In Düsseldorf könnt ihr euch am Wochenende zum Cyborg aufrüsten lassen

Biohacker aus aller Welt treffen sich in NRW zur Implantationsparty und diskutieren darüber, wie weit wir unsere Körper experimentell selbst aufrüsten sollten.

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Nov. 5 2015, 8:00am

Implantation eines RFID-Chips. Screenshot: YouTube | BioNyfiken.

Am Wochenende trifft sich die internationale DIY-Biohacking-Elite zum Informationsaustausch und Partymachen auf einer Cyborg-Messe im NRW Forum Düsseldorf.

Nervt es dich, dass du ständig deinen Schlüssel vergisst, beim Bezahlen deine EC-Karte rausholen musst und nachts so schlecht sehen kannst? Am Samstagnachmittag kannst du dir dort zum Messe-Spezialpreis einen RFID-Chip einpflanzen lassen, der elektromagnetische Wellen erkennt, dir einen sechsten Sinn verleiht oder mit dem du mit dem richtigen Lesegerät zum Beispiel Türen öffnen kannst.

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Die internationale Biohacking-Szene ist zwar noch immer eine kleine, aber seit Jahren beständig wachsende Community. Spätestens seit der DIY-Cyborg Tim Cannon sich auf einer der weltgrößten Body-Modification-Konferenzen einen aufsehenerregenden Chip implantieren ließ, ist Biohacking nicht nur eine eingeschworene Nerd-Sache, sondern findet auch immer mehr Anhänger unter Piercern und sonstigen Körperkünstlern, die ihr Äußeres aus ästhetischen Gründen modifizieren wollen. Der Aufstieg von Wearable Tech tut sein übrigens, dass die Verschmelzung von Mensch und Gadgets immer alltäglicher wird.

Auf der Implantationsparty gibt es Chips zum Vorzugspreis

Biohacking geht allerdings weiter als Fitnessarmbänder oder die Apple Watch: Überdimensionierte Fieberthermometer, die unter der Haut die Körpertemperatur messen und sie als Graph aufs Tablet schicken, das Hacking-Tool für Android-Phones in der Hand oder implantierte Chips, die als Bitcoin-Wallet das Portemonnaie ersetzen. Ganz nach dem alten Hacker-Ethos, sich die Technologie selbst zu erobern, geht es vielen auch darum, mit Experimenten selbst herauszufinden, wie weit sie ihren Körper aufrüsten können.

Redner und Cyborg Hannes Sjöblad. Bild: Hannes Sjöblad | BioNyfiken.

Am Wochenende geht es im Forum deshalb vor allem um Vernetzung, Erfahrungsaustausch und neue Technologien für die Entwicklung der Szene.

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Nach der offiziellen Eröffnung und einer Buchvorstellung am Freitag sprechen am Samstag unter anderem die Cyborgs und Aktivisten Tim Cannon (Grindhouse Wetware), Hannes Sjöblad (BioNyfiken), Steampunk-Autorin Anja Bagus und Medienwissenschaftlerin Stefanie Rembold zu eigenen Erfahrungen, Transhumanismus und Body Modification. Sonntag werden Besucher beim Cyborg-Barcamp selbst zu Rednern: Zwischen 12 und 18 Uhr werden vier maximal anderthalbstündige Slots vergeben, in denen Interessierte zu frei gewählten Themen vor Publikum sprechen können.

Wie weit können und sollten wir unsere Körper selbst aufrüsten?

Neben dem Bühnenprogramm bieten die Biohacker ihre eigenen Produkte an—vom Chip, den du dir implantieren lassen kannst, bis zu Cyborg-Mode.


So etwa wird die RFID-Chip-Implantation auf der Messe aussehen. Video: YouTube | Morgonpasset i P3

Organisiert wird die Messe von der Cyborgs e.V. NRW-Koordinatorin und CCC-Mitglied Elle Nerdinger, dem Vorsitzenden des Cyborg e.V. Enno Park und dem NRW-Forum Düsseldorf anlässlich der Ausstellung „EGO UPDATE. Die Zukunft der digitalen Identität". Der Eintritt kostet 6 Euro.

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Wir werden am Wochenende in Düsseldorf vor Ort sein und euch von den neuesten Entwicklungen auf der Cyborg-Messe berichten.

Das ganze Programm findet ihr hier.