser sabotieren. Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zufolge werden in Deutschland täglich bis zu 60.000 Systeme neu infiziert.

Die gute Nachricht: Wenn deine Geräte unbemerkt Teil eines Botnetzes wurden, kannst du dich wehren. Und du kannst mit ein paar Tricks verhindern, überhaupt in ein solches Botnetz hineinzukommen. Wie das geht, weiß Felix Freiling. Er ist Professor an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg und forscht zu IT-Sicherheit und Hacking.

Motherboard: Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass ich als normale Nutzerin ein Problem mit Botnetzen habe?
Felix Freiling: Es gibt keine verlässlichen, globalen Zahlen, wie viele Prozent der Rechner infiziert sind oder nicht, weil keiner einen Überblick über alle Rechner im Internet hat. Microsoft, dessen Windows-Betriebssysteme weiterhin auf einer großen Zahl aller Rechner weltweit laufen, veröffentlicht regelmäßig Statistiken aus ihrer eingebauten Antiviren-Software. Bestimmte Botnetze wie Gamarue können demnach bis zu 17 Millionen Rechnern umfassen und es gibt Hunderte verschiedene Bot-etze. Prozentzahlen gab es 2017 für Erpressungssoftware, also Ransomware wie Wannacry: Weltweit sollen zwischen 0,03 und 0,48 Prozent aller Rechner befallen gewesen sein. Die Gefahr ist also groß und wenn man selbst nicht aufpasst, ist der eigene Rechner schnell dabei.

"Mittlerweile muss der Nutzer fast immer selbst einen Fehler machen, damit Schadsoftware installiert werden kann"

Wie verwandelt sich mein Rechner zu einem Zombie-Gerät?
Mittlerweile muss der Nutzer fast immer selbst einen Fehler machen, damit Schadsoftware installiert werden kann. Früher waren Rechner viel leichter direkt aus dem Netz angreifbar als heute. Kriminelle haben aus der Ferne Sicherheitslücken genutzt, um immer mehr Geräte zu Bots zu machen. Je mehr Rechner sie kontrolliert haben, umso mehr konnten sie in lokalen Netzwerken nach Sicherheitslücken suchen.

Heute haben Windows-Rechner standardmäßig ihre lokale Firewall eingeschaltet und viele Privatrechner sind durch einen Router am Internet, der sie schützt. Das hat dazu beigetragen, dass es zuletzt keine großen Ausbrüche von Schadsoftware mehr gab, die sich von alleine verbreitet haben.

Welchen Fehler sollte ich auf keinen Fall machen?
Bots vermehren sich hauptsächlich durch Spam, durch den sich die Nutzer selbst infizieren. Du erhältst eine ausführbare Datei per E-Mail und klickst darauf. Schadsoftware kann auch durch Office-Dokumente in E-Mail-Anhängen auf dein Gerät gelangen, wenn sie sogenannte Makros enthalten. Öffnest du die Dokumente und lässt zu, dass diese Miniprogramme ausgeführt werden, hast du dir die Schadsoftware eingefangen. Auch veraltete Versionen von Programmen wie dem Adobe Reader sind Einfallstore, wenn man damit PDFs aus Spam-Mails öffnet.

"Botnetze sind das Schweizer Taschenmesser der Cyberkriminalität"

Eine andere Möglichkeit zur Infektion sind Links, die in den Mails enthalten sind. Wenn du auf die Links klickst und einen veralteten Browser mit bekannten Sicherheitslücken nutzt, kann der Angreifer auf diesem Weg gezielt Schadsoftware auf deinen Rechner spielen. Die Faustregel lautet also: Öffne keine E-Mail-Anhänge und klicke auf keine Links in E-Mails, außer du bist dir absolut sicher, dass der Absender vertrauenswürdig ist.

Was machen die Botnetz-Betreiber, wenn sie mein Gerät gekapert haben?
Botnetze sind das Schweizer Taschenmesser der Cyberkriminalität. Alles, was man in der Cyberkriminalität machen kann, lässt sich mit Bots machen. Das ist wie ein illegaler Supercomputer, mit dem man wahnsinnig viele Ressourcen befehligen kann. Die Betreiber können den Bots sogar von heute auf morgen neue Aufgaben geben. Wenn ein Bot heute noch darauf spezialisiert ist, Bankdaten abzugreifen, könnte er morgen schon Spam versenden.

Selbst wenn man nur ein kleines Netz aus 5.000 Rechnern hat, hat man eine wahnsinnige Rechenkapazität. Das nutzen die Betreiber zum Beispiel, um Bitcoins zu minen oder Passwörter zu knacken. Man kann mit den Rechnern aber auch DDoS-Angriffe machen. Mit einem kleinen Botnetz lässt sich eine Unmenge an Anfragen an einen beliebigen Webserver auf der Welt schicken. Wenn der nicht gerade gut gegen solche Angriffe geschützt ist, wird er dadurch lahmgelegt.

