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Der größte Mafiaclan Japans hat Halloween für dieses Jahr abgesagt

Sind interne Machtkämpfe der Grund, warum die Yakuza das Verteilen von Süßigkeiten in ihrer Hochburg Kobe ausfallen lassen?

Emiko Jozuka

Emiko Jozuka

Yamaguchi-gumi-Boss Kenichi Shinoda nach seiner Haftentlassung im April 2011. Foto: Imago

Für viele Kinder aus der japanischen Großstadt Kobe gibt es dieses Jahr an Halloween eher Saures als Süßes—denn die örtliche Mafia hat das Fest abgesagt. Wie das Nachrichtenmagazin Sankei West berichtet, verkündete die Yamaguchi-gumi, die größte Vereinigung der japanischen Yakuza, bereits vergangene Woche mit Aushängen vor ihrem Hauptquartier, dass das alljährliche Verteilen von Süßigkeiten seitens der Mafia am kommenden Samstag ersatzlos gestrichen sei. Der entsprechende Tweet zirkuliert seitdem im japanischsprachigen Twitter.

Die Mafiosi entschuldigen sich bei Kindern und Eltern zwar für die kurzfristige Absage, lassen die Gründe für die Absage des Spektakels aber im Unklaren. Allerdings könne Halloween bereits nächstes Jahr wieder wie üblich stattfinden.

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Bereits seit August leidet das Syndikat unter internen Machtkämpfen und steht deswegen unter verstärkter polizeilicher Beobachtung. Ein mögliches Ausbrechen interner Streitigkeiten im öffentlichen Raum könnte somit auch der Grund gewesen sein, warum die Kinder des Viertels in der Halloween-Nacht besser nicht im Hexenkostüm auf der Straße unterwegs sein sollten.

Yamaguchi-gumi-Boss Kenichi Shinoda nach seiner Haftentlassung im April 2011. Foto: Imago

Die Yakuza sind im westlichen Ausland vor allem für Stereotype wie massenhafte Tätowierungen oder fehlende Fingerkuppen (angeblich eine Form der Bestrafung für fehlerhaftes Mafiosiverhalten) berüchtigt. Während letztere heutzutage von den Mafiosi häufig durch entsprechende Prothesen kaschiert werden, um so gesellschaftliche Ächtung zu vermeiden, hat auch das Tragen von Tätowierungen an Bedeutung verloren.

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Angesichts der vielfältigen gesetzeswidrigen Aktivitäten der Organisation, wie Drogen- und Menschenhandel, Prostitution, oder illegale Kreditgeschäfte erscheint es fast schon zynisch, dass sich die Yamaguchi-gumi auch gesellschaftlich engagiert.

Nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami 2011 zählte die Yakuza beispielsweise zu den ersten, die Hilfslieferungen an die Opfer organisierte. Auch auf das Erdbeben 1995 in Kobe, traditionelle Heimatstadt der Yamaguchi-gumi, hatte der Clan ähnlich mit sozialen Maßnahmen reagiert.

Während einige Experten derartige Aktionen als geschickte PR-Stunts der Mafiosi betrachten, schreibt Journalist und Yakuza-Experte Jake Edelstein die Hilfsbereitschaft der Gruppe in schwierigen Zeiten dem „Ninkyo" zu—einem alten Yakuza-Kodex, der Gerechtigkeit und Einsatz für diejenigen fordert, die leiden.

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Nun auch noch das Verteilen von Halloween-Süßigkeiten an Kinder unter diesem Kodex zusammenzufassen, dürfte allerdings etwas schwierig werden. Vielleicht sind die Yakuza einfach gerne in der Gesellschaft von Kindern. Oder sie hoffen so, frühzeitig das Nachwuchsproblem des Clans in den Griff zu bekommen. Jedenfalls gibt es bereits seit zehn Jahren an jedem Halloween Süßes für die Kinder von Kobe. Nur dieses Jahr müssen sie verzichten.