Android und Apple bestätigen: Apps zu schließen ist sinnlos

Für alle, die ständig alle Apps schließen, um die Akkulaufzeit zu verbessern.

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17 März 2016, 11:48am

Bild: Shutterstock

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Es ist eine wohlige Routine vieler Smartphone-Nutzer: In regelmäßigen Abständen kurz über das Display wischen und alle Apps und Programme beenden, die gerade nicht benutzt werden. Eine beruhigende Tätigkeit, die einem nicht nur das Gefühl gibt, die endlose Programmflut und unzähligen Möglichkeiten seines Gadgets im Griff zu haben, sondern die vor allem den Akku schonen soll. So zumindest lautet eine weit verbreitete Annahme unter Energiesparfüchsen.

Doch sowohl Andoid-Entwickler als auch Apple bestätigten in den vergangenen Wochen, dass das Schließen von Hintergrund-Apps die Batterielaufzeit um genau null Prozent verbessert. Apples Software-Chef Craig Federighi stellte gegenüber 9to5Mac klar, er selbst schließe seine Hintergrund-Programme nie. Der leitende Android-Ingenieur Hiroshi Lockheimer erklärte einem Wired-Journalisten gar, das ständige App-Beenden verschlimmere das Problem mit der Akku-Laufzeit sogar noch.

Der Grund dafür, dass wir uns das Wischen sparen können, liegt einmal mehr im Fortschritt der Maschinen begründet. Tatsächlich sind Betriebssysteme längst in der Lage, effektiver mit den Programmen zu jonglieren, als es penible Energiesparfüchse je könnten. Sowohl Android als auch Apples mobiles Betriebssystem iOS arbeiten mit einem ausgetüftelten Prozessormanagement, welches Programme schließen, schlummern lassen oder für die Nutzung bereit halten kann.

Für echte Akku-Nerds, die die Batterielaufzeit ihrer Gadgets so effizient wie möglich nutzen wollen, galt die Anzeige der CPU-Auslastung lange als das Mittel der Wahl, um Energiefresser zu optimieren. Es kann durchaus aufschlussreich sein, sich entsprechende Apps zu installieren und in die Prozessorauslastung reinzuschauen, aber präziser und ausdauernder regeln die Computer selbst den App-Verbrauch.

Um den Akku zu schonen versetzt iOS beispielsweise jegliche Apps in fünf verschiedene Modi. Auf den ersten Blick offensichtlich sind dabei zwei:

  • Programme, die nicht gestartet wurden und sich daher nicht im laufenden Betrieb befinden und
  • Apps, die aktuell im Vordergrund auf dem Bildschirm dargestellt werden und gerade benutzt werden.

Es gibt aber auch noch eine Art Übergangsphase:

  • Apps, die für eine Bildschirmdarstellung bereit gehalten, jedoch nicht aktiv verwendet werden.
  • Apps, die nicht offen, sondern im Hingergrundmodus laufen. Diese erledigen dennoch bestimmte unregelmäßige Aufgaben, wie zum Beispiel das Abrufen von WhatsApp-Nachrichten oder die Aktualisierung des E-Mail-Accounts.

Schließlich gibt es noch den fünften Modus:

  • Ein Programm wird vollständig ausgesetzt. In diesem Fall ist es inaktiv und befindet sich lediglich auf dem regulären Speicher.

Je nachdem, in welchem Modus sich eine App befindet, kann sie schneller wieder in den Vordergrund geholt werden und ist zur Stelle, wenn du sie brauchst—ohne aufwendig neugestartet zu werden, wie das bei einem manuellen Beenden häufig der Fall ist.

Dank des Prozessormanagements weiß das Betriebssystem nicht nur, wann es Zeit ist, ein Programm zu schließen, sondern kann auch recht gut abschätzen, wann du bei welcher App auf eine Aktualisierung angewiesen bist oder bestimmte Daten benötigst.

Falls du nicht alles der Automatisierung überlassen willst, kannst du als mündiger Smartphone-Nutzer übrigens trotzdem an einigen Stellschrauben drehen. So lassen sich zum Beispiel Display-Helligkeit, Location-Tracking oder sogar in der Flugmodus einstellen. Die Einstellungen sind ein wunderbarer Ort, um deine Geräte ein bisschen zu personalisieren und optimieren.