Hacker-Stockfoto für Felix Freiling
Felix Freiling möchte die Google-Suche verwirren, indem sein Name im Internet mit furchtbaren Hacker-Stockfotos verknüpft wird. Gern geschehen! | Bild: Shutterstock

Wie kann ich vorsorgen, damit mein Rechner nicht zum Bot wird?
Das Zauberwort heißt Prävention. Du solltest immer deine Software aktuell halten und dir ein Antivirenprogramm besorgen. Bei Windows-Betriebssystem ist der Windows Defender schon dabei, dann musst du nicht unbedingt etwas extra installieren. Manchmal lohnt es sich aber trotzdem, ein kommerzielles Antiviren-Produkt zu haben, damit bekommt man oft umfangreichere Informationen darüber, was für eine Schadsoftware das ist.

Prävention heißt auch, dass man nicht auf alles klickt, was blinkt. Du solltest vorsichtig sein, welche Software du auf deinen Geräten installierst – egal ob auf dem Rechner oder bei Smartphone-Apps. Wenn du auf diese Punkte achtest, bist du schon relativ gut gegen Schadsoftware geschützt. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass der eigene Rechner sein Leben lang gesund bleibt.

Wie merke ich, wenn man Gerät ein Zombie ist?
Normalerweise merkst du das, wenn das Antiviren-Programm angeht und sagt: Du bist infiziert. Oder dein E-Mail-Account wird gesperrt, weil er Spam versendet. Das größte Problem hast du, wenn die Malware sich selbst bemerkbar macht und wie bei Erpressungssoftware den Rechner sperrt und Geld für die Freigabe der eigenen Daten verlangt. Dann ist es gut, wenn man Back-ups hat.

Es wird oft gesagt, bei Bot-Befall sind der Rechner oder die Internetverbindung langsamer. Aber ein langsamer Rechner kann viele andere Ursachen haben, da steckt nicht immer eine Schadsoftware dahinter. Dann muss man genauer hinschauen und einen Antiviren-Scan machen oder einen Experten fragen, der den Rechner mit zusätzlicher Technik scannt. Ansonsten hast du als Nutzerin wenig Möglichkeiten, eine verlässliche Aussage zu bekommen, ob dein Gerät infiziert ist.

Kann ich nicht auch im Taskmanager sehen, ob mein Gerät zum Bot geworden ist?
Das ist komplizierter. Bots versuchen, sich zu tarnen und benutzen ganz unverdächtig klingende Prozessnamen. Sie kommunizieren natürlich mit einem Rechner, der sie kontrolliert – dem Command-and-Control-Server. Aber auch das versuchen sie zu verschleiern, indem sie sich beispielsweise in den Windows-Prozess namens "svchost" einklinken, über den viel regulärer Netzwerkverkehr geht.


Ebenfalls auf Motherboard: Waffen, Drogen, Dissidenten: Eine Dokumentation über das Darknet


Man muss eine Erkennungsmethode verwenden, auf die der Bot nicht vorbereitet ist. Mit dem Taskmanager rechnen viele Bots, externe Programme wie GMER oder Rootkit Revealer haben eher Chancen, Malware zu entdecken. Diese Programme greifen aber selbst wieder tief in den Rechner ein und können Software kaputtmachen.

"Wir sind alle dafür verantwortlich, das Internet sicherer zu machen"

Am verlässlichsten bei der Bot-Erkennung sind meist Methoden, die den eigenen Rechner von außen untersuchen: Wenn Du den Netzwerkverkehr des infizierten Rechners mitschneiden kannst, beispielsweise mit dem Programm Wireshark, dann kann man dort die Kommunikation mit dem Kontroll-Rechner sehen.

Können auch andere Geräte als PCs Teil eines Bot-Netzwerks werden?
Ja. Mit dem Internet verbundene Geräte mit relativ schwachen Sicherheitseinstellungen sind ein zunehmend großes Problem, zum Beispiel smarte Haushaltsgeräte oder Überwachungskameras. Cyberkriminelle sind darauf aber noch nicht so sehr angesprungen, weil die Technologien sich ständig ändern. Im Jahr 2016 gab es das Mirai-Botnetz, das aus Überwachungskameras bestand. Es gab auch noch ein Problem mit angreifbaren Telekom-Routern, mit denen ein Botnetz aufgebaut werden sollte.

Am Anfang war die Angst, dass Smartphones für Botnetze missbraucht werden würden. Aber dieser Fall ist noch nicht in dem Maße eingetreten. Gerade die großen Smartphone-Hersteller beheben Schwachstellen relativ schnell und die Geräte aktualisieren sich standardmäßig automatisch. Da tappt man nicht in die gleichen Fallen wie vor zehn oder zwanzig Jahren bei Desktop-PCs.

Warum kann es mir nicht einfach egal sein, ob mein Gerät zu einem Botnetz gehört?
Auf die Frage gibt es zwei Antworten: eine rechtliche und eine ethische. Aus ethischer Sicht sind wir alle dafür verantwortlich, das Internet sicherer zu machen und andere nicht zu schädigen. Du willst ja auch nicht in deinem eigenen Haus Verbrechern Unterschlupf bieten, die von dort aus Raubzüge starten.

