Neue App zeigt an, welchen Flüchtlingsunterkünften ihr wann womit helfen könnt

Helphelp2 will verhindern, dass die deutsche Flüchtlingshilfe im Koordinationschaos versinkt und die Menschen wissen lassen, wie sie am effizientesten helfen können.

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Sep. 11 2015, 10:02am

Foto: Imago/Christian Mang

Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist groß. Viele Menschen möchten dieser Tage etwas für Flüchtlinge tun. Im Flüchtlingsheim ein paar Klamotten vorbeibringen, beim Wochenendeinkauf auch gleich ein paar Lebensmittel für die örtliche Hilfsorganisation besorgen oder vielleicht sogar einen Flüchtling bei zermürbenden Behördengängen begleiten.

Um diese überwältigende Hilfsbereitschaft in koordinierte Bahnen zu lenken, hat Rüdiger Trost aus München die App Helphelp2 entwickelt. Sie zeigt willigen Helfern an, welche Einrichtungen gerade welche Art von Hilfe am dringendsten benötigt.

Foto: Facebook Helphelp2

Die simple, auf Google Maps basierende App hat dabei zweierlei positiven Effekt: Zum einen kommt die Hilfe auch dort an, wo sie benötigt wird, zum anderen werden die Flüchtlingsunterkünfte nicht vom Ansturm der freiwilligen Helfer überlastet oder ersticken in Sachspenden.

Denn gut gemeint ist leider auch in der aktuellen Flüchtlingskrise nicht immer gut gemacht—wie folgende Posts aus einer Facebookgruppe der Berliner Flüchtlingshelfer von „Moabit hilft" unterstreichen:

Damit genau das nicht passiert—also Menschen, die spenden oder mitarbeiten wollen, wieder nach Hause geschickt werden müssen, da die Kapazitäten der Unterkunft, was die Annahme von Arbeitskraft und Sachspenden angeht, ausgelastet sind—kann auf Helphelp2 jede Einrichtung ihre Bedarfsliste ständig aktualisieren, um Gegenstände erweitern und angeben, zu welchen Uhrzeiten Einsatzkräfte vor Ort anzutreffen sind. Außerdem können die Unterkünfte auch darauf hinweisen, wenn neben Sachspenden auch Arbeitskräfte benötigt werden.

Doch damit Helphelp2 beim Koordinationschaos in der Flüchtlingshilfe auch wirklich Abhilfe schaffen kann, ist Rüdiger Trost vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen angewiesen. Diese gestaltet sich bisher aus verschiedenen Gründen als schwierig, wie mir Trost am Telefon erklärt: „Das liegt zum einen daran, dass sie aktuell einfach keine Zeit haben, sich um neue Themen zu kümmern. Dann ist es auch sehr schwierig, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Oft gehen Leute ans Telefon, die nicht wissen, was eine Smartphone-App ist."

Trost, der in München als Security Consultant arbeitet und die App bisher mit seinem eigenen Gehalt komplett querfinanziert hat, bietet den Organisationen deshalb bisher noch an, ihm einfach ihre Bedarfslisten zu schicken—in welchem Format auch immer—damit er sie in das System eintragen kann. „Wir pflegen die Listen auch selber ein. Das wird wohl unsere Hauptaufgabe in den nächsten Wochen. Im Moment ist nur das wichtig. Mit ist egal, wie, aber Hauptsache, wir kriegen das Ding gefüllt."

VICE: Wie du Flüchtlingen helfen kannst, ohne dich zum Trottel zu machen

Das sehen einige Hilfsorganisationen und Initiativen tatsächlich anders und scheinen in ein merkwürdiges Konkurrenzdenken beim Thema Flüchtlingshilfe verfallen zu sein: „Es gab auch vereinzelt Organisationen, die nicht teilen wollen und offen sagen: 'Ne, wir bauen grade unser eigenes System auf, deswegen wollen wir unsere Daten nicht mit euch teilen.' Das finde ich in einer derartigen Situation absolut lächerlich. Wir haben unseren Quellcode auch öffentlich zugänglich gemacht. Wenn ihn jemand nutzen will, ist uns das nur recht. Dieses Konkurrenzdenken ist hier absolut Fehl am Platz."

Bild: Pauli Pankow / Instagram.

Trost wird also in den nächsten Tagen gemeinsam mit Freunden so viele Flüchtlingsunterkünfte wie möglich abtelefonieren und die Datenbank von Helphelp2 weiter füllen. Außerdem soll die bisher nur für Android verfügbare und von Trosts Kollege Lev Stipakov programmierte App in rund Wochen auch auf iOS verfügbar sein.

Bis dahin steht die Bewerbung von Helphelp2 bei den Flüchtlingsorganisationen selbst ganz oben auf der Prioritätenliste—auf Seiten der Nutzer der App hat Trost nämlich bisher ausschließlich positives Feedback bekommen.