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Mein Freund, der Messie

Mein Programmierer-Kollege war einer von rund 2,5 Millionen Deutschen, die unter einem Ordnungsdefizit leiden. Ich begleitete ihn während er sich Müllsack für Müllsack von der Unordnung befreite, die sein Leben bestimmte.

„Hast Du meine Nachricht nicht gelesen?", frage ich ihn leicht genervt. „Nein. Ich finde mein Telefon seit ein paar Wochen nicht", antwortet er. Was ist das denn für eine Antwort, überlege ich. „Du hast es verloren?", hake ich nach.

„Nein. Es muss irgendwo zu Hause sein, ich finde es nicht mehr." Ich habe schon viele Entschuldigungen gehört—aber diese?

Vielleicht hätte ich genauer hinhören sollen, dann wäre mir der Subtext nicht entgangen. Ich erinnere mich dunkel an ein „Du weißt nicht, wie es bei mir aussieht." Ich hielt das alles für eine Ausrede oder ein Zeichen totaler Verpeilung. Doch der Mensch, um den es geht, ist nicht verpeilt. Er ist ein guter Freund, den ich seit fünf Jahren kenne, ein Kollege und Senior-Software-Entwickler—ein technischer Problemlöser, der das Chaos in Daten in Strukturen verpackt und verarbeitet.

Ein paar Monate nach dem Gespräch wiederholte sich die Szene. Er hatte mittlerweile ein neues Telefon. Wieder teilte er mir mit, es nicht mehr zu finden. Wieder war ich unsicher, was ich davon halten sollte. Ich wusste nicht, wie groß seine Wohnung war, da ich ihn nie besucht hatte. Warum eigentlich nicht? Aber sicher war sie nicht so groß, dass man darin mehrere Smartphones auf Nimmerwiedersehen verlieren kann. Und wieder überhörte ich das dezente „Du weißt nicht, wie es bei mir aussieht."

Das Puzzle setzt sich zusammen

Tatsächlich ist mein Freund das, was man umgangssprachlich als Messie bezeichnet—einer von geschätzten 2.5 Millionen in Deutschland. Wie die überwiegende Mehrheit der Betroffenen konnte auch er sich lange Zeit nicht überwinden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen—obwohl die Unordnung in seinem Zuhause so groß war, dass sie sein Leben bestimmte.

All das ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Doch über die Jahre der Freundschaft bauten sich Puzzle-Steine zusammen. Immer mal wieder verwies er darauf, dass es sehr unordentlich bei ihm sei. Wenn er dann von der Tuba seines Vaters erzählte, die auf dem Bett lag und dem Schreibtisch, über den man im Flur klettern musste, formten sich Stück für Bilder vor meinem inneren Auge.

Seit den ersten Chaos-Bildern in meinem Kopf sind inzwischen drei Jahre vergangen. Wirklich verstanden habe ich sein Problem erst vor einem Jahr, als er klar formulierte, wie es um seine Wohnung steht. Vor einem halben Jahr hat er begonnen, sich aktiv aus dem Chaos herauszukämpfen. Ich begleite ihn auf diesem Weg, besuche ihn irgendwann in seiner Wohnung und lerne auch die Psychologin von der Messie-Hilfe kennen.

Mich berührt seine Geschichte. Sie ist so anders als das Klischee des asozialen Messies, das in vielen Köpfen sitzt. Wir reden viel darüber, und als ich ihn frage, ob ich seine Geschichte aufschreiben darf, freut er sich. Es ist eine Geschichte, die Mut macht, die aber auch ein falsches Bild eines gar nicht mal so seltenen Krankheitssymptoms zurechtrückt. Anonym bleiben möchte er trotzdem, weshalb er in diesem Artikel namenlos und ohne nähere persönliche Details bleiben wird.

