Nicht ganz ohne Stolz präsentiert dieser chilenische Kioskverkäufer sein exotisches Produkt. Foto: Johannes Hausen

Back to the roots: Wie Club Mate Südamerika erobert

Berlin ist nicht genug. Nicht weit entfernt von der Heimat des Matestrauchs hat der Import der mittelfränkischen Hackerbrause begonnen.

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März 20 2015, 9:00am

Nicht ganz ohne Stolz präsentiert dieser chilenische Kioskverkäufer sein exotisches Produkt. Foto: Johannes Hausen

​„Eigentlich bin ich nach Berlin gegangen, um chilenischen Rotwein nach Deutschland zu importieren. Das hat aber nicht so gut funktioniert." Traurig klingt Santiago Zolezzi nicht gerade, wenn er von seinen Anfängen als Getränkeimporteur erzählt.

Eigentlich hat er sogar ziemlich gut lachen. Denn mit Berlin verbindet er vor allem die regelmäßigen Besuche im Katerholzig und den exzessiven Konsum eines „spektakulären" mittelfränkischen Durstlöschers namens Club Mate.

Insgesamt drei Jahre hat der Chilene in der Hauptstadt der hippen Hackerbrause verbracht und in dieser Zeit die ein oder andere Flasche aus dem Hause Loscher geleert. Mittlerweile lebt er wieder in Santiago de Chile und organisiert als stolzer Vertriebsleiter für Südamerika den Import von Club Mate:

Eine frische Importladung in den Räumlichkeiten von Club Mate Chile. Foto: Gino Zavala

Doch in der Heimat des Matestrauchs läuft der Verkauf der Hackerbrause bisher im Vergleich zu Deutschland noch eher schleppend an. 1500 Einheiten der ikonischen 0,5-Liter-Flasche setzt Zolezzi aktuell pro Monat in ganz Santiago ab. Ein gut besuchter Berliner Späti dürfte da locker mithalten können.

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Doch Zolezzi hat aus seinen Erfahrungen in Deutschland gelernt und konzentriert sich nicht mehr nur auf ein Importprodukt. Neben der ihm ans Herz gewachsenen Club Mate bringt er außerdem die aphrodisierende brasilianische Acai-Beere an den chilenischen Mann und die chilenische Frau.

Santiago Zolezzi im Hauptquartier von Club Mate Chile in Santiago. Foto:  Gino Zavala

Die frisch bezogenen Büroräume von Club Mate Chile. Foto: Gino Zavala 

Hackerbrause und Acai-Beere haben dabei mehr gemeinsam als ihre energetisierende Wirkung. Sie stoßen in Chile in eine recht große Marktlücke gesunder Ernährungsmöglichkeiten. Nachdem das Land jahrelang hauptsächlich aufgrund des enormen Softdrink-Konsums auf den ersten Plätzen der weltweit größten Zuckerkonsumenten gelandet war, erhob die Regierung letztes Jahr eine Zusatzsteuer von 8% auf besonders zuckerhaltige Getränke.

Zolezzis Freude war groß, schließlich kann seine Club Mate den Grenzwert locker unterschreiten. Die Konkurrenz zahlt dagegen drauf. Und in der Tat: Club Mate verbreitet sich langsam, aber stetig in Santiagos Innenstadt. 

Wenn das Geschäft erstmal richtig läuft, möchte ich am liebsten nach Berlin zurück.

Neben der Reformhauskette Punto Saludable hat Zolezzi das Getränk vor allem in den sogenannten Botillerías (kleine Läden, in denen fast ausschließlich Getränke verkauft werden) und alternativen Bars in den hippen Ausgehvierteln wie Bellavista, Providencia oder Lastarria platziert. 

Die Reformhäuser von Punto Saludable werben mit gesunden Produkten. Club Mate zählt dazu. Foto: Johannes Hausen

Auch einige Fast-Food-Restaurants mit wohl klingenden Namen wie "Aleman Experto" (Der deutsche Experte) haben Club Mate in ihr Sortiment aufgenommen.

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Natürlich setzt Santiago Zolezzi bei der Vermarktung neben dem deutschen Ursprungs des Getränks auch auf den mit Club Mate assoziierten Berliner Lifestyle, den er selbst drei Jahre lang ausgekostet hat. Auf ​Facebook sieht das dann so aus—natürlich selbst gestaltet wie mir Santiago berichtet:

Dass Club Mate aus Deutschland kommt, dürfte Zolezzi auch bei seinem bisher größten Coup geholfen haben. Seit Anfang März 2015 führt die zweitgrößte chilenische Supermarktkette Jumbo Club Mate in ihrem Sortiment.

Jumbo gehört zum Einzelhandelsimperium des in Kassel geborenen Deutsch-Chilenen Horst Paulmann Kemna und bietet regelmäßig bayerisches Weißbier, deutsche Schokolade oder Marmelade an—und jetzt eben auch den mittelfränkischen Getränkeschlager mit südamerikanischen Wurzeln. Kostenfaktor: 2490 Pesos chilenos, umgerechnet rund 3,70 Euro.

Bis an die Haustür. Den Lieferserice von Club Mate Chile erreicht man unter pedidosclubmate@gmail.com. Foto: Gino Zavala

Während er in Chile als Nächstes Club Mate Ice Tea und Cola einführen wird, möchte Zolezzi in Zukunft natürlich vor allem weitere südamerikanische Länder mit dem Genuss der Hackerbrause beglücken. Peru, Bolivien und Ecuador dürfen sich schon mal freuen, hier wird der Import noch dieses Jahr starten. Auch Argentinien, weltweite Mate-Tee-Nation Nr. 1, steht ganz oben auf der Liste.

Und gibt es sonst noch Pläne, Herr Zolezzi? „Ja, wenn das Geschäft erstmal richtig läuft, möchte ich am liebsten nach Berlin zurück."