Asylstreit

Geflüchtete sind gut für die Wirtschaft – das zeigt diese neue, umfassende Studie

Bisher haben europäische Länder von Einwanderung profitiert. Das zeigen französische Forscher mit einer Analyse der vergangenen 30 Jahre und nehmen Asyl-Gegnern mal eben eins ihrer liebsten Argumente.

Daniel Oberhaus

Daniel Oberhaus

Bild: imago | Rene Traut

Der Asylstreit zwischen der CDU und CSU hat gerade eine neue Eskalationsstufe erreicht. In den USA fährt die Trump-Regierung weiterhin eine "Null-Toleranz"-Politik an den Außengrenzen, mit der Begründung, Migranten würden die US-Wirtschaft belasten. Um seinen Standpunkt zu bekräftigen, spricht Trump auf Twitter immer wieder von den angeblich horrenden Auswirkungen von Migration in Europa. Doch einer neuen Studie zufolge, die Ende Juni in Science Advances veröffentlicht wurde, haben Asylsuchende in Europa in den letzten 30 Jahren insgesamt einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft der jeweiligen Länder gehabt.

Die Studie stammt vom französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung, der Universität Clermont-Auvergne und der Universität Paris-Nanterre. Die Forscher nutzten ökonomische Daten von 15 westeuropäischen Ländern mit den höchsten Raten von Asylsuchenden zwischen 1985 und 2015.

In den 1990er Jahren gab es nach den Balkankonflikten einen großen Anstieg an Asylsuchenden, in den letzten sieben Jahren erleben wir einen zweiten enormen Anstieg. In ihrer Studie halten die Forscher fest, dass sich außerdem die Einwanderung aus östlichen Mitgliedsstaaten seit der EU-Erweiterung 2004 verstärkt habe.

Bruttoinlandsprodukt steigt, Arbeitslosigkeit sinkt

Wie wirken sich Einwanderinnen und Einwanderer auf das Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosigkeit und den Staatshaushalt aus? Um das messen zu können, nutzten die Forscher ein Statistikmodell, das vom Nobelpreisträger Christopher Sims entwickelt wurde. Andere Modelle beschränken sich auf Input und Output – das heißt, sie vergleichen, wie viel Geld ein Staat investiert und wie viel Geld Einwanderinnen im Gegenzug etwa durch Steuern an den Staat zahlen. Das Modell von Sims bezieht aber auch andere Faktoren mit ein.


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Die Forscher stellten fest, dass Migranten einen positiven Nettoeffekt auf die Wirtschaft in den jeweiligen Ländern hatten. Das Bruttoinlandsprodukt steigerte sich den Forschern zufolge "signifikant" und die Arbeitslosenzahlen gingen zurück. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass die zusätzlichen Staatsausgaben durch den Anstieg der Steuereinnahmen mehr als ausgeglichen würden. Auch die Ankunft von Asylsuchenden hatte der Studie zufolge einen positiven Effekt auf die Wirtschaft, was allerdings erst mit einer Verzögerung von drei bis sieben Jahre sichtbar wurde. "Sobald Asylsuchende dauerhafte Einwohner sind, ist ihre gesamtwirtschaftliche Wirkung positiv", heißt er in der Zusammenfassung der Studie.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die vermeintliche Flüchtlingskrise, die Europa gerade erlebt, wahrscheinlich keine Wirtschaftskrise auslösen wird. Sie könnte sogar eine wirtschaftliche Chance sein", schlussfolgern die Forscher. "Wir bestreiten nicht, dass Asylsuchende viele politische Herausforderungen mit sich bringen. Aber diese Herausforderungen könnten vielleicht leichter gemeistert werden, wenn das Klischee abgelegt werden kann, dass Migration eine dauerhafte wirtschaftliche Belastung bedeutet."

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