Vorbildlich: Er hat unseren Artikel gelesen und konnte das gesparte Geld in ein Smartphone und eine schicke Sonnenbrille investieren. Bild: shutterstock

Welche Tricks wirklich funktionieren, um günstige Flugtickets zu ergattern

Und: Was ist eigentlich dran an dem Gerücht, dass Flugpreise höher werden, je häufiger du danach suchst?

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Juni 24 2016, 1:48pm

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Die Preisgestaltung bei Flügen ist eine Wissenschaft für sich, und so ist es kein Wunder, dass sich um die richtige Taktik bei Online-Buchungen mehr Mythen ranken als um die Tempelritter. Was hilft also wirklich, um günstige Flüge im Netz zu finden und sie schlau zu buchen?

Der ultimative Hack für günstige Tickets: Heirate eine Pilotin oder einen Flugbegleiter oder sei zumindest so lange mit ihr oder ihm zusammen, dass ihr euch als Paar bei der Fluggesellschaft eintragen lassen könnt. Viele Angestellte von Fluggesellschaften fliegen zu extrem günstigen Preisen und zahlen oft nur Steuern oder zehn Prozent des Normalpreises für ihre Tickets—und das ein Leben lang. Ihre Kinder oder ihre Partner können sie ebenfalls zu sehr günstigen Konditionen mitnehmen oder ihnen sogar ein rabattiertes Ticket buchen, ohne selbst zu fliegen. Gerade bei großen Fluggesellschaften kannst du dadurch bis zu 80 Prozent sparen.

Sollte das aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, müssen wir die Technik für uns arbeiten lassen, um nicht den Überblick zu verlieren. Noch vor wenigen Jahren wurden die Preise der Flüge staatlich reguliert. Die Rechnung war leicht nachvollziehbar: Je länger der Flug, je mehr Personalkosten und Treibstoff, desto höher der Flugpreis. Die Faktoren heute sind andere: Wie lange deine Reise dauert, wie früh und an welchem Wochentag gebucht wurde, welche Flughäfen dein Flieger ansteuern wird, an welchem Wochentag der Flug abhebt, und vor allem, welche Konditionen die spezielle Tarifklasse der Fluggesellschaft gerade hat und ob der Flug in den Ferien liegt—all das beeinflusst den Preis. Aber das soll dich nicht abschrecken: es gibt nämlich Tricks, die wirklich funktionieren und mit denen du viel mehr Zeit hast, um dich auf und über deine Reise zu freuen.

Wann du buchen solltest

Landeanflug auf St. Maarten in den niederländischen Antillen | Bild: imago

Experten sind sich relativ einig, dass sechs bis acht Wochen vor Abflug ein guter Mittelwert ist, um einen Flug zu buchen. Je länger du wartest, desto teuerer wird es. Faustregel für innerdeutsche Flüge: Sechs Wochen vorher buchen. Für Langstreckenflüge sind mindestens zwei Monate vorher die ideale Zeit, um sich um ein Ticket zu kümmern. Der günstigste Reisemonat für Buchungen von Europa aus ist übrigens der November—und der teuerste ist der August, wenn viele Länder Schulferien haben.

Versuche vor allem, zeitlich flexibel zu sein, auch wenn du dafür zähneknirschend ein bisschen früher aufstehen musst. Vor halb neun Uhr morgens sind die Flüge oft viel billiger. Innerdeutsch fliegst du am günstigsten, wenn du Freitagfrüh oder Freitagabend hin und am Montag zurückfliegst. Dienstag bis Donnerstag sind günstige Tage für innereuropäische Flüge.

Genieß die Aussicht, so lange du noch kannst: Die Flugzeuge der Zukunft haben keine Fenster

Wenn du gerne zockst und dich von kleinen Schwankungen nicht aus der Ruhe bringen lässt, lass dir früh von einem Vergleichsportal eine Preismeldung für deinen gewünschten Flug erstellen und beobachte, wie sich der Ticketpreis entwickelt. Sobald er sich verändert, bekommst du eine Nachricht in die Inbox.