Aus rechtlicher Sicht ist es eine strafbare Handlung, wenn der eigene Rechner andere Rechner angreift. Es ist meines Wissens aber noch niemand verurteilt worden wegen Angriffen, die aus einer unerkannten Infektion herrühren. Wenn du aber weißt, dass dein Rechner infiziert ist und längerfristig billigend in Kauf nimmst, dass andere Rechner Teil eines Botnetzes oder durch Erpressungstrojaner infiziert werden, leistest du meiner Einschätzung nach Beihilfe zu Cyberkriminalität.

Wieso kann die Polizei diese Botnetze nicht einfach ausschalten?
Früher waren Botnetze wie ein Spinnennetz organisiert. Der Command-and-Control-Server war in der Mitte positioniert und die Bots saßen an den Rändern. Ermittler haben sich dann gezielt Bots auf ihre Rechner geholt. Sie haben Programme benutzt, die Links in Spam-E-Mails anklicken und sich Schadsoftware von Antiviren-Herstellern geben lassen. So haben sie das Verhalten der Bots untersucht und zu den zentralen Servern zurückverfolgt. Dann konnten Strafverfolger diesen Rechner vor Ort vom Netz nehmen und das Botnetz war tot.

Die modernen Botnetze sind nicht mehr zentral strukturiert. Die Bots geben die Befehle meist von einem Bot zum nächsten weiter, wie Kuriere in der analogen Welt. Ermittler müssten erst aufwendig den Punkt finden, an dem der Bot-Master sitzt und die Befehle eingibt.

Wie finden Ermittler heute die Betreiber von Botnetzen?
Hier führen viele Wege zum Ziel. Erst mal müssen sie herausfinden, wie die Schadsoftware genau funktioniert. Sie schleusen einen speziell präparierten Bot in das Netz ein, der beobachtet, wie die Befehle verteilt werden und wie das Bot-Netzwerk miteinander kommuniziert.

So können sie schrittweise herausfinden, wie die Rechner die Kommandos weitergeben und dann die Rechner finden, hinter denen die Drahtzieher des Botnetzwerks sitzen. Wichtig sind aber auch Erkenntnisse aus anderen Strafverfahren, denn Kriminelle sind heute weltweit vernetzt. Wenn beim Betrieb eines Botnetzes beispielsweise die gleichen Tools zum Einsatz kommen wie bei einem anderen Botnetz, dann könnten auch die gleichen Personen dahinter stecken.

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<![CDATA[3.600 Reviews, 40.000 Fotos: Dieser Mann ist der wohl aktivste Yelp-Nutzer Deutschlands]]>https://motherboard.vice.com/de/article/zmd8xx/3600-reviews-40000-fotos-dieser-mann-ist-der-wohl-aktivste-yelp-nutzer-deutschlandsWed, 16 Jan 2019 09:29:33 +0000Er bewertet Deutschland: Wurstbuden, Museen, hippe Szenerestaurants, Einkaufsmeilen, selbst U-Bahn-Stationen, von denen man nicht mal wusste, dass es sie gibt. Über 3.600 Beiträge, 40.000 Fotos, jeden Tag eine Kritik. Michael Z. ist einer der größten Kritiker Deutschlands. Kaum jemand kennt seinen Namen, doch fast jeder der mal Yelp benutzt hat, um herauszufinden, ob sich ein Laden in der Nähe lohnt, hat vermutlich seine Beiträge gesehen.

Das Netz steckt voller Bewertungsportale. Wohl keines davon hat die Welt so sehr verändert wie Yelp. Seitdem das US-Netzwerk 2004 an den Start ging, landeten 171 Millionen Reviews von Restaurants, Geschäften, Clubs und Hotels auf der Seite. Das deutsche Konkurrenz-Portal Qype schluckte Yelp für 50 Millionen Dollar und verleibte es sich ein. "Ich wünschte, Yelp würde nicht existieren", fluchten schon viele Restaurantbesitzer. Sie zittern vor den Millionen Nutzern wie Michael Z., die aus einem ganz gewöhnlichen Laden plötzlich das schlechteste Restaurant der Stadt machen.

Yelp selbst, schreibt uns eine US-Sprecherin des Netzwerks per E-Mail, sei "nicht in der Lage" zu sagen, wer ihre aktivsten Nutzer sind. Eine öffentlich einsehbare Highscore-Liste gibt es auch nicht. Doch als wir auf Michael stoßen, ist uns schnell klar, dass es kaum jemanden geben wird, der ihm den Rang als wichtigster Bewerter Deutschlands ablaufen könnte. Sein Name taucht überall auf. Er bewertet alles.

Diese Arbeit macht der 44-jährige Augsburger in seiner Freizeit. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen, denn Michael arbeitet als Rechtsanwalt und möchte für seinen juristischen Sachverstand im Netz bekannt sein, nicht für seine Meinungen zu Restaurants. Wir haben den wohl aktivsten deutschen Yelp-Kritiker gefragt, was ihn antreibt, ein ganzes Land zu bewerten.

Motherboard: Wenn du Restaurants betrittst, bekommst du dann das große Steak und einen unauffälligen Briefumschlag vom Chefkoch, damit die Bewertung milde ausfällt?
Michael: Nein! So ist das nicht. Das wäre doch durchschaubar. Ich bin ja auch niemand, der groß raushängen lässt, dass er Beiträge schreibt. Und ich möchte auch keine VIP-Behandlung. Ich möchte einfach ganz normal erleben, wie ein Laden ist.