Zwei Jahre habe ich trotz seiner dezenten wiederholten Hinweise nicht verstanden dass er echte Schwierigkeiten mit der Ordnung in seiner Wohnung hatte, wie sehr ihn das beschäftigte und wie groß das Problem war. Denn, Hand aufs Herz: Wer findet seine Wohnung nicht auch ständig zu unordentlich? Hier zeigt sich, wie leicht man ins Dilemma hineinrutschen kann, ohne zunächst zu bemerken, dass etwas prinzipiell nicht in Ordnung ist. Der Übergang zwischen privatem Chaos und Messie-Syndrom als Krankheit ist fließend.

Nach ersten Entrümpelungen: Das Wohnzimmer wird wieder betretbar.

Wirklich aufmerksam darauf, dass es überhaupt ein Problem gibt, wurde ich erst, als mein Freund erzählte, der Schornsteinfeger müsse in seine Wohnung und er könne ihn nicht reinlassen. Sonst würde der ja seine Wohnung sehen und den Zustand dem Vermieter melden. Pakete würde er auch nicht nach Hause bestellen, um die Tür nicht aufmachen zu müssen. Aus dem gerümpeligen Erwachsenen-Abenteuerspielplatz in meiner Vorstellung wurde ein großes Fragezeichen. Noch immer hielt ich es dennoch für eine Übertreibung.

Die Glühbirne

Seit ein paar Monaten gingen wir einmal in der Woche morgens wenige Meter von seiner Wohnung in Neukölln entfernt einen Kaffee trinken. Bei einem dieser Treffen rührte ich in meinem Espresso Macchiato, wir starrten ein wenig vor uns hin, wie man das mit Menschen machen kann, die man öfter sieht, und er begann zu erzählen:

„Ich habe einen Wasserschaden in der Wohnung. Eigentlich müsste ich es dem Vermieter melden, aber dann kommt jemand in die Wohnung und dann wird sie mir gekündigt. Was mache ich denn jetzt?" Ich war überfragt. „So schlimm wird es schon nicht sein", dachte ich mir. „Es ist sogar Wasser in die Glühbirne an der Decke gelaufen. Hat ganz schön geknistert", setzt er nach. Ok, es ist schlimm. Endlich verstand ich.

Er bringt mir die Glühbirne mit und tatsächlich—sie ist mit Wasser gefüllt. Wie absurd muss Wasser von der Decke laufen, damit es in einer Glühbirne landet? Ein hartnäckiger Wasserschaden hat erstmal nichts mit Unordnung zu tun. Doch, den Vermieter nicht anzurufen ist es ein typisches Problem von Menschen mit „Ordnungsdefizit". So nennt zum Beispiel der Messie-Hilfe-Verein Freiraum aus Berlin seine KlientInnen, wie mir später erklärt wird.

Hilfe suchen

Diesen Verein ruft mein Freund irgendwann an. Er bietet Menschen Unterstützung, die es alleine nicht mehr schaffen, für Ordnung zu sorgen. Schon auf der Webseite erkenne ich Muster wieder:

  • „Vermeiden Sie es, Menschen in Ihre Wohnung zu lassen?"—Nie habe ich ihn besucht.
  • „Graut es Ihnen vor dem alljährlichen Besuch des Heizungsablesers?"—Hatte er nicht gerade davon erzählt?
  • „Öffnen Sie Ihre Wohnungstur immer nur einen Spaltweit, wenn der Postbote vor der Tür steht?"—Auch das kommt mir bekannt vor.
  • „Haben Sie eine Vielzahl von Flaschenöffnern, Scheren und sonstigen Gegenständen, weil Sie jedes Mal etwas neu kaufen, wenn Sie es verlegt haben?"—Wie oft hat er sich eigentlich ein neues Smartphone gekauft?

Ein paar Tage und Überlegungen kostete es ihn noch, sich nach dem Entschluss, Hilfe zu suchen, tatsächlich aufzuraffen. Als der Erstkontakt hergestellt ist, ist er erleichtert. Er habe bald einen Besichtigungstermin. Ein paar Wochen später—er nutzt die Zeit für erste Entrümpelungen—besichtigt ein Team seine Wohnung. Der Verein sei keine einfache Putz-Hilfe erfährt er, sondern biete psychologische Unterstützung und pädagogisches Aufräumen.

