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Die RoboExotica ist das Tech-Trinkspiel des 21. Jahrhunderts

Auf dem Cocktailrobotik-Event treffen sich tech-affine Bastler, um sich von kleinen Maschinen starke Drinks mixen zu lassen.

​Roboter fühlen kein Mitleid, keine Reue, keinen Schmerz, und man kann mit ihnen nicht verhandeln. Sie werden vor nichts halt machen, bis du betrunken bist. Okay, das Zitat ist so halb aus Terminator geklaut, aber man kann es bestimmt auch auf die ​getränkespendenden Maschinen der Roboexotica anwenden. Die 16. Ausgabe der Veranstaltung zum automatisierten Abfüllen findet an diesem Wochenende im Brick-5 in der Fünfhausgasse 5 im 15. Wiener Gemeindebezirk, Rudolfsheim-Fünfhaus, statt. Verschwörungstheoretiker und Numerologen, wechselt eure Unterhosen.

Laut Veranstalter Magnus Wurzer ist die von der ​SHIFZ ins Leben gerufene Roboexotica mittlerweile ein fester Treffpunkt mit einer internationalen Community an Hobby-Robotikern, was ich an der Buntheit des Publikums gemessen sofort bestätigen kann. Während die Veranstalter anfänglich noch Leute dazu anstacheln mussten, Beiträge und Cocktail-Roboter nach Wien zu bringen, so gibt es heute eine rege Nachfrage nach den Ausstellerplätzen auf mehrtägigen Festival.

Auf zwei Stockwerke verteilt finden sich jede Menge mechanischer Konstruktionen, eine Bar und eine Bühne für Live-Acts. Wie der große, grüne Drache mit dem rosa Ständer und dem Namen „Puff the Magic Hard-On" in das Konzept passt, erschließt sich mir jedoch auch am Morgen danach nicht. Ich kann allerdings mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Roboter ziemlich starke Drinks mixen. Wobei ihr euch jetzt bestimmt vorstellt, dass die Robo-Exotica wie ein steriles, leuchtendes Raumschiff aussieht, in dem man von Androiden-ähnlichen Robotern mit Armen, Beinen und einem Lautsprecher-Kameragesicht einen kalten Cocktail schütteln lassen kann, bevor man sich mit ihnen in eine Kabine verknuspert und einen noch kälteren Handjob bekommt.

Was zuerst wie eine große Cyber-Messe klingt, ist in der Realität großes interkatives Besäufnis.

In Wirklichkeit läuft man eher von Station zu Station und kann interaktiv auf Knöpfen herumdrücken, sich Cocktails aussuchen und zusehen, wie gefinkelte Konstruktionen diverse alkoholische Flüssigkeiten in deinen Becher spritzen. Was zuerst wie eine große Cyber-Messe klingt, ist in der Realität also ein großes interkatives Besäufnis mit jeder Menge technischem Schnickschnack.

Der Apokalypse-Shot

In der postapokalyptischen Telefonzelle wurden einem von einer Roboterstimme eine Frage über den Untergang der Menschheit gestellt, die man mithilfe von Zahlen, die quer über die Zelle geklebt waren, beantworten konnte. Die Belohnung: ein ziemlich kräftiger Becher Vodka Orange. 

Nach zwei Bechern Apokalypsen-Schnaps bewege ich mich vorbei an einem Dance-Battle-Ski-Spiel und drehe eine Runde am Roulette-Rad. Ich verliere, und bekomme nichts zu trinken. Auf der Suche nach effektiveren Methoden zum Besäufnis stolpere ich an Melmacc vorbei, einem automatischen Cocktail-Roboter.

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Der erfahrenste Robo-Cocktailmixer

Über einen Touchscreen sucht man sich das gewünschte Getränk aus—natürlich ging es für mich nur um den Alkoholgehalt, sodass ich bei einem Beach Island Ice Tea gelandet bin—und sieht dann zu, wie sein Becher über eine Schiene läuft und einem die mysteriöse Maschine einen verdammt guten Cocktail zusammensprudelt. Dabei ist Melmacc schon zum sechsten Mal bei der Roboexotica anwesend. Die von drei ehemaligen TU-Studenten gebaute Schankhilfe ist ​in ihrer 10-jährigen Geschichte oft verbessert worden und hat schon mehr Arbeitsstunden gefressen als die Entwicklung von Windows Vista.

Zufallsdrink nach Ultraschall-Game

Wer gerne Videospiele spielt, auf dem Boden sitzt und dabei seinen Alkoholspiegel in die Höhe katapulieren möchte, ist an dem Space Invaders-ähnlichen Spielroboter nicht vorbeigekommen. Hier steuert man mittels Ultraschall-Sensor, der die Bewegungen des Spielers wie ein Echo aufnimmt, das Raumschiff und schießt auf Buchstaben, die sich zwischen den bekannten Außerirdischen befinden. 

Je nach Buchstaben mixt einem der darüber befindliche ​Okto-Bot, der übrigens schon beim letzten Mal dabei war, Getränke in den Becher. Der Typ vor mir hatte mit Cola-Wasser-Orangensaft aber nicht so viel Glück. Prost! Das Game selbst wurde übrigens in den letzten 27 Tagen auf die Beine gestellt und kostete laut Entwickler Peter Regner nicht nur einige Arbeitsstunden (die aber eher mit Bastelspaß gleichzusetzten sind) sondern auch nasse Füße und jede Menge Feintuning.

Ausnüchterungspfannkuchen-Bot vs. Schnappsorgel

Um den steigenden Alkoholspiegel entgegenzuwirken, habe ich mir vom Amalettomat einen Pfannkuchen machen lassen—ganz ohne Hochprozentiges, dafür mit Nutella. Mein nächster Cocktail lauerte aber schon ums nächste Eck und so hat mir die über eine Smartphone-App gesteuerte Schnapsorgel meinen letzten Cocktail des Abends aus mehreren Flaschen zusammengesaugt.

Die Roboexotica ist vielleicht nicht die Weltraum-Cyborg-Zukunftsmesse, die man sich erwarten würde, dafür gibt es jede Menge technischer Spielereien und viele Leute, die sich mit dir und der Hilfe von ein paar Schank-Robotern einfach nur betrinken wollen. 

Wenn ich an diesem Wochenende zwischen freundlichen Mix-Maschinen etwas gelernt habe, dann sind es zwei Dinge: Dass die Belohnung durch alkoholische Getränke auch mit meinen 27 Jahren ein äußerst effektiver Ansporn und ein gutes Lernmittel ist—und dass Roboter nicht unbedingt wie in Futurama aussehen müssen.