Gibt es dir ein Gefühl von Macht, andere zu bewerten?
Definitiv nicht. Mir liegt es auch fern, bewusst schlecht- oder abzuwerten.

Du bewertest ja wirklich alles: Bahnhöfe, Sushi-Läden, Straßen. Gibt es irgendwas, das du nicht bewerten würdest?
Es gibt nichts, wo ich sagen würde: Da schreibe ich definitiv nie was dazu. Ich bin in der Regel mit der Bahn unterwegs. Da kommt man automatisch an Bahnhöfe. Wenn ich in Berlin bin, fahre ich U- und S-Bahn. Da komme ich auch immer wieder zu Stationen, wo ich noch nicht war, und schreibe natürlich auch was dazu. Früher hatte ich ein Faible für Bahnhofsbuchhandlungen. Ansonsten schreibe ich natürlich über Hotels. Da kommt immer was zusammen, wenn ich unterwegs bin.

"Wer mich kennt, der kennt meine Marotten"

Jeden Tag ein Beitrag. Wie viel Zeit kostet dich das?
Wahrscheinlich würde ich erschrecken, wenn ich wüsste, wie viel Zeit ich für Beiträge auf Yelp aufwende. Ich kann es aber gar nicht genau sagen. Manche Beiträge gehen in zehn Minuten schnell von der Hand. Bei anderen sitze ich eine Dreiviertelstunde dran. Manchmal habe ich auch einfach Schreibrappel und tippe zehn Beiträge runter. Letztes Wochenende habe ich drei, vier Beiträge geschrieben in der DB-Lounge, als ich auf meinen Zug gewartet habe.

Bist du süchtig nach Yelp?
Nein, Sucht ist das nicht. Vielleicht ein Hobby. Oder Ausgleich. Ich bin einfach ein alter Verfechter des Grundsatzes "do ut des" (lateinisch: Ich gebe, damit du gibst, Anm. d. Red.): Ich möchte nicht nur von den Erfahrungen und Erlebnissen anderer profitieren, sondern auch meine Erfahrungen schildern.

Nervt das nicht die Leute in deinem Umfeld?
Ich war vor ein paar Jahren mit meiner Mutter in Mainz zum Essen. Und sie so: "Fotografierst du gerade das Essen!?", da hatte ich das Bild aber schon längst auf Yelp hochgeladen. Aber wer mich kennt, der kennt meine Marotten.

Bewertest du privat eigentlich auch alles?
Gute Frage. Ich glaube, ich bekomme das aber schon gut hin, dass ich klar trenne. Es gibt ein Leben "außerhalb von Yelp" und da muss ich keine Sterne vergeben. Und privat bin ich sicherlich niemand, der dafür bekannt ist, alles ständig zu kritisieren.

"Was wir da erlebt haben...wir schütteln heute noch den Kopf"

Dein schlimmster Restaurantbesuch?
Letztes Jahr in Kreuzberg im La Raclette, dem Restaurant von Radio-Moderator und "Dschungelkönig" Peer Kusmagk. Was wir da erlebt haben ... wir schütteln heute noch den Kopf. Wir wollten Kaffee, aber die Maschine war wohl kaputt. Da lief dann ein Kellner zum nächsten Späti, um Kaffee zu holen. Hat uns 2,50 Euro dafür berechnet. Der Wein war total warm, die Rechnung hat der Kellner mit dem Taschenrechner auf dem Handy zusammengerechnet. Um Himmels willen. Da gab's genug Anzeichen, den Laden wird es nicht mehr lange geben. Wenige Monate später ging durch die Presse: Das La Raclette macht zu.

Hast du mit deinen Beiträgen mal einen Laden in den Bankrott getrieben?
Nein, aber für mich gab es Folgen. Ich habe einen Beitrag über eine Gaststätte geschrieben. Die hatte was, was man – zumindest bei uns im Süden – kaum noch hat: ein klassisches Nebenzimmer. Ganz praktisch, wenn man mal Stammtisch machen will. Der neue Wirt hatte aber eine extrem muffige Art und die Bedienung war sowas von megaverpeilt. Diese beiden Punkte habe ich angemerkt. Das war aber kein Verriss. Plötzlich kamen ganz viele Beiträge von Nutzern mit neuen Accounts, die den Wirt und den Service lobten. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt … tja, und meine Gruppe und ich, wir haben das Nebenzimmer nie wieder bekommen für unseren Stammtisch.


Zu Besuch bei dem Bastler, der die stärksten DIY-Laser auf YouTube baut


Findest du es leichter, online deine Meinung zu sagen als jemandem direkt ins Gesicht?
Ich bin niemand, der sich wie hinter einer Maske in der Anonymität des Internets versteckt. Ich stehe zu meinen ehrlichen Beiträgen. Genauso wie ich auch im realen Leben der Lage bin, klare Kritik zu äußern. Beruflich bin ich es ja ohnehin gewohnt, Dinge zu bewerten, einzuschätzen, ehrlich zu beurteilen und oft genug auch schlechte Nachrichten zu überbringen. Der größte Unterschied zwischen einer Online-Bewertung und einer realen Äußerung Face-to-Face ist sicherlich, dass ich mir für eine Online-Bewertung Dinge besser und gründlicher durch den Kopf gehen lassen kann als situativ.