Die Begehung ergibt, dass der Fußboden seiner Wohnung noch zu 35% betretbar sei. Immerhin, denke ich. Ob da die Möbel rausgerechnet werden?

Ihm wird eine persönliche Betreuerin—Frau Jasmin (Name geändert)—zugeteilt. Jeden Montag kommt sie vorbei, mein Freund nimmt sich dann frei und sie räumen gemeinsam auf. Woche für Woche berichtet er von den Treffen und es klingt gut. Sie würden Aufräum-Strategien entwickeln, Putzen üben, aber auch Probleme besprechen, die zu der Situation geführt haben. Wie zum Beispiel damals, als er plötzlich Vater wurde, die Beziehung in die Brüche ging und er seine Tochter seitdem nicht noch einmal wiedergesehen hat. Kaum jemand weiß, dass er Vater ist. Wie auch lange niemand wusste, wie es um seine Wohnung bestellt ist.

Der Besuch

Dann fragt er mich eines Morgens beim Frühstück im Café um die Ecke, ob ich kurz in seine Wohnung kommen mag. Frau Jasmin habe ihm geraten, Menschen in die Wohnung zu lassen. Das helfe, die Situation zu normalisieren. Er warnt mich mehrfach vor, dass es wirklich schlimm aussehen würde. Ich gehe gelassen ran und bin auch nicht allzu überrascht, als ich eine wirklich vermüllte Wohnung sehe. Ja, sie erinnert an die Bilder, die man findet, wenn man nach „Messie" googelt oder sich an unsägliche, voyeuristische Boulevard-Reportagen erinnert, die, wie zum Beispiel Explosiv, darüber berichten, dass bei Messies „die Hölle los" sei und sie so auch als Freaks exotisieren, deren Krankheit angenehm weit weg von der „normalen" gesellschaftlichen Realität ist.

Die Küche sieht wirklich schlimm aus: Essensreste, ein paar kleine Tierchen. Erstaunlicherweise riecht es gar nicht so schlimm, wie ich gedacht hätte. Bei mir überwiegt in der Situation die Freude, dass ich als Freund in die Wohnung darf und es vorangeht. Die Wohnung sieht schon besser aus, ihm selbst geht es auch besser und mein Besuch hilft ein Stück bei der Verarbeitung.

Tierchen—man nimmt sie am besten mit Humor.

Als ich ihn frage, ob ich einen Artikel über ihn schreiben dürfe, freut er sich über die Öffnung des Themas und organisiert, dass ich an einem der Montags-Termine dabei sein darf. Ich komme etwas zu spät und stoße dazu, als er gerade mit Frau Jasmin in der Küche putzt. Sie ist eine junge Psychologin, die neben einer Weiterbildung in dem Verein arbeitet. Ursprünglich habe sie sich dafür interessiert, Menschen zu beraten, die ihr Leben vereinfach wollen und darüber zum Verein Freiraum gefunden. In dieser Wohnung hätte sie gerade erst ihre Spinnenphobie heilen können, scherzt sie. Der Humor entspannt die Situation. Das ist angenehm und keine unübliche Taktik in solchen Fällen.

Das Gespräch

Ich versuche im Gespräch zu ergründen, ob es Muster unter den KlientInnen gibt: sozialer Status? Wohngegend? Geschlecht? Eigentlich seien das alles keine belastbaren Muster, antwortet sie. Aber Singles, die seien definitiv die häufigste Gruppe, die unter einem Ordnungsdefizit leidet.

Ich rätsele, ob mit der gesellschaftlichen Tendenz zum Single-Leben in der Großstadt vielleicht auch das Risiko steige, Hilfe dieser Art zu benötigen. Die Psychologin hält es für nicht unwahrscheinlich. Der Wegfall des Modells Familie begünstige zumindest das Nicht-Erlernen bestimmter Fähigkeiten. In Kindergarten und Schule werde das leider nicht aufgefangen.

