Kollage: Sabrina Schrödel/Motherboard. Hintergrund: Screenshot Gutefrage.net, Liebesgedicht: imago, Pulver und Shampoo: Shutterstock, Schlüpfer: Pixabay, CC0 1.0

Die zehn beliebtesten Fragen von Gutefrage.net – endgültig beantwortet

Umwerfende Liebesgedichte, skurrile Knusperpartys und der wahre Sitz des Blinddarms – wir haben die drängendsten Fragen von echten Experten beantworten lassen.

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23 August 2017, 11:15am

Kollage: Sabrina Schrödel/Motherboard. Hintergrund: Screenshot Gutefrage.net, Liebesgedicht: imago, Pulver und Shampoo: Shutterstock, Schlüpfer: Pixabay, CC0 1.0

Wenn ihr regelmäßig im deutschsprachigen Internet unterwegs seid, habt ihr mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon mal die Frage-Antwort-Plattform Gutefrage.net angesurft. 20 Millionen Menschen tun das jeden Monat, 3,2 Millionen sind derzeit mit einem eigenen Account auf dem Ratgeber-Portal angemeldet, 6.000 Fragen werden pro Tag veröffentlicht, wie die Plattform gegenüber Motherboard angibt.

Auf der Seite wird so ziemlich jede Frage gestellt, die sich ein Mensch überhaupt stellen kann – und meist muss man auf eine Antwort anderer Nutzer nicht lange warten. Allerdings sind die Nutzer, die auf Fragen antworten, meist keine Experten in der Thematik. Wir haben uns deshalb die zehn Fragen von gutefrage.net, die in den vergangenen zwölf Monaten am häufigsten aufgerufen wurden, vorgenommen und sie mit Hilfe verschiedener Experten beantwortet.

Frage 1: "Wer hat Erfahrungen mit dem Shampoo 'hairjazz'?" (286.334 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Knapp 300.000 Nutzer haben sich auf gutefrage.net bisher dafür interessiert, ob andere Menschen schon mal ein Shampoo namens "HairJazz" benutzt haben. Diese Zahl erscheint nur auf den ersten Blick erstaunlich hoch – denn HairJazz verspricht nichts weniger als die Linderung eines Problems, unter dem Millionen von Deutschen leiden: Haarausfall. Ob das Shampoo wirklich etwas kann, haben wir deswegen eine Haarmedizinerin gefragt, die sich tagtäglich wissenschaftlich mit dem Thema Haare und Kopfhauterkrankungen auseinandersetzt: Dr. med. Nina Otberg, Fach­ärztin für Derma­tologie und Venero­logie vom Haar- und Laserzentrum Berlin-Potsdam.

Dr. Otberg schaute sich zunächst die Inhaltsstoffe der Haarpflegeprodukte von HairJazz an: Keratin-Hydrolysate (Shampoo und Lotion), Soyprotein-Hydrolysate (Lotion und Maske), Vitamin B6, Eierschalenextrakte und Carboxymethyl-Chitin. Die Ärztin schreibt diesen Substanzen generell einen positiven Effekt auf kaputte Haare zu, wie sie uns per Email erklärt: "Keratinhydrolysate sind in der Lage durch die äußere Schuppenschicht (Cuticula) bis in das Innere des Haarschaftes (Cortex) einzudringen und damit Strukturschäden im Haar teilweise zu kitten und die Haarstabilität (tensil strenght) und Haarbrüchigkeit zu verbessern."

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Auch Soyprotein-Hydrolysate und Carboxymethyl-Chitin wirkten sich durch ihre Fähigkeit, im Haarschaft mehr Wasser zu binden, positiv auf die Haarstruktur aus, so Otberg. Die Eierschalenmembran fördere den Knochenstoffwechsel und könne entzündungslindernd wirken. Zur Haarpflege sei das Produkt also tatsächlich geeignet, allerdings sei nicht bekannt, ob sich die Substanzen darüber hinaus auch auf das Haarwachstum auswirken, welches dem Fragesteller ja besonders am Herzen lag.

