Illustration: Lia Kantrowitz

Die perfekte Verhütung für den Mann ist da—aber warum nutzen wir sie nicht?

Nach mehr als 30 Jahren Forschung könnte die Verhütungsinjektion Vasalgel bald auf den Markt kommen. Sorgt sie endlich für Gleichberechtigung in Sachen Verhütung?

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Mai 25 2015, 6:00am

Illustration: Lia Kantrowitz

Illustration: Lia Kantrowitz

Vor 55 Jahren hat die Antibabypille begonnen, unseren Sex zu revolutionieren. Doch auch ein halbes Jahrhundert nachdem die Pille auf den Markt kam, ist die Auswahl bei den Verhütungsoptionen überschaubar. Noch immer ist in erster Linie die Frau dafür verantwortlich, die unerwünschten Nebenprodukte unserer Triebe zu vermeiden. Und noch immer wirken sich alle existierenden Verhütungsmethoden, abgesehen von der Kupferspirale, dabei massiv auf ihren Hormonhaushalt aus, was eine ganze Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringt.

Männer haben noch weniger Möglichkeiten als Frauen, sich um die Verhütung zu kümmern. Ihnen bleibt neben halbwegs sicheren Kondomen (und dem mal so gar nicht sicheren Rausziehen) lediglich die Vasektomie, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Bei dieser Durchtrennung der oberen Samenleiter im Hodensack besteht zwar eine 50/50 Chance, dass sich der Eingriff wieder rückgängig machen lässt—aber das reicht natürlich nicht, um Männer unter 40 in größerer Anzahl von der Methode zu überzeugen. Es werden zwar momentan weitere Verhütungsmethoden für den Mann erforscht, bislang aber hat es noch keine auf den Markt geschafft.

Nachdem der Tropfen injiziert wurde, kannst du eigentlich nichts mehr falsch machen.

Was aber wäre, wenn es einen medizinischen Eingriff zur Verhütung für den Mann gäbe, der ganz normalen Sex erlaubt und sich einfach wieder rückgängig machen ließe? Was, wenn ein Mann nach einer Operation nur unscharfe Munition abfeuern würde, bis er und seine Partnerin für ein Kind bereit sind—ganz ohne Schnipp-Schnapp?

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Medizinisch gibt es schon heute eine solche Möglichkeit männlicher Verhütung, die sogar schon über 30 Jahre lang an Menschen und Tieren getestet wurde—Komplikationen sind dabei gut wie keine aufgetreten. Der kleine Eingriff mit dem Namen RISUG (Reversible Inhibition of Sperm Under Guidance) wurde 1970 in Indien von Sujoy Guha erfunden, einem Professor für Medizintechnik am Indian Institute of Technology. Die Methode ist kostengünstig, minimal invasiv und vollständig rückgängig zu machen—es ist der effektivste nicht-permanente Weg, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, den die Welt bislang gesehen hat.

2010 hatte die amerikanische Parsemus Foundation—eine NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat „kostengünstige Alternativen zu entwickeln, die von der Pharma-Industrie nicht weiter verfolgt werden"—das RISUG-Patent für 90.000 Euro erstanden. Die Organisation richtet ihr Hauptaugenmerk inzwischen allerdings auf eine leicht abgeänderte Variante des Patents namens Vasalgel, das etwas bessere Chancen hat, endlich eine allgemeine Zulassung zu erhalten.

Die idiotensichere Pille für den Mann

Der Eingriff dauert etwa 15 Minuten. Ein Arzt injiziert dazu einen winzigen Tropfen synthetischen Gels in die beiden Spermienleiter nicht weit außerhalb der Hoden. Das Gel setzt sich dann innerhalb der Leiter fest und funktioniert dort wie ein Filter, der die Flüssigkeit selber durchlässt, aber nicht die Spermien.

„So, wie Wasser auch durch Gelatine sickern kann", erklärt Elaine Lissner, Direktorin der Parsemus Foundation, mir das Funktionsprinzip. Sobald Vasalgel einmal injiziert ist, verbleibt der Spermienfilter für zehn Jahre an der entsprechenden Stelle. Sollte sich der Rezipient schon vor Ablauf dieses Zeitraums dafür entscheiden, es vielleicht doch mal mit Kindern versuchen zu wollen, braucht es nur eine weitere Injektion mit Natriumhydrogencarbonat (a.k.a. Backpulver), um das Gel aufzulösen und die Spermienautobahn wieder in den Ausgangszustand zurückzuversetzen.

Für die Pharmaindustrie ist es bisher einfach kein lukratives Geschäft.