"Ich bin kein Feinschmecker"

Viele Beiträge auf Yelp sind totale Kampfbewertungen. "Kellnerin hat genuschelt. 1 Stern" – schreibst du auch mal sowas?
Das sind Hassbewertungen. Sie kommen von Leuten mit kaum Beiträgen. Frisch angemeldet. Manchmal kommen die von der Konkurrenz, das ist offensichtlich. Wenn ich mir Beiträge anschaue, dann achte ich nicht nur darauf, wie die Beiträge insgesamt sind, sondern, was da für Infos drin sind. Das Perfekte hat man eh selten.

Sagst du das auch direkt im Restaurant oder wartest du bis zur Bewertung?
Wenn mir was nicht schmeckt, dann sage ich das auch offen. Das letzte Mal war im Mai 2018 in Hamburg. Der Pannfisch hat einfach verdammt salzig geschmeckt. Der Umgang des Service mit der Kritik war aber perfekt. Es gab keine Diskussionen, der Service fragte bei einem Vorgesetzten nach und am Ende ging ein Getränk aufs Haus. Erlebt habe ich aber auch schon, dass der Service meine Kritik, dass ein Schweinebraten nicht geschmeckt hat, nicht akzeptiert und mit mir diskutiert. Peinlich. Das geht natürlich gar nicht.

Du schreibst seit über neun Jahren Bewertungen, hast bei Qype damit angefangen und dann bei Yelp damit weitergemacht. Welchen deiner Beiträge findest du am gelungensten?
Im Oktober 2016 war ich in Berlin auf der Venus. Den Beitrag zu schreiben, hat richtig Spaß gemacht. Da waren einfach genug Wortspiele dabei und das hat viele Leute zum Lachen gebracht. Genug Silikon für Jahre habe ich auch gesehen.

"Zu den bekannten Läden findet eh jeder"

Verlässt du dich eigentlich auch selbst auf Nutzerbewertungen?
Ich schaue auch, klar. Für mich ist ein wichtiges Kriterium: Leute, die ich persönlich oder aus dem Netz kenne, schreiben darüber. Auf deren Urteil verlasse ich mich. Neulich war ich in Berlin unterwegs, Touri-Ecke, gucke auf Yelp. Da hat eine Bekannte einen Laden bewertet. Da bin ich dann auch reingegangen und konnte genau unterstreichen, was sie erlebt hat.

Was nervt dich an Yelp ?
Es gab in Deutschland mal Community-Events von Yelp. Da habe ich viele Leute getroffen, mit denen ich bis heute sehr gut befreundet bin. Aber seit zwei Jahren ist das Geschichte.

Dein Geheimtipp? Wohin sollte man unbedingt gehen?
Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Fantastisch. Ich bin jemand, der schnell durch Museen geht. Aber da war ich drei Stunden drin.

Hast du auch einen Tipp, wo man essen sollte?
Ach, ich bin kein Feinschmecker. In Berlin gehört eine Currywurst einfach dazu. Und da teste ich dann auch mal eine neue Bude, weil zu den bekannten Läden findet eh jeder. Der Reiz ist für mich ja gerade da, wo nicht jeder Touri-Mainstream hingeht. Da bin ich vielleicht nicht der typische Städtereisende. Aber ich habe ja nichts davon, da hinzugehen, wo jeder hingeht.

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<![CDATA[Fünf angebliche Weisheiten über Erkältungen, die so nicht stimmen]]>https://motherboard.vice.com/de/article/mbywyy/fuenf-angebliche-weisheiten-ueber-erkaeltungen-hausmittel-vitamin-c-sauna-antibiotikaTue, 15 Jan 2019 11:09:45 +0000Durch deine Nase kommt kein Bisschen Luft, deine Schläfen pochen, und du willst einfach nur ins Bett: Für Erkältungen gibt es allerlei Geheimtipps und Hausmittel, die dir versprechen, dich in kurzer Zeit wieder auf die Beine zu bringen. Doch dafür, dass Menschen in Deutschland durchschnittlich zwei bis drei mal im Jahr an Erkältungskrankheiten leiden, gibt es erstaunlich wenig wirksame Heilmittel. Was wirklich gut für dich ist, haben wir hier aufgeschrieben.

Doch viele Tricks und Mittelchen helfen dir überhaupt nicht oder können sogar schaden. Wir haben uns angeschaut, was die Wissenschaft zu den gängigsten Maßnahmen gegen eine Erkältung sagt – und von welchen du wirklich die Finger lassen solltest.

1. Rezeptfreie Aufputschmittel aus der Apotheke schlucken

So sicher wie Lebkuchen und Jahresrückblicke gehört zum Winter die Werbung für Erkältungsmittel, die es oft rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen gibt. Leider machen die meisten die Erkältung nicht wirklich kürzer, sondern zielen nur auf die Symptome ab.

Bei einigen handelt es sich sogar um Aufputschmittel, die Mischungen aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Koffein und manchmal Alkohol enthalten. Es kann auch sein, dass sich sowohl aufputschende als auch beruhigende Wirkstoffe in ein und demselben Hustensaft befinden. Selten wirst du alle Stoffe aus diesen Cocktails wirklich benötigen.

