In Handys vertiefte Pokémon-Spieler stolpern in Bundeswehr-Schießübung

Das Augmented Reality-Spiel ist in ländlichen Regionen schwieriger zu spielen als in der Stadt. Drei übermotivierte niedersächsische Pokémon-Jäger haben das nun nachdrücklich gezeigt.

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18 Juli 2016, 11:18am

Schranke am Truppenübungsplatz in Bergen | Bild: Wikipedia | Fiorellino | CC BY-SA 3.0

Pokémon Go sorgt nicht nur dafür, dass Augmented Reality einen bisher nie dagewesenen Hype erlebt und sich Massen von Gamern zu stundenlangen Fußmärschen versammeln, sondern birgt auch Risiken, die manch einem naiven Spieler erst auf die harte Tour klar werden. So trug es sich nun zu, dass am vergangenen Mittwochabend gegen 22 Uhr drei Augmented-Reality-Fans auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen beinahe in eine Schießübung der Bundeswehr stolperten.

Die drei waren scheinbar so vertieft in das Spiel, dass sie weder bemerkten, dass sie eine geschlossene Schranke überwanden und militärisches Sperrgebiet betraten, noch dass am Eingang eine rote Fahne gehisst worden war, die vor einer Übung mit scharfer Munition warnte, wie die Hannoversche Allgemeine berichtet. Trotz der Dunkelheit war die Fahne übrigens eigentlich nicht zu übersehen, denn sie wurde wie bei Übungen üblich mit einem hellen Scheinwerferlicht angestrahlt.

Voller Begeisterung waren die drei Pokémon-Suchenden scheinbar mit dem Auto auf das Gelände gefahren. Oberstleutnant Jürgen Engelhardt vom Landeskommando Niedersachsen kommentierte die Aktion in der Hannoverschen Allgemeinen daraufhin trocken, man müsse schon etwas Energie aufwenden, um die Schranke zu überwinden.

Die Spieler wurden schließlich vom Sicherheitsdienst der Bundeswehr aufgegriffen und aufgefordert, sich aus dem Gefahrengebiet zu bewegen. Doch selbst im Banne des Militärs stellten die kleinen Monster eine größere Attraktion dar als die uniformierten Mannen. „Die waren so in ihre Handys vertieft, dass sie extra darauf hingewiesen werden mussten, die Geräte auszuschalten", so Engelhardt. Mit Hilfe des Wachdienstes hatten die jungen Männer, deren Identität oder Alter nicht bekannt gegeben wurde, es dann doch noch geschafft, den Heimweg anzutreten.

„In Bergen wird scharf geschossen, dort liegen auch viele Blindgänger. Das kann lebensgefährlich sein", weiß Engelhardt. Den Pokéfans droht nun eine Geldstrafe wegen unbefugten Betretens einer militärischen Anlage.