Es klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein, aber indische Tierversuche und klinische Tests haben gezeigt, dass die Methode funktioniert. Sie kann mit nahezu perfekten Resultaten aufwarten und bringt keine ernstzunehmenden Nebenwirkungen mit sich. Im Gegensatz zu Antibabypille und Kondomen, deren Effizienzrate weit unterhalb der auf der Packungsbeilage dargestellten Idealszenarien liegt, gibt es bei Verhütungs-Injektionen, wie auch bei Spiralen, quasi keinen Raum für Anwendungsfehler.

„Es gibt nichts, was du dabei falsch machen kannst", sagt Aaron Hamlin, leitender Direktor der Male Contraceptive Initiative. „Bei einer Methode wie Vasalgel gibt es nichts, was du selber noch tun musst. Du bekommst die Injektion in die Samenleiter und das war's. Danach brauchst du beim Sex nichts mehr zu beachten. Alles was du tun musstest, ist schon erledigt."

Was passiert mit den Spermien?

Was passiert aber mit deinen Spermien? Guha hat die Hypothese aufgestellt, dass sie bei einer Art Mini-Explosion in mehrere funktionsuntüchtige Teile zerteilt werden, sobald sie das Gel durchquert haben. Andere wiederum vermuten, dass die Spermien das Gel gar nicht erst passieren können und dann wie andere Proteine vom Körper wieder abgebaut werden—oder dass sie anderweitig von der Säure oder der elektromagnetischen Ladung des Gels deaktiviert werden.

„Es ist schwer zu sagen, was genau mit den Spermien passiert—abgesehen davon, dass sie am anderen Ende nicht herauskommen", sagt David Sokal, Mitbegründer der Male Contraception Initiative und ehemaliger Klinikarzt.

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Trotz dem nicht abschließend geklärten Ende in der Spermiensackgasse könnte Vasalgel die lang ersehnte Pille für den Mann sein, die auch medizinisch für mehr Gleichberechtigung in Sachen Verhütung sorgt. Warum kommt die Methode also noch nirgendwo auf der Welt großflächig zum Einsatz?

Zunächst einmal gehen viele Männer schon bei dem Ausdruck „operative Empfängnisverhütung für den Mann" auf Abwehrhaltung. Aber was ist schlimmer: Ein paar Stiche in den Hodensack für 15 Minuten und kinderloser Sex für ein Jahrzehnt—oder alle Lebenspläne über den Haufen werfen und sich die nächsten 18 Jahre um den ungeplanten Nachwuchs kümmern?

Das Verständnis für die Technologie wird nicht gerade dadurch gesteigert, dass eine ganze Reihe von Missverständnissen zu dem Eingriff umherschwirren. Es handelt sich hier nicht um eine Vasektomie—der Eingriff ist noch nicht einmal gravierend genug, um ihn als Operation bezeichnen zu können. Die Samenleiter können ohne Verwendung eines Skalpells freigelegt werden, indem einfach der Hodensack mit einer speziellen Zange durchstoßen und die Haut jeweils über den Leitern auseinandergezogen wird. Das dabei entstehende Loch ist so klein, dass es noch nicht einmal genäht werden muss.



„Man hört oft verfälschte Beschreibungen über Vasalgel—dass die Injektion direkt in deinen Penis geht, was aber nicht der Fall ist. Das verängstigt Männer natürlich ... aber es liegt eben an der falschen Beschreibung", sagte Sokal.

Die Skepsis

Im Zuge meiner Recherchen fand ich aber durchaus einige Gründe für Skepsis gegenüber RISUG und seinem Nachfolger Vasalgel. Zuerst einmal sind die Daten aus Phase III der klinischen Tests zu RISUG nicht öffentlich zugänglich und die Ergebnisse, die bislang veröffentlicht wurden, über zehn Jahre alt und basieren lediglich auf einer kleinen Versuchsgruppe. Als ich die Organisation kontaktierte, die in Indien für die Durchführung der Tests verantwortlich ist, das Indian Council for Medical Research (ICMR), sagte mir der stellvertrende Diketor Radheys Sharma, dass sie keine Informationen über die Erfolgsraten und Fehlschläge ohne Einwilligung der Regierung an ausländische Medien herausgeben dürfen. Seitdem hat er sich nicht mehr gemeldet.

Eine weitere Ungereimtheit bei RISUG ist, dass eine frühere Phase klinischer Tests 2002 „abgebrochen" wurde—laut der indischen Gesundheitsbehörde aufgrund eines nicht weiter beschriebenen Nebeneffekts—die Ärzte, die die Studie damals in Neu-Dehli durchführten, hatten aber nie von Anzeichen irgendwelcher Nebenwirkungen berichtet.