Das Problem: Diese Mittel helfen dir nicht beim Gesundwerden, wie unter anderem eine kanadisch-neuseeländische Metastudie zeigt. Sie sorgen vor allem dafür, dass du dich besser fühlst, als es dir eigentlich geht. Dagegen ist wenig einzuwenden, aber wenn du sie nur nimmst, um dich krank zur Arbeit oder einer Party zu schleppen, kann das die Dauer deiner Erkrankung verlängern, weil du dich nicht erholst.

Medikamente gegen Hustenreiz und zum Schleimlösen können dagegen durchaus sinnvoll sein, wenn du zum Beispiel eine Halsentzündung oder eine Bronchitis hast. Welches Medikament für dich geeignet ist, hängt aber von vielen Umständen ab. Deshalb ist es meist Murks, den erstbesten Cocktail in der Apotheke zu kaufen. Bei einer schweren Erkrankung frag lieber deinen Arzt, was in deiner Situation das Beste ist.

2. Antibiotika nehmen – außer der Arzt sagt es dir

Antibiotika sind bei Erkältungen absolut tabu. Die helfen nämlich nur gegen bakterielle Infektionen. Erkältungen werden aber von Viren ausgelöst, und gegen die sind Antibiotika machtlos. Zwar kann es sein, dass sich bei dir zusätzlich ein Befall mit Bakterien eingestellt hat, aber das sollte dein Arzt feststellen, der dir dann wenn nötig Antibiotika verschreibt.

Inzwischen warnen sogar Krankenkassen wie die TK Patienten und Ärzte davor, vorschnell Antibiotika zu nehmen oder zu verschreiben, weil dadurch das Risiko von Resistenzen steige. Auch die alte Faustregel, dass gelblich-grüner Nasenschleim für eine bakterielle Infektion spreche, stimmt so pauschal nicht.

3. Vitamin C – hilft höchstens als Placebo

Vitamin C, auch bekannt als Ascorbinsäure, wird vielen Erkältungsmitteln zugesetzt, ob aus der Apotheke oder der Drogerie. Das ist aber eher Marketing. Zwar ist das Vitamin lebenswichtig und an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt, hat aber offenbar keine direkten Auswirkungen auf Erkältungen, wenn du es während deiner Krankheit einnimmst.

Anders sieht es aus, wenn du es vorbeugend nimmst. Dadurch werden nach aktuellem Stand der Forschung Erkältungskrankheiten aber auch nicht seltener, sondern dauern etwas weniger lang.

Übrigens sollte es meist nicht nötig sein, Vitamin-C-Pillen zu nehmen. Der Mensch braucht etwa 100 Milligramm Vitamin C am Tag. In der Regel ist es kein Problem, das über die alltägliche Ernährung aufzunehmen. Ausreichende Mengen stecken in vielen Obst- und Gemüsesorten, zum Beispiel in 100 Gramm Brokkoli oder Paprika oder ein bis zwei Orangen. Wichtig ist, dass das Essen frisch ist oder aus dem Tiefkühlfach kommt.



4. Sport machen und sich in der Sauna abhärten

Du willst deinen wöchentlichen Trainingsplan trotz Erkältung nicht aufgeben und eine Runde joggen gehen? Lieber nicht. Wenn du dich wegen einer Erkältung schlapp fühlst, solltest du auf Sport verzichten, dazu raten auch mehrere Krankenkassen wie etwa die AOK oder die HKK.

Nicht ganz so klar ist die Lage in Sachen Sauna. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass regelmäßige Saunagänge Erkältungen vorbeugen können. Aber was, wenn es dich bereits erwischt hat?

Viele Menschen glauben, dass sich Erkältungen ausschwitzen lassen. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Und auch die heiße Luft scheint keine positiven Auswirkungen auf eine akute Erkältung zu haben. Jedenfalls konnten in einer Studie an der Berliner Charité keine Anhaltspunkte dafür gefunden werden. Ob ein Saunagang vielleicht sogar schlecht für dich sein könnte, solltest du mit deinem Arzt besprechen. Sicher ist, dass Menschenansammlungen allein schon meiden solltest, um niemanden anzustecken.

5. Hände im Alltag desinfizieren

Klar, Händewaschen hilft gegen Infektionskrankheiten. Und beim Besuch im Krankenhaus ist es absolut ratsam, die Hände an den dafür vorgesehenen Spendern zu desinfizieren. Aber einige gehen so weit, dass sie auch im Alltag regelmäßig ihre Hände mit Mittelchen aus der Drogerie desinfizieren. Dabei sollten Wasser und Seife völlig ausreichen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Das Bundesamt für Risikobewertung rät sogar davon ab, Desinfektionsmittel im Haushalt zu verwenden. Du brauchst einiges an Fachwissen, welches Desinfektionsmittel für jeweils für verschiedene Umgebungen und Keime benutzt werden sollte. Auf dem menschlichen Körper siedeln nämlich auch viele harmlose und nützliche Bakterien, die gleich mit angegriffen werden. Dasselbe gilt für Bakterien in Kläranlagen, die unser Abwasser reinigen.