"Vorstellbar sind jedoch ein positiver Effekt bei leichten Kopfhautentzündungen, zum Beispiel bei leichter Schuppenbildung, und ein wasserspeichernder Effekt im Haarschaft. Einen wissenschaftlichen Beweis für einen haarwachstums-stimulierenden Effekt bei innerlicher oder äußerlicher Anwendung gibt es nicht", resümiert die Expertin auf Anfrage. Außerdem hatte Dr. Otberg noch einen Tipp für alle Veganer, die damit liebäugeln, HairJazz zu benutzen: "HairJazz wird ohne Tierversuche hergestellt. Wichtig für Veganer zu wissen ist jedoch, dass es sich bei Keratin-Hydrolysaten und Carboxymethyl-Chitin um tierische Produkte handelt."

Frage 2: "Hallo, hat jemand schon Erfahrung mit dem Abnehmpulver Refigura?" (232.281 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Auch bei der zweitbeliebtesten Frage macht sich der Fragesteller Gedanken um sein Äußeres. Mit seinem Vorhaben abzunehmen, dabei aber "noch normal zu essen", hat er den Nerv der anderen Nutzer getroffen. Viele Menschen wollen abnehmen, das aber am liebsten mit so wenig Veränderungen wie möglich. Kein Wunder also, dass die Frage nach Erfahrungen mit dem Abnehmpulver Refigura mehr als 230.000 Mal angeklickt wurde.

Es würden über 40 Prozent von Fetten, Zucker und Kohlenhydrate gebunden, außerdem Heißhunger und das allgemeine Hungergefühl reduziert, heißt es auf der Website des Produkts. Aber ist das überhaupt wünschenswert? Wir haben Ernährungswissenschaftler Achim Sam, der selbst schon einige Diäten hinter sich hat, und die Ernährungswissenschaftlerin und Food-Bloggerin Anna-Lena Klapp gefragt, ob sich eine Diät mit Refigura lohnt.

Abnahmen ohne großen Aufwand oder Umstellung? Experten erteilen dem eine Absage. Foto: Shutterstock

Sam, der bereits mehrere Bücher über Ernährungs- und Bewegungsverhalten veröffentlicht hat, hält Schlankheitsmittel wie Refigura generell für problematisch: "Letztlich ändert man dadurch nicht seine Essgewohnheiten", begründet er seine Einschätzung. Bei Refigura stehe außerdem die Frage im Raum, ob bei regelmäßiger Einnahme eine ausreichende Nährstoffversorgung sichergestellt werde. Denn laut Hersteller binde das Mittel zum Beispiel auch Kohlenhydrate, so dass diese nicht weiter vom Körper aufgenommen würden.

"Dabei sind Kohlenhydrate, in gewissen Mengen, äußerst wichtig für den Körper", so Sam. Dasselbe gelte auch für Fette. Wenn die Nährstoffe dagegen vom Körper gar nicht oder nur sehr limitiert aufgenommen werden, könne es auf Dauer zu einer Unterversorgung kommen. Außerdem sei es nicht ungewöhnlich, dass es bei solchen nährstoffbindenden Schlankheitsmittel zu massiven Verdauungsproblemen kommen könne. Schlank machten solche Abnehmmittel laut Sam oft nur eins: das Portemonnaie.

Anna-Lena Klapp, die ein Buch über vegane Süßigkeiten geschrieben hat, sieht das ähnlich und warnt davor, sich nicht von einem kurzfristigen Effekt blenden zu lassen: "Hält man sich an die Vorgaben des Herstellers [von Refigura], können sicherlich ein paar Kilo Gewicht reduziert werden. Wer jedoch seine Ernährung und Lebensweise nicht entsprechend umstellt, wird auch keine langfristigen Erfolge verzeichnen können", so Klapp.

