Hacking

Pro-Rojava Hacker übernimmt die Verantwortung für den AKP-Leak

Es scheint, als habe Phineas Fisher soeben seinen nächsten, großen Hacking-Coup gelandet. Wie er gestern bekannt gab, war er es, der die AKP-Dateien Wikileaks zuspielte.

Lorenzo Franceschi-Bicchierai

Lorenzo Franceschi-Bicchierai

Bild: Shutterstock

Ein berühmter Hacker hat am späten Mittwoch Abend die Verantwortung dafür übernommen, dass Wikileaks am Dienstag knapp 300.000 E-Mails der türkischen Regierungspartei AKP veröffentlichen konnte.

Der als „Phineas Fisher" bekannte Hacker hat in der Vergangenheit bereits für Aufsehen gesorgt, als er in die Server der beiden großen Spionagetech-Hersteller FinFisher und Hacking Team eindrang und ihre internen Daten öffentlich machte. Nun erklärte er, dass er es war, der Wikileaks die AKP-Emails zuspielte, und dass er an diese im Zuge eines Server-Einbruchs gelangt sei.

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„Ich habe die AKP gehackt", ließ Phineas Fisher, der auch unter dem Pseudonym „Hack Back" operiert, in einer Nachricht verlauten, die er am Mittwochabend über seinen Twitter-Account verbreitete.

Zwar lieferte der Hacker keinerlei Beweise, um seine Behauptungen zu untermauern, doch er postete einen Link, der zu mehr als 100 Gigabyte gestohlener Dateien führte.

Am Dienstag hatte WikiLeaks damit begonnen, Mails von Mitgliedern der AKP-Partei zu veröffentlichen. Die von Julian Assange geleitete Whistleblower-Plattform erklärte dazu, dass sie die Dateien vor kurzem von einer Quelle erhalten hatte, „die in keinster Weise in Zusammenhang mit den Putschisten oder einer rivalisierenden politischen Partei oder einem Staat steht." Bei dieser Quelle handelt es sich allem Anschein nach um keinen geringeren als Phineas Fisher.

Der anonyme Hacker erklärte in seiner Twitter-Nachricht gegenüber Motherboard, warum er diesmal ausgerechnet die AKP angegriffen habe: „Ich unterstütze die Gesellschaft, die die Menschen in Rojava und Bakur versuchen aufzubauen, und diese Menschen werden von der Türkei angegriffen." Damit bezog er sich auf die beiden kurdischen Autonomie-Gebiete, die zwischen der Türkei und Syrien liegen und deren Politiker ein dezidiert sozialistisches Programm verfolgen. „Ich sehe den Leak an sich nicht als Selbstzweck, also habe ich mit Leuten in Rojava und Bakur geredet, um herauszufinden, wie ich den Zugang, den ich mir verschafft hatte, am besten nutzen könnte."

Der Hacker deutete an, dass es bei der zeitlichen Abstimmung der Veröffentlichung wohl zu einem Missverständnis gekommen sei. Nachdem Wikileaks die Daten erhalten habe, hätte die Whistleblower-Plattform diese übereilt veröffentlichen wollen. Ursprünglich hatte die von Assange geleitete Organisation angekündigt die Dateien am Dienstag zu veröffentlichen—was bei Wikileaks für gewöhnlich bedeutet, dass die Daten am frühen Morgen oder Vormittag online gestellt werden.

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„Die Leute von WikiLeaks wussten zu dem Zeitpunkt, als sie die Veröffentlichung ankündigten, nicht, dass ich noch im Netzwerk der AKP war, um weitere Daten herunterzuladen", schrieb Phineas Fisher in seiner Nachricht. „Doch sie wussten, dass die Quelle, von der sie die Dateien erhalten hatten, sie bat, noch etwas zu warten."

Tatsächlich kam es dann am Dienstag zu einer Verzögerung. Erst um 22:35 begann Wikileaks mit der Veröffentlichung hunderttausender Mails von AKP-Mitgliedern. WikiLeaks selbst hat sich bisher noch nicht zu den Aussagen des Hackers geäußert. Phineas Fisher will vorerst keine weiteren Fragen zu dem AKP-Hack beantworten.