Ständig alles zu desinfizieren kann auf lange Sicht ähnlich wie bei Antibiotika sogar zu Resistenzen bei Krankheitserregern führen. Unterm Strich hast du also mehr davon, wenn du 30 Sekunden ins korrekte Händewaschen investierst und dir das Desinfektionsmittel sparst.

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<![CDATA[YouTuber labert von "Falschgeld aus dem Darknet" – und bekommt Besuch von Polizei]]>https://motherboard.vice.com/de/article/mby843/youtuber-simon-desue-falschgeld-aus-darknet-polizei-macht-hausdurchsuchung-fakeTue, 15 Jan 2019 08:54:14 +0000Über vier Millionen Abonnenten verfolgen auf seinem YouTube-Channel, was Simon Desue so treibt. Und gerade interessiert sich auch die Polizei für den 27-Jährigen. Am Freitag, den 4. Januar, klopften Beamte deswegen an seine Tür und durchsuchten anschließend seine Wohnung. Der Verdacht: Simon Desue, bürgerlicher Name Joshua Weißleder, könnte sich im Darknet Falschgeld besorgt und damit eingekauft haben – zumindest hat er das selbst auf YouTube in mehreren Videos behauptet.

Inzwischen ist klar: Das Geld, das die Polizei bei der Durchsuchung beschlagnahmt hat – insgesamt 9.850 Euro in 50-Euro-Scheinen –, ist nicht gefälscht. Das bestätigte die Polizei gegenüber Motherboard. Weißleder darf es demnach wieder abholen. Einem anderen Vorwurf muss er sich vermutlich trotzdem stellen: Vortäuschen einer Straftat. Denn in seinen Videos behauptet Weißleder ja, er hätte Falschgeld gekauft und ausgegeben.

Die Story vom "Hacker-Laptop"

Weißleders Falschgeld-Geschichte, wie er sie auf YouTube erzählt, ist abstrus und voller falscher Darstellungen von Technik, Darknet und Hacking. Es geht um Mörder und um Männer in schwarzen Hoodies, vor denen Weißleder panisch in seinem Lamborghini flüchtet, weil sie ja Hacker sein könnten. Die Geschichte der Videos, die er zwischen dem 31. Dezember und dem 4. Januar seinem Kanal hochgeladen hat, geht so:

In einem ersteigerten Koffer findet Weißleder einen "Hacker-Laptop". Mit der Hilfe seiner Zuschauer "errät" er das Passwort, danach findet er unter anderem eine Datei mit Links für das Darknet, "diesem Internet für Kriminelle", wie er erklärt. Dort bestellt er 10.000 Euro Falschgeld und geht damit nach der Lieferung mit seiner Freundin und einer versteckten Kamera einkaufen bei Saturn. Am Ende jubeln die beiden auf dem Parkdach des Elektrogeschäfts wegen ihrer neu erstandenen Kaffeemaschine. Schnell verlassen sie den vermeintlichen Tatort, freuen sich, dass die Polizei sie nicht erwischt hat. Doch offenbar haben sie sich zu früh gefreut.

Denn was für die meisten Zuschauer klar als eine ersponnene Geschichte erkennbar sein dürfte, war für die Hamburger Polizei offenbarin Grund zu ermitteln und Weißleders Wohnung zu durchsuchen. "Durch die Videos ergab sich der Anfangsverdacht einer Straftat", sagt ein Pressesprecher der Hamburger Polizei, Florian Abbenseth, zu Motherboard.

"Wenn es klingelt und jemand den Daumen vors Guckloch hält, dann weiß Simon schon: Das ist die Polizei."

Weißleders Manager Daniel van Kampen sagt, er verstehe nicht, wie man die Story für wahr halten kann: "Jeder, der nachdenken kann, muss wissen, dass Simon nicht den ganzen Tag rumlaufen und Scheiße bringen kann", sagt er. Und tatsächlich findet sich in der Beschreibung der Falschgeld-Videos – ebenso wie in vielen anderen auf Weißleders Kanal – zusätzlich ein Hinweis: "Die Personen und die Handlung des Films sind frei erfunden." Ganz klein und ganz unten in der Videobeschreibung, aber die Hinweise sind da.

Laut van Kampen hat das Management des YouTubers das schon vor Längerem so beschlossen, auch wenn Weißleder selbst zuerst nicht überzeugt war. Der habe befürchtet, seine Fans würden ihm übelnehmen, dass vieles Fake ist. Van Kampen sagt, er glaube, dass die das sowieso wissen: "Mit diesen Markierungen sichern wir uns nur ab."

Der Polizeisprecher sagt allerdings, die Hinweise könnten nachträglich eingefügt worden sein. Und auch ansonsten sei noch zu prüfen, ob die Hinweise so, wie sie unter den Videos stehen, ausreichen, um die Geschichten als Fiktion zu kennzeichnen, wenn Weißleder doch gleichzeitig "sehr mühevoll" im Video selbst versucht, alles echt wirken zu lassen.