Als Ernährungswissenschaftlerin rate sie daher von solchen Produkten ab und empfehle stattdessen ballaststoffreiches Obst und Gemüse zu jeder Mahlzeit. Generell, appelliert Klapp, sei ein entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper viel schöner und gesünder als sich "vor jeder Mahlzeit so ein teures Pulverchen reinzuziehen, mit der Aussicht, vielleicht ein bis drei Kilogramm Gewicht zu verlieren, um dafür Verstopfung, Erbrechen, Durchfall oder sogar einen Reizmagen zu riskieren."

Frage 3 : "Hat jemand Erfahrungen mit der Klamotten Seite 'shein'?" (239.590 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Mode-Shops gibt es im Internet wie Sand am Meer. Der Klamotten-Versand Shein wirkt auf den ersten Blick attraktiv und vertrauenswürdig auf viele Internetnutzer – zumindest weckte die Frage nach dem vor Rabatten nur so strotzenden Modeversand mit knapp 240.000 Aufrufen großes Interesse.

Das Feedback auf die Frage nach Erfahrungen mit Shein ist dabei zweigeteilt. Während einige Nutzer von Bestellungen abraten, freuen sich andere auf gutefrage.net über billige Preise und schnelle Lieferzeiten. Wir haben beim Bundesverband Verbraucherzentrale angefragt, ob eine Bestellung bei Shein tatsächlich bedenkenlos getätigt werden kann.

Dort verwies man auf eine eindeutige Warnung der Verbraucherzentrale Niedersachsen vom 3. April: "Nicht bei 'de.shein.com' kaufen". Die Verbraucherzentrale Niedersachsen schildert den Fall einer Kundin, die nach einer Bestellung keine Rücksendeadresse bei Shein ausfindig machen konnte. Die ihr gelieferte Ware war dabei nichts als "ein außer Form geratener Fetzen". Die Verbraucherschützer schreiben dazu: "Sie musste im eingeloggten Zustand ein Ticket anfordern, über das ihr eine Rücksendeadresse mitgeteilt werden sollte. Das Ticket hat die Verbraucherin bisher nicht erhalten."

Das Problem: Wer genau für den Shop zuständig ist, ist nicht erkennbar. "Auf der Internetseite sind weder ein Impressum noch Informationen zum allgemeinen Widerrufsrecht zu finden", so die Zentrale. Die Kunden erfahren also nicht, wem gegenüber sie ihren Widerruf geltend machen sollen.

Nachdem sich die Verbraucherzentrale den Shop einmal genauer angesehen hatte, stellte man eine höchst dubiose Unternehmensstruktur fest: "Der Absender des Pakets, das die Verbraucherin erhalten hat, sitzt in Maastricht, Niederlande, der Sitz des Unternehmens ist in China, der Gerichtsstand in Florida. Abgewickelt werden die Transaktionen über das Vereinigte Königreich." Der Mode-Shop ist offenbar unseriöser als so mancher gutefrage.net-Nutzer denkt.

Tipps, wie man sich vor Schwindel-Portalen á la Shein schützen kann, lest ihr auf der Website der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Frage 4: "Was bedeutet Knusperparty?" (rund 188.044 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net


Der Begriff "Knusperparty" geistert bereits seit viereinhalb Jahren durch das deutsche Internet. Im März 2013 war auf einer mittlerweile gelöschten Facebookseite eine anonyme Beichte veröffentlicht worden, in der eine unbekannte Person eine von vielen Nutzern als pervers verurteilte sexuelle Praxis beschreibt.

Der unbekannte Beichter erklärt, er habe bei einem Besuch im Swingerclub ein Pärchen kennengelernt, das einem besonderen Fetisch fröne: "Wenn die Frau ihre Periode hat, lässt sie sich ein paar Wochen davor, die Haare an der Vagina wachsen. Während ihrer Periode lässt sie dann die ganze Soße in die Haare fließen und schön eintrocknen." Anschließend würde ihr Freund das ganze dann "abknuspern".

Im November 2015 wurde die Beichte nach einem erneuten Post auf einer neu eingerichteten Facebookseite erst so richtig bekannt und inspirierte zahlreiche Fan-Communities rund um die "Knuperparty". Ob es sich um einen wahren Erfahrungsbericht handelt, ist bis heute unter Internetnutzern umstrittenen. Weitere Hintergründe zum Phänomen "Knusperparty" könnt ihr in wenigen Tagen auf Motherboard lesen.

