Ebola-Rassismus verbreitet sich rasant als Twitter-Meme

Den aktuellen Ebola-Ausbruch für rassistisch eingefärbte Obama-Hetze nutzen? Warum nicht: Kein Virus ist so unberechenbar wie Twitter.

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Okt. 9 2014, 6:00am

Es geht immer noch ein bisschen dümmer. Bild: Twitter, @kidd210

Dass Viralität nicht zwangsläufig der Wahrheit dienen muss,  ist bekannt. Nun zeigt sich unter dem dummdreisten Hashtag #Obola mal wieder ein digitaler Massenaufschrei, der ebenso unangenehm wie niederträchtig ist—ähnlich der Maskulinsten-Versammlung vom #GamerGate oder den Memes der US-Waffen-Fans, die sich Ende April auch von toten Austauschschülern nicht aus der Ruhe bringen ließen. Die Twitter-Sphäre mutiert zu einem Parkplatz für Rechtsaußen-Trottel, die die Ebola-Tragödie politisieren und als rassistisches Vehikel benutzen wollen.

Eine ordentliche Krise soll man ja nutzen, solange sie noch Potential für eine Schmutzkampagne birgt. Also fühlte sich Fox News mit  ein paar seiner Experten dazu berufen, durch messerscharfe Analysen die richtigen Enden zusammenführen, vor denen die liberalen Medien einfach die Augen verschließen.

Währenddessen erlag der Ebola-Patient in Dallas gerade dem Virus. So weit, so traurig. Das hindert die Task Force aus ultrakonservativen TeaParty-Wingern jedoch nicht daran, die Seuchenangst tumb rassistisch umzumünzen. Da wird sich doch sicher etwas finden lassen, das man Obama in die Schuhe schieben kann? Vielleicht hat er mit seiner kenianischen DNA das Virus höchstpersönlich in God's Own Country eingeschleppt? Diese Suche nach den „wahren Zusammenhängen" nahm dann in den vergangenen Tagen noch einmal Fahrt auf.

Infizierte Terror-Muslime! Ein teuflisch genialer Plan, den ich mir nicht besser hätte ausdenken können.

Die Ursprünge des Memes stammen aus dem letzten Monat. Ungefähr zehn Sekunden, nachdem das Zentrum für Seuchenkontrolle  die Ebola-Diagnose von Thomas Duncan in Dallas bestätigte, hatte Katie Pavlich von Fox News sofort den Schuldigen im Großen Sozialistischen Satan ausgemacht. Den Rest erledigte verlässlich Twitter:

Spitz, pass auf! Statt also irgendwelchen vermeintlichen Experten zu vertrauen (und  wem soll man heutzutage schon vertrauen, wenn nicht dem Militär?), muss man eben selbst sein Hirn einschalten, soviel steht fest, y'all (oder wie @HayesBrown das Meme durch Satire entlarven). Aber am Ende gibt es für alles eine handfeste Lösung:

Es ist eine lang bewährte und gern gepflegte Tradition, Afrika als ein diffus-gefährliches Areal voller gefährlicher Krankheiten und Dreck zu behandeln. So schafft es selbst eine renommiertere Publikation wie die Newsweek nicht so einfach, über Ebola zu titeln, ohne unterbewusste Klischees zu befüttern.

Ein Menschenaffe als schuldbewusst guckender Titelträger, darunter die Schlagzeile "A back door for Ebola?" Natürlich hätte man bei einer Story über infiziertes Bush Meat auch eine Fledermaus benutzen können—aber wieso, wenn der Affe doch so viel besser die scheinbar immer noch prävalenten Vorurteile bedient.