Das Kalkül mit den Fake-Verbrechen

Die meisten Zuschauer dürften Weißleder die Falschgeld-Geschichte wohl nicht abgekauft haben. Viele weisen in den Kommentaren unter dem Video auf Unstimmigkeiten hin. Aber es gibt durchaus Abonnenten, die ähnlich leichtgläubig scheinen wie die Polizei. In einem der Videos bittet Weißleder seine Zuschauerinnen, Unterschiede zwischen vermeintlicher Blüte und Echtgeld in die Kommentare zu schreiben.

Tatsächlich stehen dort einige Hinweise von Menschen, die ernsthaft nach Unterschieden gesucht haben. Und auch andere Kommentatoren scheinen die Story zu glauben. "Du bist eine Schande", schreibt einer. "Andere Leute arbeiten Tag und Nacht für einen Fünfziger und du bestellst 100 Fünfziger im Internet." Und weitere schreiben, dass sie ihn gemeldet oder angezeigt haben.

Zwei 50-Euro-Scheine
Wer findet Unterschiede zwischen dem angeblichen Falschgeld (unten) und dem echten? | Bild: Screenshot | YouTube | Simon Desue

Für Klicks vermischt Weißleder gerne mal Realität und Fiktion. In einem Video aus dem Sommer 2018 leuchtet er mit "dem stärksten Laserpointer der Welt" in der Hamburger Innenstadt umher, in einem anderen tut er so, als würde er eine Waffe finden. Beide Aktionen, die reale und die erfundene, führten laut seinem Manager zu Wohnungsdurchsuchungen durch die Polizei. "Es ist immer das gleiche Spiel. Wenn es klingelt und jemand den Daumen vors Guckloch hält, dann weiß Simon schon: Das ist die Polizei."

YouTube oder RTL II – da gibt es wohl Unterschiede

Der Hamburger Polizeisprecher sagt über die Falschgeld-Videos, Weißleder habe sich "durchaus schon sehr viel Mühe gemacht, das als echt darzustellen". Das machen allerdings auch Produzentinnen, Regisseurinnen und Schauspieler für Scripted-Reality-Shows im Fernsehen. Wenn ein besorgter TV-Zuschauer bei der Polizei anriefe – würde dann auch ermittelt?

Laut Abbenseth käme es dabei auf den konkreten Einzelfall an. "Da ist sicherlich eine Differenzierung erforderlich." Hinter Scripted-Reality-Shows stünden Produktionsfirmen, ein TV-Sender und bezahlte Schauspieler. "Der Zuschauer weiß, dass die Fälle gestellt sind." Die Polizei würde allerdings nicht zwischen Privatperson und YouTube-Influencer unterscheiden. "Sicherlich handelt es sich im konkreten Fall ja um einen erfolgreichen YouTuber. Das bedeutet aber nicht, dass per se alles fiktiv ist." Und wenn alles nur erfunden war? "Dann muss geprüft werden, ob es sich dabei um die Vortäuschung einer Straftat handelt."

Weißleder ist nicht der erste Hamburger YouTuber, der wegen seiner Videos Ärger mit der Polizei – und eventuell auch mit Richtern – bekommt. Im Oktober 2017 wurde ApoRed zu sieben Monaten auf Bewährung und 200 Sozialstunden verurteilt. Für ein Prank-Video hatte er Passanten eine Tasche zugeworfen, in der angeblich eine Bombe steckte. Und weil Leon Machère so tat, als würde er ein Graffiti an eine Hauswand sprühen (Vortäuschen einer Straftat) und als Polizist Passanten aufforderte, sich etwa auszuziehen oder die Hände hoch zu nehmen (Amtsanmaßung), hat das Gericht ihn im August 2018 zu einer Strafe von 37.500 Euro verurteilt..

Daniel van Kampen, der nicht nur Weißleder managed, sondern auch ApoRed, scheint der Meinung zu sein, dass seine Schützlinge ungerecht behandelt werden: "Staatsanwaltschaft und Polizei wollen einfach möglichst hart durchgreifen und so Angst verbreiten", sagt er. Er vergleicht Prank-Videos auf YouTube mit alten Comedy-Sendungen wie "Comedystreet" von Simon Gosejohann.

Gosejohann tat für seine Sendung unter anderem in Innenstädten so, als hätte er Kanister mit giftigen Flüssigkeiten verschüttet – der Schock der Passanten wurde zum Lachen der Zuschauer. "Wenn jemand nach so einer Aktion sagt, dass es fürs Fernsehen ist, finden es alle lustig. Wenn es für YouTube ist, ist es plötzlich schlimm und eine Straftat."



Der Sprecher der Hamburger Polizei widerspricht. Man könne nicht von einem "härteren Vorgehen gegen YouTuber" sprechen. "Maßstab für das polizeiliche Tätigwerden ist, ob der Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt oder nicht.” Und das sein bei Weißleders Video eben der Fall gewesen.

Es scheint so, als müssten einige Gesetze und polizeiliche Routinen für YouTuber erst noch ausgearbeitet werden: Welche Pranks sind erlaubt? Wieviel Fiktion darf ein YouTube-Video enthalten und wie muss die Fiktion deutlich gemacht werden? Tatsächlich ist die grundlegende Frage eine andere: Was eigentlich unterscheidet das beinahe schon veraltete Reality- und Comedy-TV von dem, was jeden Tag in den YouTube-Trends landet?

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