Damit ihr es nicht tun müsst habe ich einen Tag mit VR-Pornos verbracht (NSFW)

Es gelang mir auch, Guha zu erreichen, den Erfinder von RISUG. Er hatte in Indien in Abstimmung mit der ICMR an RISUG gearbeitet, stellte die entsprechenden Spritzen bereit und fungierte als Berater bei den klinischen Tests. Er ist überzeugt, dass die Entwicklung nach wie vor auf einem guten Weg ist: „Da man sich nicht bei mir gemeldet und um Rat in bestimmten Fragen gebeten hat, nehme ich an, dass es aus einer technischen und medizinischen Sicht keine Probleme gab", schrieb er in einer E-Mail.

Tatsächlich gibt es bisher keine allgemeinen Hinweise darauf, dass die Methode nicht funktioniert hätte (sei es in Versuchen an Tieren oder Menschen). Es gibt allerdings einen Fall, in dem ein Studienteilnehmer berichtete, dass seine Frau nach der Injektion schwanger wurde. Der Fall wird zwar auf eine falsch durchgeführte Injektion zurückgeführt, aber es kann auch nicht komplett ausgeschlossen werden, dass seine Frau von einem anderen Mann schwanger wurde.

Dann gibt es da noch eine Studie, die angibt, dass einige Komponenten der Polymer-Verbindungen von RISUG und Vasalgel als krebserregend eingestuft worden waren. Die Studie basiert auf Untersuchungen, die in Folge von außergewöhnlichen Unfällen in Chemiefabriken gemacht wurden, bei denen die Betroffenen allerdings wesentlich höheren Mengen der Stoffe ausgesetzt waren, als sie bei der Injektion verwendet werden.

Ich glaube nicht, dass es eine Verschwörung des Patriarchats ist, die die Entwicklung momentan aufhält. Ich denke, es liegt am Geld. Es braucht einfach viel, viel Geld.

Das wahrscheinlich beste Argument, um aus wissenschaftlicher Sicht gegenüber der Markteinführung von RISUG und Vasalgel skeptisch zu sein, liegt jedoch in einem kulturellen Faktor begründet: Typen haben in der Regel schlicht keine Lust, mit Ärzten über ihre Eier zu sprechen. Es nicht gerade einfach, sie fünf oder zehn Jahre nach dem Eingriff zu einer Nachfolgeuntersuchung zu bewegen. So hatten Forscher bislang große Probleme adäquate Daten zu erheben, um den Zulassungsbehörden die Wirksamkeit ihres Verfahrens stichhaltig beweisen zu können.

Die größte Hürde ist die Zulassung

Die klinischen Versuche jedoch, die in Indien im Laufe der letzten drei Jahrzehnte fertiggestellt und veröffentlicht worden sind, haben sich alle als großer Erfolg herausgestellt—genug, um das Interesse der Parsemus Foundation zu wecken, die einen Großteil ihrer Bemühungen darauf verwendet hat, die Forschung für eine Verhütungsinjektion für den Mann auch auf die USA auszuweiten. Nichtsdestotrotz hat die Zukunft von dem, was wahrscheinlich die aussichtsreichste Methode zur Empfängnisverhütung der letzten 100 Jahre sein könnte, noch zwei entscheidende Hürden zu nehmen: die Zulassungsbehörden und die mangelnde Finanzierung.

In den USA zum Beispiel gibt es das große Problem, dass die Zulassungsbehörde FDA die Ergebnisse klinischer Studien nicht anerkennt, die im Ausland durchgeführt wurden. So müssen die ganzen Versuche, die in Indien bereits durchgeführt wurden, in den USA nun mit einer größeren Versuchsgruppe und strengeren Rahmenbedingung wiederholt werden. Tierversuche können dabei pro Studie locker zwischen 200.000 und 300.000 Euro kosten. Sollte die FDA Versuche am Menschen erlauben, „würde der nächste Schritt Millionen von Dollar kosten", so Lissner. Experten gehen von 5 bis 9 Millionen Euro aus, alleine schon um eine Zulassung in den USA zu erreichen.

