Die erste laborgezüchtete Bulette ist da—und sie sieht verdammt lecker aus

Memphis Meats produziert synthetische Fleischklopse und könnte sie schon bald in eigenen Restaurants verkaufen.

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04 Februar 2016, 2:53pm

Der Laborklops in der Bratpfanne. Bild: Memphis Meats

In Kalifornien wird heute offiziell der erste Fleischball aus der Petrischale vorgestellt. Memphis Meats lautet der Name des Start-up, das schon in weniger als fünf Jahren Hot Dogs, Bratwürste, Burger und Fleischbällchen im kommerziellen Rahmen produzieren und in Burger-Restaurants verkaufen will. Das besondere an der Initiative: Sie besteht nicht nur aus Wissenschaftlern, sondern wird auch von einem Mitgründer angeführt, der die Industrie von innen kennt. Will Clem ist nämlich auch Miteigentümer mehrerer Fast-Food-Restaurants in Memphis, Tennessee.

Bisher sind die Mengen des aus Stammzellen von Rindern, Schweinen und Geflügel gewonnen Fleisches eher klein, dennoch scheinen es die Ergebnisse geschmacklich mit „echtem" Fleisch von geschlachteten Tieren aufnehmen zu können. Bei einer heute in San Francisco stattfinden Präsentation wollen die Macher nun auch weitere Investoren gewinnen, indem sie in einem Start-up-Space die Labor-Buletten präsentieren und sicher auch von einem professionellen Koch brutzeln lassen. (Objektive Geschmacksproben fehlen zur Zeit noch.)

„Das ist die Zukunft des Fleisches", erklärt der Geschäftsführer von Memphis Meats, Uma Valeti, in einer Presseerklärung. „Wir wollen mit der Fleischindustrie das machen, was das Auto mit Pferd und Kutsche gemacht hat. Gezüchtetes Fleisch wird den Status Quo vollständig verändern und der Gedanke, Tiere zum Essen zu züchten, wird undenkbar sein."

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Um die Muskeln unter Laborbedingungen wachsen zu lassen, isolieren die Wissenschaftler Zellen, die sich selbständig nachbilden können, und fügen diesen Sauerstoff und Nährstoffe wie Zucker und Mineralien hinzu. Um den Prozess in Gang zu setzen, wird bisher fetales Rinderserum aus dem Blut ungeborener Kälber verwendet, allerdings suchen die Forscher nach einer pflanzlichen Alternative dafür. In einem Bioraktor entwickeln sich die Zellen zu skelettartigen Muskeln und können nach einer Zeit zwischen neun und 21 Tagen geerntet werden.

Die Massentierhaltung ist nicht nur ein Hauptverursacher für Umweltverschmutzung und Klimawandel, die Probleme der sogenannten Intensivtierhaltung schwappen allmählich auch ganz direkt auf den Menschen über. So sind durch den Einsatz von Medikamenten mittlerweile auch die ersten resistenten Keime entstanden, die selbst nicht mehr auf Reserveantibiotika reagieren, die als Notfallhammer dann eingesetzt werden, wenn sonst nichts mehr wirkt. Memphis Meats setzt mit seinem Vorhaben also an einem entscheidenden Punkt an, nicht nur die Ernährung betreffend, sondern auch politisch, wirtschaftlich und vor allem ökologisch.

Sieht doch ganz lecker aus. Bild: Memphis Meats

„Die Fleischindustrie weiß, dass ihre Produkte nicht zukunftsfähig sind", so Valeti im Wall Street Journal. „Wir glauben, dass in 20 Jahren der größte Teil des verkauften Fleisches gezüchtet sein wird." Diese Meinung vertritt auch Mark Post von der Universität Maastricht, der ebenfalls erfolgreich zukünftige Frikadellen in der Petrischale heranwachsen lässt. Erst kürzlich ließ er die globalen Fleischproduzenten aufhorchen, als er der Industrie mit seinem Dumping-Laborburger den Kampf ansagte.

Lokale Bioreaktoren sollen künstlichem Fleisch zum Durchbruch verhelfen

Die drei Start-up-Gründer hinter Memphis Meats haben jeweils unterschiedliche Hintergründe, die ihnen allen jedoch dabei helfen könnten, die Fleischindustrie von unten aufzurollen. Das Trio setzt sich zusammen aus dem Mediziner und Herzspezialisten Uma Valeti, der das Unternehmen gemeinsam mit dem Stammzellenbiologen Nicholas Genovese und dem biomedizinischen Ingenieur Will Clem gegründet hat. Clem gehört ganz nebenbei auch noch eine Kette von Barbecue-Restaurants in Memphis. Geballtes Fachwissen trifft auf eine Burgerbraterkette, was kann da noch schief gehen?!

Nichts, dachte sich auch der Mitgründer von Google, Sergey Brin, und griff dem fleischigen Exzellenzcluster mit 295.000 Euro unter die Arme. Und genau hier liegt auch die größte Herausforderung, denn die Produktion von einem Pfund Laborfleisch kostet für Memphis Meats bisher noch stolze 16.000 Euro. Dafür ist das tierische Luxusgut aber auch ganz sicher „frei von Antibiotika, Fäkalien, Krankheitserregern und anderen Verunreinigungen, die in konventionellem Fleisch gefunden werden".