Generell sind kleinere Flughäfen für Airlines oft günstiger als große, was sich auch im Preis niederschlägt. Um das auszunutzen, haben viele Vergleichsportale eine Umkreissuche, mit der du gute Deals für Gabelflüge in deiner Nähe finden kannst.

Erzähle niemandem, was du suchst: Cookies verraten dich

Bild: Screnshot Skyscanner | Mit freundlicher Gehemigung

Der Mythos stimmt tatsächlich: Wenn du eine Flugbuchungsseite mehrfach von der gleichen IP-Adresse aufrufst, kann es sein, dass du hinters Licht geführt wirst. Lösche deine Browsercookies regelmäßig, um fiese Überraschugen zu vermeiden. Fast alle Flugbuchungsseiten tracken ihre Kunden nämlich und wissen daher ganz genau, ob du schon mal hier warst und nach welcher Strecke du gesucht hast. Tatsächlich kann es dabei sein, dass du beim dritten oder vierten Besuch höhere Preise angezeigt bekommst.

Anders ist das bei Metasuchmaschinen, die als eine Art Gatekeeper agieren: Sie leiten eine Anfrage an die Airline oder das Online-Reisebüro weiter, wenn du dich wirklich für einen Flug entscheidest und auf einen gefundenen Preis klickst—und zwar zentralisiert von der IP des Portals. Jede Live-Abfrage kostet die Portale nämlich Geld. Das ist auch der Grund, wieso sich der angezeigte Preis vom tatsächlichen etwas unterscheiden kann: „Bei manchen Routen gibt es tausende Anfragen innerhalb von Stunden", erklärte Thomas Homolka von Skyscanner gegenüber Motherboard. „Damit wir nicht alle paar Sekunden den Preis abfragen müssen, haben wir die letzten Preise als „Caches", also als Prognose basierend aus früher gebuchten Preisen, gespeichert."

Homolka empfliehlt die Kalenderfunktion bei Metasuchmaschinen: Damit kannst du auf einen Blick feststellen, ob dein Flug einen Tag früher oder später nicht vielleicht viel billiger ist und den Preis für einen Flug über einen ganzen Monat hinweg vergleichen. Homalka empfiehlt auch, die Teilstrecken einzeln abzusuchen: „Bei einem Flug von Hamburg über London nach Edinburgh, kann es durchaus Sinn ergeben, die beiden Teilstrecken (Hamburg – London und London – Edinburgh) einzeln in die Suchmaske einzugeben."

Wer immer noch nicht zufrieden ist (und noch mehr Zeit für die Preisjagd hat), kann im nächsten Schritt auch noch den Ort wechseln. „Wenn man von den verschiedenen Domains auf die Seiten zugreift, also skyscanner.net statt skyscanner.de aufruft, kann man manchmal unterschiedliche Preise finden, weil sich in anderen Ländern Regularien wie Steuern unterscheiden können, die den Preis beeinflussen."

Error-Fares: Die Fehler der Fluggesellschaften gnadenlos ausnutzen

Bild: Flickr | Mighty Travels | CC BY-2.0

Für 185 Euro nach Seoul und zurück? Es gibt immer mal wieder Fehler bei der Preisgestaltung, und das kannst du ausnutzen, wenn du schnell zuschlägst, bevor die Fluggesellschaft den Patzer entdeckt und korrigiert. Sogenannte Error-Fares weichen krass vom Normalpreis ab: Beim Einstellen des Flugpreises hat die Fluggesellschaft zum Beispiel eine Null vergessen oder es gab ein technisches Problem mit der Datenbank. Es gibt Blogs, die sich speziell auf das Aufspüren dieser Error-Fares spezialisiert haben. Manche Seiten wie Urlaubspiraten verschicken solche Error Fares auch per Whatsapp-Dienst, damit du keinen dieser oft extrem schnell ausgebuchten Tarife mehr verpasst. Also besorg dir Whatsapp und ein ordentliches Datenpaket, mit dem du jederzeit auch von unterwegs zur Buchung bereit bist.