Ich denke an meine Kinder, die ihr eigenes Mini-Putzzeug haben, mit dem sie gern im echten Dreck auf dem Küchenboden spielen. Da habe ich nicht alles ganz falsch gemacht, offenbar.

Zwischendurch gibt es eine Diskussion über Gewürze. Frau Jasmin fragt, warum er die abgelaufenen Gewürze, die sie weggeworfen hatte, doch wieder ins Regal gestellt habe. Er antwortet, dass Gewürze nur ablaufen, weil es per Gesetz ein Mindesthaltbarkeitsdatum geben müsse. Sie waren aber noch gut.

Sie bittet ihn, ihr immer klar zu sagen, wenn sie etwas nicht wegwerfen solle. Es sei letztlich immer seine Entscheidung. Das Gespräch wirkt freundlich distanziert. Voller Respekt. Beide siezen sich. Ich weiß gar nicht, ob ich meinen Freund beim Vor- oder Nachnamen nennen soll, wenn ich mit ihr über ihn spreche.

Nach mehreren Wochen sieht man die wieder, wie die Küche einmal ausgesehen hat.

Ich erfahre, dass sie bei Menschen mit Ordnungsdefizit in Anschaffungs-, Ordnungs- und Entsorgungsproblematik unterscheiden. Kaufsucht, Nicht-Aufräumen-Können, Sammelwut—es gibt viele Facetten. Die Ursachen seien völlig verschiedenen: traumatische Erlebnisse, fehlendes Wissen oder auch Wohnungsprobleme, denen man überraschend ausgesetzt ist: zum Beispiel Menschen, bei denen eingebrochen und alles verwüstet wurde und die es nach dem Schock nicht schaffen, die Wohnung wieder zu ordnen.

So breit gefächert die Ursachen für ein Ordnungsdefizit sein können, so verschiedenen sind die Möglichkeiten, betroffenen Menschen zu helfen. Zunächst geht es erst einmal darum, herauszufinden, was zur jeweiligen Situation geführt hat. Liegt eine psychische Erkrankung vor? Gibt es ein traumatisches Erlebnis? Mit diesem Wissen kann konkret am Wohnungsproblem gearbeitet und zugleich vorsichtig über tiefer gehende Gründe gesprochen werden. Natürlich ersetzt ein Gespräch beim Aufräumen keine Therapie, aber im Idealfall stabilisiert es Wohnung und Person zugleich und schafft die Grundlage für weitere Schritte.

Medizinisch ist noch nicht einmal abschließend geklärt, ob es sich überhaupt um eine eigenständige Krankheit oder ein mögliches Symptom anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen, handelt. In der von der WHO herausgegebenen internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) wird das Messie-Syndron nicht als eigenständiges Krankheitsbild aufgeführt. Es gibt aber auch Studien, die das anders sehen: Das DSM-5, der amerikanische Katalog psychologischer Erkrankungen (der in seinen Einordnungen nicht immer unumstritten ist) bezeichnet das Messie-Syndrom als Disorder. Klassisch wird das Ordnungsdefizit jedoch als Symptom anderer Erkrankungen angesehen. Auch der unklare Status ihres Leidens ist ein Problem für die Betroffenen und deren mögliche Behandlung.

Doch unabhängig davon ist der erste Schritt zur Besserung das persönliche Eingeständnis, ein Problem, eine Krankheit zu haben. In einer Gesellschaft, die Gesundheit und Produktivität zur Lebensaufgabe des Individuums erhebt, ist solch ein Bekenntnis noch immer mit Scham verbunden. Doch die Pathologisierung ihres Verhaltens kann für Messies auch der erste Schritt sein, sich zu befreien, sich irgendwann im eigenen Zuhause und im Leben wieder wohl zu fühlen und auch wieder Besuch zu empfangen.