Das Vasalgel-Projekt scheint wie für die Unterstützung durch eine humanitäre Organisation gemacht zu sein. Doch bisher waren die Reaktionen großer Stiftungen eher dürftig. Lissner erklärte mir, dass Vertreter der Bill and Melinda Gates Foundation zum Beispiel, „keinen Grund für eine männliche Version" sähen. Gerade in Entwicklungsländern läge das Hauptaugenmerk für die Verhütung auf Seiten der Frau. „Die Wissenschaft ist, was Verhütungsmethoden für den Mann angeht, noch nicht so weit fortgeschritten. Die Vorstellung, dass Männer für die Verhütung verantwortlich sind, ist außerdem gerade in den ärmsten Ländern" nicht besonders weit gediehen, erklärte Kelle Sloan, Leiterin der Abteilung für Familienplanung bei der Foundation, in einem Statement für Motherboard.

Die Verhütung der Pharmaindustrie

Auch von den großen Pharma-Unternehmen sollte man keine allzu große Unterstützung der Entwicklung erwarten—im Gegensatz zu lukrativen Produkten hat Vasalgel nicht die Möglichkeit, die Forschungskosten wieder reinzubekommen. Es handelt sich schließlich um einen einmaligen Eingriff bei dem Materialien zum Einsatz kommen, die verhältnismäßig einfach herzustellen und zu vertreiben sind. Lissner wies darauf hin, dass Männer im Durchschnitt mit 13 in die Pubertät kommen und sich bis zu einem Alter von 35 Jahren keine Kinder wünschen. Das sind mehr als 20 Jahre Verhütung, von der Pharmaunternehmen profitieren können.

Vasalgel wäre deutlich günstiger als die Spirale.

„Die großen Pharmaunternehmen mögen natürlich Medikamente, die Menschen tagtäglich und über mehrere Jahre hinweg einnehmen müssen", so Sokal. Die Macher von RISUG betonen dagegen gerne, dass das Ausgangsmaterial weniger als die Spritze kostet, mit der es injiziert wird. Vasalgel dürfte somit deutlich günstiger als die Spirale sein.

„[Pharmaunternehmen] haben diese Vorgabe: Sollten sie nicht 450 Millionen Euro im Jahr mit einem neuen Medikament verdienen, dann ist es die Zeit und Energie nicht wert, die darin investiert werden müsste", sagte Sokal und spielte damit auf seine Gespräche mit Vertretern der Pharmaindustrie an. Sollte diese Rechnung stimmen dann bräuchte es jährlich allein in den USA 625.000 Injektionen, um das Interesse der Pharmaindustrie zu wecken—das sind etwa 125.000 Eingriffe mehr, als es jährlich Vasektomien gibt.

Selbst wenn eine geniale Werbekampagne die Verhütungsinjektion für den Mann unglaublich populär machen würde, warum sollten die großen Pharmaunternehmen, die alle mit den verschiedenen Hormonpräparaten zur Empfängnisverhütung gutes Geld verdienen, ein Interesse daran haben?

Sokal glaubt allerdings nicht an eine Verschwörung—mehr an das Fehlen eines finalen medizinischen Durchbruchs. „Ich weiß nicht, ob [die großen Unternehmen] versuchen, die Vasalgel-Forschung zu torpedieren. Sie sehen es wahrscheinlich nicht als Bedrohung für ihr Geschäft. Der wissenschaftliche Mainstream ignoriert es bis jetzt. In den Medien hat es auch noch keine große Wellen geschlagen. So lange es noch keine eindeutigen Zahlen gibt, gilt das ganze Unterfangen für sie wahrscheinlich als unterfinanziert—als reine Spekulation."

Die chemische Stabilität eines Gels

Die Parsemus Foundation entschied sich nach ihrem Kauf des Patents dafür, die Forschung an RISUG zurückzuschrauben und stattdessen auf eine andere Variante, Vasalgel, zu setzen.

Das Hauptproblem bei RISUG war die fehlende chemische Stabilität, die für die FDA Standards als Voraussetzung gilt. Weil der Hauptbestandteil von RISUG säurer wird, während er über längere Zeit in Spritzen gelagert wird, ist das, was nach einem Jahr oder mehr aus der Spritze herauskommt nicht exakt dasselbe wie das, was in die Spritze reinkommt. Um das Problem zu umgehen, haben sie einfach das saure Nebenprojekt von RISUG als Ausgangsmaterial genommen und es Vasalgel genannt.

„Wir mussten eine lagerungsstabilere Version herstellen", sagte Lissner. „Wir gingen davon aus, dass wir es nicht von der FDA zugelassen bekommen würden, so lange wir nicht beweisen können, dass es chemisch stabil ist. Wir dachten uns also, warum versuchen wir es nicht einfach mit der sauren Version?" Bisherige Tierversuche mit Kaninchen lassen vermuten, dass Vasalgel genau so gut funktioniert wie RISUG, aber es braucht noch mehr Versuche für den Beweis, dass es genau so effektiv und sicher ist.

