Auf Ipetcompanion kannst du per Webcam und Fernsteuerung mit Katzen spielen

Über eine Webcam mit Katzen in amerikanischen Tierheimen zu spielen ist höchstens für den Menschen am Computer amüsant und eher weniger spaßig für die Tiere selbst.

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16 April 2014, 11:54am
Alle Bilder im Artikel: Screenshots der Autorin via Ipetcompanion.com.

Angesichts aufdringlicher PR-Sendungen habe ich mir inzwischen antrainiert durchaus wählerisch auf die Bitte nach dem Verfassen eines Artikels zu reagieren. Als meine werten Redaktionskollegen von Motherboard mir jedoch ihren Themenvorschlag mit einem Katzen-Link garnierten, habe ich natürlich sofort zugesagt.

Netterweise schickten sie mich auf Ipetcompanion.com: Eine Website auf der du per Fernsteuerung mit Katzen spielen kannst, bzw. ihnen per Webcam beim Toben zuschauen darfst. Momentan kannst du dich in neun verschiedene amerikanische Tierheime einwählen, die damit auch für vermehrtes Adoptieren von Haustieren werben möchten und schon unseren geschätzten holländischen Kollegen ordentlich Freude bereitet haben.

Der Weg zum virtuellen Katzenkuscheln ist jedoch gar nicht so einfach, denn zunächst einmal muss ich das Silverlight Plug-In von Microsoft installieren—und wie wir alle wissen macht Microsoft dem Menschen das Leben gerne etwas schwieriger. Natürlich kriege ich diese Hürde aus dem Weg geräumt—ich liebe Katzen einfach zu sehr und außerdem können Mode-Redakteure von VICE selbstverständlich mit hoher Technikaffinität dienen. Meine Kollegen wussten schon, warum sie sich an mich gewandt haben.

Im ersten Tierheim meiner Wahl in Kalifornien schlafen die Kätzchen leider noch: „online kitty play available from 12 pm to 10 pm SPT“. Das wird heute wohl nichts wegen den neun Stunden Zeitverschiebung.

Also klicke ich mich weiter nach Idaho. Diesmal stellt die Webcam eine Verbindung her, aber da auch hier die Katzen noch schlafen, bereite ich mich erstmal auf die mir erlaubten zwei Minuten Spielspaß vor und studiere die Feature der Webseite in Ruhe:

  • Drei verschiedene Spielzeuge können per Buttons am linken Rand gesteuert werden
  • Die Webcam lässt sich mit Pfeilen in der Mitte bewegen, zoomen und auch um fast 360° drehen
  • Die Bildqualität der Kamera erinnert aber leider eher an die Kamera zur Abschreckung von Ladendiebe in meinem lokalen Späti

Nun gut, jetzt wo ich weiß, was genau ich überhaupt alles aus der Ferne mit den Katzen anstellen kann, lege ich dann endlich mal los und klicke auf einen der rechten Spielzeug-Knöpfe. Ein Seil fängt an zu baumeln, aber die Katzen scheinen nicht daran interessiert zu sein. Ich bewege noch ein paar der anderen Spielzeuge und auch wenn es den Katzen wahrscheinlich nichts ausmacht, wird mir selbst das längere Rumgeklicke ins Nirgendwo irgendwie unangenehm.

Ich hatte auf ein Nacherleben einer putzigen Party gehoffe, die ich auch von meiner Katze bei mir Zuhause kenne. Aber stattdessen wird mir hier nur die Überstimulitierung eines Tieres vor Augen geführt. Ich fühle mich schlecht—eher wie ein Gefängnisaufseher, der seine Untergebenen drillt, und nicht wie ein Katzenliebhaber, der auch vom Schreibtisch aus seine Leidenschaft frönen mag.

Das Ziel von Ipetcompanion, die Adoption von Tieren anzukurbeln, mag ehrenhaft sein, aber nach meiner bisherigen Nutzererfahrung bin ich noch nicht wirklich überzeugt. Von meiner eigenen Katze, die übrigens selbst eine „Second-Hand-Katze“ ist, die eine Familie nicht mehr haben konnte, weil sie schon zu viele Tiere hatten, weiß ich aber nur zu gut um die Cleverness der Tiere.

Und ihre prächtige Intelligenz demonstrieren tatsächlich auch die Miezen aus Idaho, die sich mir auf meinem Bildschirm präsentieren dürfen—sie lassen sich von meinem virtuellen Besuch nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn mich ein leicht anthropozentrisch-schlechtes Gewissen beschleicht, klicke ich mich zu einer anderen Tierstation auf der Karte durch, schließlich habe ich immer noch den Rechercheauftrag meiner Kollegen auszuführen.

Im Tierheim von South Carolina treffe ich dann endlich auf „aktive“ Katzen. Allerdings scheinen sie mehr Spaß daran zu haben mit einem Ball auf dem Boden bzw. miteinander zu spielen. Ich bewege die Seile und den Laser Pointer, aber den Katzen scheint das vollkommen egal zu sein. Ob sie das vielleicht mit Absicht machen: ein Streik gegen Ipetcompanion? 


Nach dem ich mich amüsiert habe und den süßen Katzen aus South-Carolina beim Spielen zugeschaut und auf die perfekten Screenshots gewartet habe, klicke ich mich noch durch ein paar weitere Tierheime—aber auch dort geht es genau so öde wie in den anderen Tierheimen zu.

Nach dem anfänglichen Enthusiasmus kam bei mir nach rund 20 Minuten schon Langeweile auf und daran sind nicht die Katzen schuld. Es liegt eher daran, dass eine solche App nicht mehr viel länger unterhalten kann, als ein nettes Katzen-Meme. Im Angesicht der perfekten Symbiose von Internet und Katzen vermute ich, dass die Webseite noch expandieren wird und immer ihre virtuelle Daseinsberechtigung haben wird.

Auch im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit fällt mein Fazit leider eher vernichtend aus, denn ich musste Silverlight geschlagene viermal installieren, um überhaupt Live-Bilder zu sehen zu bekommen. Das dürfte mit dem schnelllebigen modernen Katzen-Dasein im Internet kaum kompatibel sein.

Solltet ihr die Hürde des Silverlight Plug-Ins überwinden, dann probiert die Webseite ruhig mal aus. Aber mir persönliche wäre es ehrlich gesagt lieber, wenn die Menschheit bei den Tamagochis bleibt und wirklich nur virtuelle Tiere nervt. Und wenn ihr unbedingt Katzenunterhaltung braucht, dann checkt die Tierheime euer Stadt oder Ebay-Kleinanzeigen aus. Und geht die Tiere IRL (In Real Life) besuchen. Denn man sollte sich schon die Zeit nehmen ein Tier persönlich kennenzulernen—für alle anderen die irgendwie mal das Feeling eines Guatanamo Bay für Katzen erleben sollen, aber könnte Ipetcompanion mehr als ein kurzfristiger Spaß sein.