Dieses Tool verrät, wie viel Wahrheit in euren Lieblingsfilmen steckt

Wie sehr kann man einem Kinofilm vertrauen, der auf "wahren Begebenheiten" beruht? Diese interaktiven Grafiken liefern euch einen haargenauen Faktencheck – Szene für Szene.

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Sep. 11 2018, 8:12am

Ihr sitzt im Kino, auf der Leinwand stehen die Worte: "Der folgende Film basiert auf wahren Begebenheiten". Doch "basiert" ist ein dehnbares Wort. Die Ehe basiert auf Liebe, die französische Küche basiert auf Butter – aber zu wieviel Prozent basiert wohl der Film The Social Network auf dem Leben von Mark Zuckerberg? Wie sehr können wir den Fakten in einem Film vertrauen, der angeblich eine "wahre" Geschichte erzählt?

Diese Frage hat sich wohl auch der Journalist David McCandless gestellt, Gründer der Website "Information is Beautiful". Mit seiner Kollegin Stephanie Smith hat er 17 Hollywoodfilme Szene für Szene auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und die Ergebnisse in Form von Zeitstrahlen dargestellt. Mit diesen interaktiven Grafiken könnt ihr jetzt genau erkunden, wie gewissenhaft die Werke mit ihren historischen Vorlagen umgehen. Zu den bekanntesten Filmen der Analyse gehören The Wolf of Wall Street , 12 Years a Slave und Hidden Figures.

Die Szenen jedes Films werden farblich eingeteilt: Blau steht für wahr, hellblau für ein bisschen wahr, rosa für ein bisschen falsch – und rot für falsch. Zusätzlich könnt ihr aus drei “Pedanterie-Levels” wählen, je nachdem, ob für euch knallharte Fakten oder der Spaß am Film im Vordergrund stehen. Das niedrigste Pedanterie-Level hat den Namen "Flexibel – komm schon, es sind Filme", das härteste heißt: "Nur die absolute Wahrheit".

Viel Wahrheit bei 'Selma', viel Fiktion bei 'The Imitation Game'

Screenshot von informationisbeautiful.net
Rot steht für falsch: Diese Szene aus dem Zuckerberg-Film 'The Social Network' entspricht wohl nicht der Realität | Bild: Screenshot | informationisbeautiful.net

Den höchsten Wahrheitsgehalt der untersuchten Filme hat Selma mit 100 Prozent. Er handelt von der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass es einige Szenen gibt, die McCandless weder bestätigen noch widerlegen konnte; sie sind weiß markiert.

Das Weltkriegs-Drama The Imitation Game ist mit 41,4 Prozent Wahrheitsgehalt der Film, der sich die meisten kreativen Freiheiten herausgenommen hat. Einige der im Film gezeigten Figuren haben nie existiert; andere haben den Protagonisten des Films, den Informatiker Alan Turing, niemals gesprochen. In einer Szene, die in den frühen 40er Jahren spielt, benutzt Turing Tipp-Ex – welches erst 1956 erfunden wurde. In einer anderen Szene spricht Turing den feierlichen Satz: "Sometimes it's the very people no one imagined anything of who do the things no one could imagine". Es bleibt unklar, woher dieser Satz stammt. Jedenfalls nicht aus dem Mund des Mathematikers und Logikers, heißt es in der Analyse.


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Oft sind es gerade die eindrucksvollsten Momente eines Filmes, die am wenigsten mit der Wahrheit zu tun haben. Wenn zum Beispiel in The Social Network der künftige Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine spektakuläre Trennung von seiner Freundin Erica durchlebt– dann ist das leider pure Fiktion. Denn Zuckerberg war zu seiner Unizeit bereits mit Priscilla Chan zusammen, seiner heutigen Ehefrau.

Warum Tabellen-Fans die Kinofilm-Analyse lieben werden

So akribisch haben McCandless und sein Team jede Minute von 'A Social Network' überprüft | Bild: Screenshot | informationisbeautiful.net | Google Tabellen

In umfangreichen Google-Tabellen haben die Film-Factchecker akribisch jede überprüfte Szene und die dazugehörigen Quellen aufgelistet. Auf diese Weise könnt ihr selbst überprüfen, woher die Fakten kommen. Die Quellen reichen von Buchvorlagen zum Film und Wikipedia-Artikeln bis hin zu Nachrichtenseiten und Blogs für Filmliebhaber.

Wenn ihr also bei einem Hollywoodfilm entspannen und euch zugleich historisch bilden wollt, dann lohnt sich der Blick auf die Analyse "Based on a True True Story". Ihr wollt euch schließlich nicht das falsche Zitat von Alan Turing in die Instagram-Bio schreiben.

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