Frage 5 : "Kennt ihr süße und lange Texte für das Mädchen, das man über alles liebt?" (rund 177.076 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Die Liebe hat es erstaunlicherweise nur auf Platz 5 der dringendsten Fragen geschafft – dort aber wird sie von einem romantischen Fragesteller thematisiert, der wohl direkt den "Leiden des jungen Werthers" hätte entsprungen sein können. Weil er nicht aufhören könne, seiner Angebeteten Liebesgedichte zu schreiben, erkundige er sich nach einer Inspirationsquelle, um die eigene Unkreativität zu überlisten, schreibt der Nutzer. Wie sich herausstellt, scheint sehr viele Nutzer von gutefrage.net das Thema umzutreiben.

Doch so einfach ist die Sache mit den Liebesgedichten leider nicht, wie wir von zahlreichen Literaturprofessoren deutscher Universitäten erfahren. "Es gibt keine objektiven Kriterien für ein 'gutes' Liebesgedicht", schmettert uns zum Beispiel die Germanistin Prof. Dr. Gaby Herchert von der Universität Duisburg-Essen entgegen. "Was der eine als romantisch empfindet, hält der nächste für sülzig, was der einen aus der Seele spricht, überschreitet für die andere die Grenzen des guten Geschmacks", erklärt sie und verweist darauf, dass ein Liebesgedicht auch schnell nach hinten losgehen kann.

Auch im Snapchat-Zeitalter sind lange, ergiebige Liebesgedichte anscheinend noch gerne gesehen. Foto: Shutterstock

Wichtig sei zunächst, dass man sich der Intention für das Gedicht im Klaren sein muss, so Herchert: Will man den Menschen seines Herzens loben, überreden, oder sich bei ihm entschuldigen? Wie ist man selber drauf, während man das Gedicht schreibt?

"Ein gutes Liebesgedicht ist entweder ein im Rausch der Gefühle entstandener Ausdruck dieser Empfindungen oder eine Reflexion der herangewachsenen und gereiften Zuneigung", erklärt uns Ori Atana, der bei Herchert studiert. Als Germanistik- und Anglistik-Student scheut er sich im Gegensatz zu vielen Professoren, die wir angefragt haben, nicht davor, konkrete Empfehlungen abzugeben:

Walt Withmans "To You" und Shakespeares "Dark Lady Sonnet 130" sind Atana zufolge zwei hervorragende Beispiele für gelungene Liebesgedichte. "Das wilde 'To You' ist eine Ekstase, ausgedrückt in freiem Vers und beachtet keine lyrischen Konventionen, eine vollkommen freie Gefühlsexplosion des Autors". Das "maßvolle" Sonnet 130 sei hingegen das Gegenteil, voller Sarkasmus im typischen Shakespeare-Stil. Nur die beiden letzten Zeilen, das Heroic Couplet, würde die wahre Intention des lyrischen Ichs offenbaren, erklärt Atana weiter.

Trotzdem, so erzählt er, gebe es zwischen beiden Werken Gemeinsamkeiten: "Beide Gedichte drücken Gefühle der Liebe aus und sind einer geliebten Person gewidmet." Letztendlich sei die Beurteilung eines Liebesgedichts stets eine subjektive Angelegenheit.

Frage 6: "Wie kann ich Bilder aus der Galerie hochladen für Instagram Stories?" (165.600 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net


Die von Instagram vor einem Jahr eingeführte Story-Funktion erfreut sich bis heute einer großen Beliebtheit bei Usern. Doch eine Frage scheint viele Menschen zu beschäftigen: Wie kann ich bereits aufgenommene Bilder in eine Story hochladen?

Wie Instagram uns per Email sowie auf einer Hilfeseite erklärt, ist das ganze ziemlich simpel: "Du kannst auch ein Foto oder Video hochladen, das du in den letzten 24 Stunden aufgenommen hast. Wische auf dem Bildschirm der Kamera nach unten und wähle dann ein Element aus der Bibliothek deines Handys aus."