„Wir gehen hier schon ein ansehnliches Risiko ein, weil es bisher nur eine einjährige Studie gab. Hoffentlich wird sich Vasalgel als so verlässlich wie RISUG herausstellen", sagte sie.

Die indische Markteinführung

Guha arbeitet derweil am Indian Institute of Technology in Kharagpur, Indien, und mithilfe der privaten Firma IcubedG Ideas, weiter an der Entwicklung von RISUG. Er ist optimistisch, dass RISUG schon bald bei den Konsumenten ankommen wird—zumindest in Indien. Laut den bisherigen Planungen soll Vasalgel 2020 auf den Markt kommen.

„Technische und medizinische Probleme wurden behoben und es steht eine hinreichende Finanzierung in Aussicht", erklärte Guha gegenüber LadyBits in einer E-Mail. Auf meine Frage, warum die Phase III Versuche so lange gedauert hätten, verweist er auf die hohen Sicherheitsstandards in Indien und die Bedeutung eines erneuten Tests mit den Versuchsteilnehmern zehn Jahre nach der ursprünglichen Injektion. „Indien geht nicht einfach ohne erwiesene vorklinische und klinische Ergebnisse, die einer internationalen Prüfung unterzogen werden, den nächsten Schritt—nur um im Rampenlicht zu stehen und sich kommerzielle Vorteile zu verschaffen."

Parsemus jedenfalls gibt tausenden potentiellen Interessenten Hoffnung: Momentan befinden sich laut Lissner 22.000 Männer auf der Warteliste für die klinischen Tests. „Wir stehen nicht in Kontakt mit Dr. Guha oder wissen über den genauen Stand seiner Forschung bescheid", sagte Lissner. „Ich hoffe, dass er Fortschritte macht. Egal wie man zur Lösung kommt, am Ende kommt es der ganzen Welt zugute."

Laut Lissner stammen die meisten Anfragen zu Vasalgel von Menschen in zwischen 20 und 30 Jahren—sowohl von Männern, die gerne mehr Kontrolle über ihre Reproduktionsfähigkeiten hätten, als auch von Frauen, die mit den vorhandenen Methoden Probleme haben. Die am stärksten vertretene Gruppe von allen, so sagte sie, sind, „junge Männer in einer Beziehung, die sich um eine ungewollte Überraschung mit einem Kondom oder der Pille sorgen. Ich würde sagen, der medizinische Rückstand lässt sich damit erklären, dass man von 20 Jahren dachte, Männer hätten kein Interesse daran. Und vielleicht trifft das für die Männer vor 20 Jahren auch zu. Aber heute sieht das anders aus."

In diesem Sommer möchte die Parsemus Foundation eine Crowdfunding-Kampagne initiieren und im Frühjahr 2016 hofft man auf den Beginn der klinischen Tests. Auch wenn einige oberflächliche Artikel, die im September 2014 erschienen waren, behaupteten, dass Vasalgel schon 2017 auf den Markt kommen würde, sagte Hamlin, 2020 sei realistischer.

„Bislang hat noch niemand solche Geldsummen aufgetrieben und dazu auch noch den Atem gehabt, die Entwicklung bis zum Ende voranzutreiben", erklärte mir Lissner. Selbst wenn die Vasalgelversuche in den USA erfolgreich verlaufen, ist noch lange nicht geklärt, wer die männliche Verhütungsinjektion für den Rest der Welt produzieren wird. Sollte das Mittel in den nächsten fünf Jahren tatsächlich auf den Markt kommen, dann fühlen sich vielleicht auch einige Stiftungen dazu berufen, in die Finanzierung mit einzusteigen.

Ich schaue voller Vorfreude in eine Zukunft, in der Männer die nachhaltigste aller Verhütungsmöglichkeiten übernehmen; eine Welt, in der Teenager-Schwangerschaften einem nicht mehr das Leben ruinieren würden und in der Frauen nicht mehr gezwungen wären, sich selbst mit Hormonen vollzupumpen oder gefährlichen Operationen zu unterziehen. Mit den interessanten Innovationen, die es momentan von der Kondomfront zu melden gibt, wird der Sex der Zukunft besser und sorgloser sein denn je. Bis dahin müssen wir uns weiter mit den umständlichen, potenziell unsicheren und wahrscheinlich gesundheitsschädlichen Optionen begnügen—auch wenn der Weg zu einer besseren Verhütung schon seit mehr als 30 Jahren vor unserer Nase liegt.

Die volle englische Originalversion dieses Artikels findet ihr bei Motherboard US.