So viel CO2 stoßen die Präsidenten-Privatjets auf dem Weg nach Davos aus

Mit ca. 200 Privatjets reisen Regierungsmitglieder und Wirtschaftsvertreter aus aller Welt ins Schweizer Wintersportparadies Davos, um unter anderem neue Klimaziele zu diskutieren. Wir haben mal nachgerechnet, wie viel CO2 sie dafür ausstoßen.

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Jan. 22 2015, 11:28am

Zwei kleinere Jets nach der Landung. Bild: Zacke82, ​Wikimedia. Lizenz: ​CC BY SA 3.0.  Facebook-Vorschaubild (Ausschnitt): Mark Harkin, FlickR. Lizenz: CC BY 2.0

Für das alljährliche Treffen des Weltwirtschaftsforums im eisigen Schweizer Wintersportparadies Davos wird nicht nur viel weltpolitischer Staub aufgewirbelt, sondern auch jede Menge CO2 in den Äther geblasen.

Circa ​1.700 Privatjets aus aller Welt sollen dieser Tage angeblich am Flughafen von Zürich gelandet sein, um ihre wertvolle Fracht abzuladen, die sich nach Ankunft der Flieger bequem ins Winterwonderland shutteln lässt. Auch wenn diese Zahl in den vergangenen Tagen einige ansehnliche Überschriften schmückte, so liegt die tatsächliche Anzahl schätzungsweise bei „nur" 200 zusätzlichen WEF-Jets, wie ​Fusion.net klarstellte.

Als private Lufttaxis dienen dabei meist kompakte Maschinen wie die Falcon 900EX oder die Gulfstream Aerospace G550. Wie man dank den Flugzeugfreunden von ​Conklin & de Decker präzise errechnen kann, stößt erstere um die 3,01 Tonnen CO2 pro Flugstunde aus. 

Wenn wir mal davon ausgehen, dass der ein oder andere Davos-Teilnhemer aber auch gerne auf eine amtliche Präsidentenmaschine zurückgreift–wie z.B. Angela Merkel auf den ​Konrad-Adenauer-Airbus, der stattliche 21,24 Tonnen pro Stunde in die Atmosphäre pustet–scheint uns ein Durchschnitt von 5 Tonnen CO2 pro Flugstunde als angemessen konservativer Schätzwert für folgendes kleines Rechenspiel, das wir uns nicht verkneifen konnten.

Die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums 2015 und somit auch ihre Privatjets kommen prozentual aus den folgenden Regionen unserer Welt, und benötigen für die Anreise nach Zürich folgende durchschnittliche Flugzeit:

Europa: 42,22 % = 84,4 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 3 Stunden

Afrika: 4,21 % = 8,42 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 8 Stunden

Mittlerer Osten: 6,11 % = 12,22 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 5 Stunden

Asien: 14,62 % = 29,24 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 12 Stunden

Australien: 0,65 % = 1,3 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 22 Stunden

Lateinamerika: 3,87 % = 7,74 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 13 Stunden

Nordamerika: 26,31 % = 52,65 Jets, durchschnittliche Flugzeit: 10 Stunden

Die Formel, um die Klimasünden der Weltwirtschaftselite zu berechnen, lautet folglich:

Anzahl der Privatjets * Flugzeit * 5 Tonnen CO2 

Europa: 253 Tonnen CO2

Afrika: 67 Tonnen CO2

Mittlerer Osten: 61 Tonnen CO2

Asien: 351 Tonnen CO2

Australien: 29 Tonnen CO2

Lateinamerika: 101 Tonnen CO2

Nordamerika: 526 Tonnen CO2

Gesamter zusätzlicher Kohlenstoffdioxid-Ausstoß durch Privatflugzeuge anlässlich des WEF in Davos: 1.388 Tonnen CO2

Ergebnis: Die 200 Privatjets der Wirtschaftsvertreter, Staatsoberhäupter und Regierungsvertreter schleudern knapp 1.400 Tonnen CO2 in die Atmosphäre, um in Davos den "neuen globalen Kontext" zu erörtern.

Wir haben für unsere Rechnung großzügigerweise darauf verzichtet, den Ausstoß der Shuttlefahrten vom Zürcher Flughafen (oder anderen nahegelegenen Flughäfen) ​zum Tagungshotel mit einzurechnen. Und natürlich sollte auch betont werden, dass beim Weltwirtschaftsforum in Davos nicht nur über die Erderwärmung diskutiert wird, aber wenn man schon mal in illustrer Runde zusammenkommt, dann kann auch gleich den Klimawandel ​als Schlagwort auf die Tagesordnung setzen.

Selbstverständlich können wir mit dieser Rechnung nur eine annäherende Zahl über den CO2-Ausstoß der anreisenden Teilnehmer des WEF liefern. Die genauen Flugdistanzen und CO2-Ausstoss-Daten aller 200 Flüge von den Verantwortlichen präzise abzufragen und zu verifizieren, hätte wohl ungefähr so lange gedauert, dass in der Zwischenzeit aus einer Davoser Debatte tatsächlich eine konsequente globale Lösungsstrategie zur Eindämmung der Erderwärmung herausgekommen wäre.

Facebook-Vorschaubild (Ausschnitt): ​Mark Harkin, ​FlickR. Lizenz: ​CC BY 2.0