Tatsächlich klappt das aber auch umgekehrt, also wenn ihr auf den Bildschirm tippt und von unten nach oben wischt.

Frage 7: "Erfahrung mit 21 Tage Stoffwechselkur" (162.494 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Frage sieben geht in eine ähnliche Richtung wie Frage zwei: Wie verbessert man ohne großen Aufwand seine Figur? Statt einfach normal weiter zu essen und trotzdem die Pfunde purzeln zu lassen, verspricht sich der Fragesteller hier, in nur 21 Tagen ordentlich Kilos zu verlieren und anschließend sein Gewicht zu halten. Über 160.000 weitere Nutzer interessiert es ebenfalls, ob das tatsächlich funktioniert.

Die sogenannte 21-Tage-Stoffwechselkur, die online von einer Vielzahl von Anbietern beworben wird, verspricht genau das: Schnell abnehmen und dabei die versteckten Fettreserven abbauen. Das soll zum einen durch eine drastische Reduzierung der Kalorien, die pro Tag eingenommen werden, passieren, zum anderen durch die Einnahme des Schwangerschaftshormons HCG in Form von Globuli oder Tropfen. Das Hormon werde im Rahmen der Stoffwechselkur in homöopathischer Form verabreicht und greife deshalb, so heißt es, nicht in den Hormonhaushalt ein.

Ernährungswissenschaftler Heiko Griguhn erklärt uns allerdings, dass genau dieser kritische Punkt nicht gewährleistet ist. "Zusätzlich eingenommene Hormone zur Gewichtsreduktion, zum Beispiel Schwangerschaftshormone, greifen unkontrolliert in den Hormonhaushalt des Körpers ein".

Das Abnehmen mit Hilfe von Hormonen hält er für bedenklich: Es würden schon kleinste Mengen reichen, um Probleme zu bereiten, sagt Griguhn. Auch, dass zum Abnehmen überhaupt bestimmte Produkte nötig seien, finde der Ökotrophologe dubios.

"Für gesunde, etwas übergewichtige Menschen, ist eine angepasste und ausgewogene Ernährung – gegebenenfalls in Verbindung mit Bewegung und Sport – vollkommen ausreichend, um die übermäßige Fettmasse effektiv zu reduzieren", so Griguhn, der in seiner Praxis für Ernährungswissenschaft Menschen zu ihrem Essverhalten berät. Eine vorübergehende Reduktion der Kalorienzufuhr, wie bei Stoffwechselkuren, führe zu keiner langfristigen Gewichtsreduktion. Entscheidend sei, das Ernährungsverhalten nachhaltig zu verändern.

Außerdem führe der komplette Verzicht auf bestimmte Nährstoffe über einen längeren Zeitraum zu Mangelerscheinungen. "Der Körper ist dann bewusst einer Mangelversorgung ausgesetzt, schaltet in eine Art 'Notlauf-Programm' und baut Muskelmasse statt Fettmasse ab." Anschließend komme es dann zum gefürchteten Jojo-Effekt, sobald das unveränderte Ernährungsverhalten wieder an den Tag gelegt werde. "Der Körper bereitet sich auf die nächste Notsituation durch deutliche Gewichtszunahme vor", warnt Griguhn.

Frage 8: "Wo bekomme ich meine Sozialversicherungsnummer her?" (92.645 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Wer in Deutschland eine Ausbildung beginnt oder einen Job annimmt, braucht eine Sozialversicherungsnummer. Aber wie erhält man die? Und was bringt es, eine zu haben? Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) erklärt es uns per Email:

"Die Versicherungsnummer wird von der Deutschen Rentenversicherung vergeben – spätestens, wenn eine Person in Deutschland erstmals eine Tätigkeit aufnimmt." Die Nummer war früher einmal auf dem Sozialversicherungsausweis eingetragen – den gibt es allerdings nicht mehr.