Der Endgegner: Enter The Matrix

Bild: Screenshot ITA Matrix

Dieses extrem mächtige Tool wurde von MIT-Wissenschaftlern programmiert und bildet in abgespeckter Form die Basis für unzählige Flugsuchmaschinen wie Google Flights. Die ITA Matrix sieht unübersichtlich aus, und tatsächlich ist sie nicht ganz intuitiv zu bedienen.

Tatsächlich gibt es kein besseres Werkzeug, um auch die kompliziertesten Anfragen mit Dutzenden Parametern zu stellen und das günstigste Ticket zu finden. Das macht die Seite besonders gut für richtig komplizierte Fälle wie Gabelflüge mit mehreren Aufenthalten in bestimmter Zeit in diversen Städten. Mit der Profi-Suche kannst du außerdem einen der besten Travel-Hacks ausprobieren, der je erfunden wurde und deine „Sales City" ändern. Dabei tust du so, als würdest du von einer anderen Stadt auf der Welt suchen und ergatterst damit Deals, die du ansonsten nie sehen würdest.

Es gibt einen ganzen Haufen Codes, mit denen du mit der ITA Matrix Flüge und Optionen findest, die bei anderen Suchmaschinen nicht zur Verfügung stehen. Mit Befehlen wie /minconnect kannst du beispielsweise alle Verbindungen finden, die eine bestimmte Umsteigezeit berücksichtigen, damit du nicht am Flughafen verschimmelst, während du auf deinen „wirklich total günstigen" Anschlussflug wartest. Du kannst natürlich auch Lieblings-Umsteigestädte angeben, Airlines ausschließen, und nach Zeiträumen suchen (im Juli zwei Wochen nach Südamerika, was geht da so?), bis deine Anfrage-Strings aussehen wie komplexe Programmiersprachen. Die Codes findest du auf dieser Seite, eine sehr gute Anleitung, um das Maximum aus deiner Suche mit der Matrix herauszuholen, findest du hier.

Weil du mit der Matrix allerdings nur Flüge suchen kannst, aber keine Tickets buchen kannst, gibt es dafür auch eine praktische Hilfe: Auf der Seite Book With Matrix kannst du deine dort gefundene Reiseroute einfach in ein Feld posten und den Dienst die besten Tickets für dich direkt zur Buchung anzeigen lassen.

Lass andere für dich suchen und die Experten gegeneinander antreten

Bild: Screenshot Flightfox

Vielleicht hast du schon längst einen guten Flug gefunden, vielleicht hattest du noch überhaupt keine Lust auf die Suche. Klar ist, dass im Preisdschungel wahrscheinlich immer noch etwas mehr geht. Das wissen leidenschaftliche Vielflieger, die sich sowieso den ganzen Tag über Schnäppchen und ihre Jagd nach den besten Preisen auf Foren wie FlyerTalk unterhalten. Ein findiger Startup-CEO hat nun einen Weg gefunden, sie dafür zu belohnen. Mit Flightfox kannst du die Travelhacker-Crowd nämlich für dich arbeiten lassen. Der Dienst lässt Experten in einen Konkurrenzkampf treten, um dir den günstigsten Flugpreis und die perfekte Route zu finden.

Du selbst stellst die Regeln für deine Reise auf und postest deine Wünsche als Angebot auf Flightfox. Der Wettbewerb läuft dann für maximal drei Tage, und der Gewinner—die Person, die die günstigste Route gefunden hat—erhält 75 Prozent eines Finderlohns, den du vorher festlegst. Wenn du selbst schon einen guten Preis gefunden hast, kannst du die Experten herausfordern, ihn zu unterbieten. Viele Preisjäger haben extremen Spaß daran und finanzieren sich so nicht selten ihre eigene Reise. Sie erhalten keine Provision von den vermittelten Anbietern, so dass die Auswahl unparteiisch getroffen wird. Die Gebühr ist nicht vom Ticketpreis abhängig, selbst komplexe Routenwüsche werden gern bearbeitet. Und du kannst schon mal ein praktisches Gummi-Aufblastier für den Strand einkaufen gehen, statt dich mit Suchmasken herumzuärgern.