Dieser antike Astronomie-Computer war seiner Zeit 1000 Jahre voraus

Dank neuer Scanning-Verfahren konnten Archäologen die "Gebrauchsanweisung" des hochentwickelten Mechanismus entziffern.

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01 September 2017, 6:00am

Bild: imago | ANE edition

Im Jahr 1900 entdeckten Taucher in einem Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera einen Apparat aus Bronze, der einem komplexen Uhrwerk ähnelte. Der Fund, der inzwischen unter dem Namen Mechanismus von Antikythera bekannt ist, beschäftigt Forscher bis heute.

Was es mit der Apparatur eigentlich auf sich hat, sorgt seit Langem für Rätselraten: Während einige Ärchäologen glaubten, dass es sich um eine einfache Uhr handelte, vermuteten UFO-Enthusiasten ein Geschenk von Außerirdischen. Inzwischen versuchen Forscher das Geheimnis um die uralte Zahnrad-Konstruktion zu lüften, indem sie die altgriechischen Schriftzeichen auf dem Gerät entschlüsseln. Ihre bisherigen Entdeckungen sind fast so erstaunlich wie die wildesten Theorien der Verschwörungstheoretiker.

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Mithilfe von digitalen Scans konnten die Archäologen entziffern, dass der Mechanismus von Antikythera wohl "eine Art philosophischer Leitfaden für die Galaxie und möglicherweise der älteste mechanische Computer der Welt" war, wie sie gegenüber der Associated Press erklärten.

Bild: imago | ZUMA Press

Stimmt diese Vermutung, würde das bedeuten, dass die Griechen um 200 v. Chr. bereits über erstaunlich hochentwickelte Technologie verfügten, die ihrer Zeit um Tausende von Jahren voraus war.

"Diese kleinen Textstücke sind für uns eine große Sache", erklärte der Archäologe Alexander Jones gegenüber der Associated Press . "Denn wir wissen bisher nur wenig über die griechische Astronomie und fast nichts über die Technologie aus dieser Zeit. Unser Wissen stützt sich ganz auf diese Schriftzeichen."

Die Forscher waren überrascht, wie detailliert die Funktionen des Mechanismus von Antikythera waren. Das Gerät konnte nicht nur die Bewegungen von Sonne und Mond nachvollziehen, sondern auch ihre Positionen im Tierkreis bestimmen, sowie die Positionen der damals bekannten fünf Planeten: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Sogar eine Sonnenfinsternis konnte der Mechanismus vorhersagen.

So könnte der Mechanismus von Antikythera einst ausgesehen haben | Bild: Mogi | Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.5

2004 begannen Forscher damit, die 82 Einzelteile des Geräts mit Röntgengeräten und hochempfindlichen Scannern genau unter die Lupe zu nehmen. Das Team von Mike Edmunds vermutet, dass es sich bei dem Gerät nicht um ein teures Spielzeug handelte, sondern vielmehr um ein Lehrobjekt für Gelehrte, die nicht auf Astronomie spezialisiert waren. Dafür spricht auch, dass die Schriftzeichen am Instrument wie eine Gebrauchsanweisung fungieren.

Obwohl die Forscher heute mehr über den Mechanismus von Antikythera wissen als je zuvor, sind noch lange nicht alle seine Geheimnisse entschlüsselt. Forscher hoffen, dass noch mehr Teile aus dem antiken Schiffswrack geborgen werden können, die Aufschluss über die Funktion des wohl ältesten analogen Computers der Welt geben.