Neues Feature: So kommt ihr an die Daten, die Tinder von euch hat

Wenige Klicks reichen, und schon schickt Tinder euch eine Datei mit allen Nachrichten, die ihr jemals an eure Matches geschickt habt – auch wenn ihr diese schon lange gelöscht habt.

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Okt. 23 2017, 12:27pm

Foto: imago/Zuma Press

Tinder hat vor wenigen Tagen einen neuen Service für seine Nutzer eingeführt: Über eine extra eingerichtete Webseite können ab sofort alle User die Daten herunterladen, die Tinder über sie gespeichert hat. Dafür ist nichts weiter notwendig, als auf der Plattform dieselben Login-Daten einzugeben, die man auch für seinen Tinder-Account benutzt – also entweder seine Login-Daten von Facebook oder seine Telefonnummer plus Passwort.

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Ihr bekommt anschließend eine E-Mail mit einem Download-Link zugeschickt, über den ihr eine Zip-Datei namens MyData.zip herunterladen könnt. Diese enthält einen Ordner mit den Fotos, die Tinder von euch hat, sowie eine umfangreiche html-Datei, die ein Menü aufruft, durch das ihr euch in eurem Browser durchklicken könnt: Unter dem Punkt "User" findet ihr die gespeicherten Parameter zu eurem Account, wie zum Beispiel die IP-Adresse des letzten Zugriffs, Standort-Informationen oder Filtereinstellungen. Solltet ihr einmal In-App-Käufe getätigt haben, findet ihr Informationen dazu unter "Purchases", und "Spotify" listet die Songs, die ihr bei Tinder hinterlegt habt.

Unter dieser Login-Oberfläche verbergen sich alle Tinder-Nachrichten, die ihr jemals abgeschickt habt | Bild: gotinder.com | Screenshot: Motherboard

Wirklich spannend wird es eigentlich erst im Menüpunkt "Messages". Hier bekommt ihr alle Nachrichten angezeigt, die ihr jemals über Tinder abgeschickt habt – auch wenn ihr diese in der App selbst schon lange gelöscht habt. Die Antworten eurer Matches stellt Tinder euch leider nicht zur Verfügung. Dafür findet sich ihr eine minutiöse Auflistung aller Nachrichten inklusive Datum und Uhrzeit. Eure Matches sind dabei chronologisch durchnummeriert. Matches, mit denen ihr nie geschrieben habt, tauchen in der Übersicht ebenfalls auf. Ihr erfahrt also mit einem Klick, wie viele Matches ihr hattet, und könnt mit der Suchfunktion eures Browser bequem alle Nachrichten nach Keywords durchsuchen.

Tinder hat mit dem bisher namenlosen neuen Feature wohl auf einen Artikel der Journalistin Judith Duportail reagiert: Unter dem Titel "Ich habe Tinder nach meinen Daten gefragt. Sie schickten mir 800 Seiten meiner tiefsten, dunkelsten Geheimnisse" hatte sie im Guardian eine Recherche veröffentlicht, die unter anderem davon berichtete, wie schwierig es ist, Tinder überhaupt zur Herausgabe seiner persönlicher Daten zu bewegen. Dass es die neue Funktion gibt, hat Tinder selbst bisher allerdings noch nicht umfassend öffentlich kommuniziert.

Duportail konnte sich ihre Daten nämlich nicht einfach downloaden, sondern hatte mit Unterstützung des Datenschutz-Aktivisten Paul-Olivier Dehaye mehrere E-Mails mit Passagen aus verschiedenen Gesetzestexten an das Unternehmen schicken, bevor Tinder ihr die Daten schließlich zur Verfügung stellte. Um die Datei MyData.zip zu bekommen müssen Nutzer nun nichts weiter tun, als sich einzuloggen und wenige Stunden bis Tage auf den Download-Link zu warten.

Wer sich nun sorgenvoll die MyData-Datei herunterlädt und erwartet, seine "tiefsten, dunkelsten Geheimnisse" schwarz auf weiß ins Email-Postfach geliefert zu bekommen, dem sei gesagt: Tinder kennt nur die intimen Geheimnisse, die du auch bereit warst, in dein Smartphone zu tippen. Allerdings behält die Firma ganz andere, hoch interessante persönliche Daten auch weiterhin für sich und seine Werbekunden, wie Alessandro Acquisti, Professor für Informationstechnologie an der Carnegie Mellon University, gegenüber Duportail erklärt: Wie oft du dich einloggst, wie lange du auf ein Foto schaust, bevor du weiter wischt, oder wie lange andere Nutzer auf deine Bilder starren.

An all diese Informationen kommst du auch mit der neuen Download-Funktion noch nicht – trotzdem ist die neue Funktion ein positiver Schritt in Richtung mehr Transparenz über all jene Daten, die Nutzer der App an die Hand geben.