Während die beiden im Wohnzimmer stehen und Briefe sortieren („Brauchen Sie noch die Ergebnisse zur Wahl in die Studentenvertretung?"), frage ich mich, wie es eigentlich mit digitaler Unordnung aussieht. Meine Inbox erscheint vor meinem inneren Auge und ich fühle gleich wieder den Stress, Nachrichten noch nicht beantwortet zu haben. Beim Messie-Hilfe-Verein sei das im Moment noch kein richtiges Thema, erklärt mir Frau Jasmin dazu. Und betont das „noch". Sie helfe schon manchmal dabei, Dateien zu sortieren und Struktur auch in den digitalen Alltag zu bringen. Denn wie soll man das eigentlich trennen heutzutage? Wir diskutieren kurz zu dritt, welche Apps man eigentlich zur Digitalisierung von Unterlagen nutzen kann, um diese dann guten Gewissens entsorgen zu können.

Sich von Ideen verabschieden

Da fallen mir wieder die mehreren dutzend Ordner aus meinem Studium ein, die ich noch zu Hause stehen habe. Darin sind Kopien von Texten, die wir damals lesen sollten. Die wollte ich immer mal einscannen. Für später. Während ich mich daran erinnere, erzählt sie die Geschichte von einem Klienten.

Eine Mutter rief an und bat um Hilfe für ihren Sohn, der viele Zeitungen in der Wohnung hatte. Bei der Besichtigung erklärte der junge Mann zwischen Bergen von Papier ganz selbstverständlich, dass er bald Autor werde und die Zeitungen noch alle lesen müsse für das Buch, das er dann schreibt. Ihm konnten sie nicht helfen. Denn es geht bei der Ordnung nicht einfach um das Auf- und Umräumen, sondern vor allem darum, sich von Ideen zu verabschieden.

Der Satz trifft mich ins Mark. Ich habe auch diese Idee: Später die Texte aus dem Studium nutzen, um darüber zu schreiben. Das Studium ist zehn Jahre her. „Später" ist schon lange vorbei. Ich muss etwas machen, beschließe ich.

War was?

Die anderthalb Stunden des Montags-Termins sind um. Wir treten zu dritt auf die Straße—jeder mit einer Mülltüte in der Hand. Mittlerweile ist die Entsorgung nicht mehr so problematisch wie am Anfang als er einen Transporter holen musste, um zum Wertstoffhof zu fahren oder überlegte, wie er die unzähligen Pfandflaschen unauffällig spenden könnte.

Leben ohne Besitz: Ich habe eine Woche lang nur von der Sharing Economy überlebt

Zu Hause angekommen greife ich mir drei Ordner, werfe das meiste weg und nehme den Rest mit ins Büro, um ihn wirklich einzuscannen. So ganz kann ich mich nicht verabschieden. Aber wenn es zumindest keinen Staub mehr fängt, ist das ja schon ein Anfang. Die leeren Ordner bringe ich meinem Freund mit. Er kann sie gut gebrauchen. Was für ein paradoxer Ordner- und Ordnungstransfer.

Gemeinsam mit der Betreuerin wird der Umgang mit verschiedenen Reinigungsmitteln geübt.

Dabei sein

Am Ende bin ich froh, so ins Vertrauen gezogen worden zu sein. Mittlerweile war ich sogar schon mal mit meinem Sohn zum Frühstück in der Küche meines Freundes. Mich hat auch diese Einladung gefreut—mein Sohn fand es „langweilig".

Das ist gut, denn nach Wochen und Monaten des Aufräumens ist die Wohnung längst in einem Zustand, der nur noch an eine verkramte Junggesellen-Wohnung erinnert.

Ich ärgere mich dennoch, nicht früher einmal genauer nachgefragt zu haben. Und ich habe gelernt, dass „Messies", die man besser »Menschen mit Ordnungsdefizit« nennt, ganz anders sind, als man sich es sich vorstellt, oder schäbige Boulevard-Berichte suggerieren.

Es sind Menschen, die mit Problemen kämpfen. Wir können sie in ihrem Weg unterstützen. Ich bin froh, ein bisschen geholfen zu haben. Und sei es nur durch Anwesenheit.