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Piggy Bank Girls erfüllt jedem Sugardaddy seine Crowdfunding-Fantasien

Ein Berliner StartUp ist heute mit seinem Erotik-Kickstarter online gegangen, auf dem sich Mädchen von reichen Gönnern ihre Projekte finanzieren lassen können.

Kai La Quatra

Screenshot: Piggy Bank Girls

Warum sich nicht mal eine Schönheitsoperation, einen Urlaub oder auch neue teure Unterwäsche per Erotik-Kickstarter bezahlen lassen? „Piggy Bank Girls" ist seit heute morgen online, und verspricht Frauen einen neuen Weg zur Verwirklichung ihrer besonderen Wünsche: Spendable Gönner für das eigene Projekt werden mit Nacktbildern oder Erotik-Videos geködert und belohnt.

Wenn dir also Youporn zu schmuddelig und Camsex zu unpersönlich ist, dann gehörst du ja vielleicht zum Klientel der großzügigen Gentlemen, die die Seite ansprechen möchte. Zwar definieren die Mädchen Art und Höhe ihrer Benefits selbst, aber bei Spenden unter 20 Euro kannst du gerade einmal ihre Profilseiten anschauen—persönlichere Erotikgaben an die virtuellen Suggardaddys gibt es erst bei höheren Summen.

Wenn du dich also für solch eine Spende entscheidest, flattert dir ein individueller Gruß, ein Fotoset oder ein Video auf die Festplatte. Der Fantasie und dem Grad an explizitem Material sind dann im privaten Austausch keine Grenzen gesetzt—genauso wie natürlich auch der Höhe der Spende.

Die Idee zu der Seite hatten Chris und Anna. Beide leben in Berlin, sind Mitte und Ende zwanzig und haben BWL und Marketing studiert. Normalerweise sind genau sie es, die auf traditionellen Crowdfundingseiten um Spenden für ihr Start-Up werben. Beide vermarkten allerdings Webseiten im erotischen Segment und haben so einen Bedarf an einer persönlicheren Ebene des Internet-Erotikausstauschs ausgemacht.

Zwar gibt es Cam-Sex-Seiten wie Sand am Meer, eine Seite, bei der Inhalte nur für einen User speziell erarbeitet werden, existierte bislang jedoch nicht— aber das Unique-Content-Prinzip ist eben einfach unschlagbar.

Die Gründer von „Piggy Bank Girls" Anna und Chris 

Das Einsammeln der Spenden funktioniert altbewährt. Die Mädchen, die ihre Kampagnen kostenlos einstellen können, laden eine Videobotschaft mit ihrem zu finanzierenden Projekt auf die Plattform, stellen sich vor und hoffen auf Geldeingänge. Und da Amateurvideos bekanntermaßen das beliebteste Porno-Format darstellen, klingt der Businessplan und die Idee zur Plattform wie ein „Perfect Match".

Auf Twitter sind die beiden Gründer schon eifrig mit der Verbreitung ihrer Idee beschäftigt, und holen sich zahlreiche Amateur-Erotikdarstellerinnen aus aller Welt mit ins Boot. Bis jetzt sind zwar nur zwei Kampagnen online, aber die Gründer versprechen, dass im Laufe der nächsten Tage zahlreiche neue Funds an den Start gehen sollen.

Was die Mädchen angeht, stellten Chris und Anna auf den bisher von ihnen verwalteten Seiten fest, dass jeweils ein Anstieg von Camgirl-Videos in den Semesterferien stattfand. Dass heißt: die Studentinnen verdienen sich so ihr Studium. Weitere Recherchen der beiden ergaben eine Akzeptanz bei jungen Frauen, die zwar niemals Camsex machen würden, sich aber temporär für ein bestimmtes Anliegen über eine solche Seite finanzieren würden.

Eine der Nutzerinnen von Piggy Bank Girls

Die Anfang 20-jährige Jasmine ist eines der Mädchen, die sich ein paar kleine Annehmlichkeiten über Piggy Bank Girls finanzieren möchte. Gerade holt sie ihren Abschluss nach und lernt nebenbei auch noch erotische Web-Vermarktungslektionen, wie die, dass ihre Finanziers besonders ihren Po mögen.

Jasmine ist durchaus klar, dass sie Stereotype, wie die einer Geldherrin, bedient. „Für mich persönlich ist es definitiv ein Fetisch der Männer, wenn sie sich dazu bereit erklären den Mädels Geld zu spenden", erzählte sie mir. Allerdings vermutet sie dahinter verschiedene Gründe: „Einige wollen uns sicher nur einen Gefallen tun, andere wiederum Macht ausüben und Abhängigkeit schaffen." Wobei diese Abhängigkeit nur in der Fantasie der Investoren entsteht. Die Mädchen haben niemals persönlichen Kontakt zu den Herren und stellen alles nur über ein Downloadportal zur Verfügung. Für Jasmine soll das Ganze eine langfristige Sache werden, da sie immer wieder Wünsche hat, die sie mit ihrem Gehalt nicht finanzieren kann.

Die Gründerin Anna möchte Geld für ein Tierheim sammeln

Robert gehört zu der Kategorie von Männern, die den Mädchen einen Gefallen tun wollen. Er –  45, Illustrator und Schriftsteller aus England, hatte schon früher ähnliche „Fanbeziehungen", wie er es nennt. Damals unterstützte er ein Tattoo- und Piercingmodell finanziell. Kennengelernt hatte er sie über eine Webseite. Für Robert entstand eine persönliche Beziehung. Nach und nach bat er sie um bestimmte Fotos, die auf sein Bitten hin entstanden. So lebte er seine Fantasien aus, in dem er sein Modell in extra angefertigter Wäsche oder Kleider fotografieren lies. Laut Robert ist das eine Wertschätzung der Frau und ein Multi-Win-Szenario. Er sieht es aber auch als Wertschätzung seinerseits, da niemand sonst dieselbe Gegenleistung erhalten wird.

Wenn du also hoffst, im Internet schnell zu deiner Befriedigung zu kommen, bist du bei PBG falsch. Die Seite richtet sich eher an den virtuellen Sugardaddy, der seine Fantasien mit der Kreditkarte im Anschlag über Kickstarter-Belohnungen bedienen mag. Und selbst wenn das Geld nur für den schnöden Selbstzweck eingetrieben wird, steht PiggyBankGirls  immerhin nicht im Verdacht in einer Auflistung von YourKickstarterSucks zu landen.