Leichenschauhaus Instagram: Die Pathologin mit 100.000 Followern

Wir haben Nicole Angemi zuhause getroffen, um über sezierte Gehirne, abgetrennte Gliedmaßen und medizinische Ratschläge zu sprechen.

|
13 Mai 2015, 8:00am

Bild: Motherboard

Warnung: Das Video enthält verstörende Bilder

Nicole Angemi, alias @mrs_angemi betreibt einen der wohl kontroversesten Accounts, die im Bildermeer von Instagram zu finden sind: Regelmäßig postet sie für ihre mehr als 100.000 Follower Aufnahmen, die aus erster Hand Einblicke in die Welt der Organsezierung und Autopsie geben. Ihr Profil ist ein buntes Mosaik blutiger, fleischiger Bildchen. Die Bilder der sezierten Gehirne, fehlgeborene Föten und vorgefallene Gebärmütter sind nichts für schwache Nerven—und werden dementsprechend auch häufig gemeldet.

Es ist eine Welt, die nur sehr wenige von uns näher geschweige denn persönlich kennen, und die @mrs_angemi vor allem deshalb so ausgiebig präsentieren kann, weil sie im echten Leben als medizinische Sektions- und Präparationsassistentin arbeitet. Was sich mir beim Scrollen über Angemis Profil neben den drastischen Organen jedoch wirklich ins Gehirn einbrannte, waren die detaillreichen Beschreibungen, die sie zu den Bildern postet.

Warum sollten die Leute keinen Zugang zu diesen Bildern bekommen, wenn sie wissen wollen, wie eine Autopsie aussieht.

Warum teilt Angemi ihre blutigen Posts mit der Welt? Laut eigener Aussage geht es ihr nicht darum wahllos zu provozieren, sondern die Wahrheit über den menschlichen Körper und seine Todesursachen zu enthüllen, egal wie ekelerregend sie auch sein mag. „Wenn die Leute wissen wollen, wie eine Autopsie aussieht", erklärt mir Angemi beim Mittagessen in ihrer Küche, direkt neben einer frisch sezierten Plazenta, „warum sollten sie dann keinen Zugang zu diesen Bildern bekommen?"

Ein Teil der gemütlichen Einrichtung bei Nicole zu Hause.

Nicole scrollt über ihren Instagram-Account. Alle Bilder: Xavier Aaronson / Motherboard.

Angemi wieß sowohl mir gegenüber als auch gegenüber ihrer Follower entschieden darauf hin, dass ihre Pathologie-Schmankerl nicht als medizinischen Ratschläge missverstanden werden dürften.

Für lebende Menschen kann ich keine qualifizierte Diagnose abgeben.

Angemi erinnert ihre Follower immer wieder daran, dass sie keine Ärztin sei. Ihr medizinisches Spezialgebiet besteht darin, Infektionen zu identifizieren und etwaige Krankheiten der Verstorbenen zu erkennen. Einige User schreiben sie dennoch direkt an, um von ihr eine Diagnose wegen irgendwelcher Knötchen oder Schwellungen zu bekommen. Angemi antwortet dann stets umgehend, dass sie für lebenden Menschen keine qualifizierte Diagnose erstellen kann.

Trotz ihrer zahlreichen Follower teilt nicht jeder die Leidenschaft von @mrs_angemi, die postmortale Welt darzustellen und im Social-Media-Stil zu inszenieren. Angemi ist permanent bemüht, mit ihren Posts nicht gegen die Richtlinien von Instagram zu verstoßen. Unzählige ihrer Fotos wurden von Instagram-Nutzern bereits offiziell gemeldet. Die Gründe werden ihr als Nutzerin nie näher erläutert, doch allein in diesem Jahr wurden bereits drei ihrer Accounts dicht gemacht.

Auch aus der medizinischen Welt gibt es Kritik an ihrem Instagram-Konto. Wie uns Nicole erzählt glauben einige Gesundheitsexperten, dass ihre Fotos und Videos von Autopsien besser nur im Rahmen akademischer und medizinischer Arbeiten publiziert werden sollten, statt in aller Öffentlichkeit verbreitet zu werden. Für ihrer Follower allerdings ist Angemis pathologische Dokumentation eine morbide und faszinierende Alternative in einer ihrer Meinung nach ansonsten ziemlich eintönigen Social-Media-Landschaft.