Stattdessen schickt die Rentenversicherung lediglich ein Schreiben per Post an den Arbeitnehmer, um ihm seine Sozialversicherungsnummer mitzuteilen. Er muss diese dann bei Aufnahme einer neuen Beschäftigung seinem Arbeitgeber vorlegen.

Teilweise kann eine Versicherungsnummer aber auch schon notwendig sein, bevor eine Ausbildung oder ein Job begonnen wird, zum Beispiel um sich selbstständig krankenzuversichern: "Die Existenz einer Versicherungsnummer ist Voraussetzung für die Vergabe einer Krankenversichertennummer", so das BMAS. In diesem Fall muss man die Sozialversicherungsnummer selbständig bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen und bekommt anschließend die Nummer per Post.

Die Sozialversicherungsnummer bleibt dabei ein Leben lang bestehen. Mit der Vergabe wird jedem Arbeitnehmer in Deutschland ein Konto bei der gesetzlichen Rentenversicherung zugeordnet.


Frage 9: "Wo sitzt der blinddarm? LINKS oder RECHTS!" (89.716 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

Rechts.

Egal, was dir andere erzählen: Dein Blinddarm sitzt rechts.

Frage 10: "Suche 'gute Filme', die man gesehen haben muss. Wer hat Tipps?" (80.133 Aufrufe)

Screenshot: Gutefrage.net

"Wer hat Tipps für gute Filme?" – an dieser Stelle stoßen wir aus dasselbe Grundproblem, wie bei Frage fünf: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Trotzdem hilft in Deutschland sogar bei Geschmäckerfragen das Amt weiter.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) sitzt in Wiesbaden und hat Behördenstatus. Insgesamt 85 ehrenamtliche Experten aus den verschiedensten Medienbereichen prüfen für die FBW die "Qualität filmischer Produktionen".

"Unsere Gutachter sollen Filme 'unparteiisch' und 'nach bestem Wissen und Gewissen' bewerten", erklärt uns ein Sprecher der FBW per Mail. Doch Filme vollkommen objektiv zu bewerten, ist nicht möglich, gibt sogar die FBW zu: "Denn künstlerische Qualitäten können nicht an einem abstrakten Modell gemessen werden." Entscheidend sei deshalb bei der Bewertung, ob der Film innerhalb seines Genres wertvoll, besonders wertvoll oder nur Durchschnitt ist – und da wären wir auch schon wieder bei der Ausgangsfrage des Nutzer, der Filme sucht, "die man gesehen haben muss".

Alle Filme, die von der FBW mit dem Prädikat "wertvoll" oder "besonders wertvoll" versehen wurden, findet ihr auf der Website der Behörde. Neben Filmen aus allen zeitlichen Epochen, hat die FBW auch kommende Kino-Blockbuster bewertet.

Da wäre zum Beispiel das "besonders wertvolle" autobiographische Coming of Age-Drama "Schloss aus Glas" um das Mädchen Jeanette. Mit ihrem alkoholkranken Vater, einer exzentrischen Künstlerin als Mutter und drei Geschwistern führt Jeanette ein karges Vagabundenleben im Südwesten der USA.

In seinem Dokumentarfilm "Das radikale Böse" beschäftigt sich Filmemacher Stefan Ruzowitzky mit den Abgründen der menschlichen Psyche. Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Aussagen von deutschen Polizisten und Soldaten, die Erschießungskommandos angehörten, dienten ihm als Orientierung für sein Narrativ rund um die Frage: Wie kann ein Mensch so radikal böse werden?

Ihr findet bei der FBW aber nicht nur Tragikkomödien und schwere Dokus, sondern Empfehlung aus allen Genres. Allerdings sage auch diese Beurteilung nichts über das Mögen oder Nicht-Mögen eines Filmes aus, so die FBW: "Kunst richtig einzuordnen und nach festen Kriterien zu beurteilen, ist ein wichtiger Prozess – aber die Freiheit, einen Film ganz subjektiv zu mögen oder abzulehnen, sollte dennoch jedem Zuschauer erhalten bleiben." In diesem Sinne: Viel Spaß!

Redaktionelle Mitarbeit: Johannes Hausen