41-Jähriger stirbt, nachdem sein Bandwurm an Krebs erkrankt ist

Ein heißer Kandidat für die gruseligste Medizinstory des Jahres.

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06 November 2015, 11:00am

Bild: Shutterstock

Ein 41-Jähriger Kolumbianer aus Medellín schien eine ganz normale Grippe bekommen zu haben. Jeder weiß, dass sich eine hartnäckige Erkältung schon mal hinziehen kann und so machte er sich vorerst auch nicht allzu viele Gedanken. Nachdem der Mann jedoch auch nach einigen Monaten noch unter Husten, Fieber, Müdigkeit und Gewichtsverlust litt, unterzog er sich einer intensiven ärztlichen Untersuchung. Die Mediziner fanden in einem CT-Scan Tumore in seinen Lungen und Lymphknoten, welche normalerweise zu einer Krebsdiagnose führen würden, doch irgendetwas stimmte nicht mit diesen Zellen. Sie waren so fremdartig, dass die Ärzte Rat bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) suchten.

Es folgten weitere Untersuchugen: In Stuhlproben stellten die Forscher Bandwurmeier fest. Mittels Nadelbiopsie fanden sie ganze Nester von Zellen, die nicht menschlichen Ursprungs waren. Tatsächlich trug der Patient in seiner Lunge einen Bandwurm der Spezies Hymenolepis nana, welcher an Krebs erkrankt war.

Eineige Exemplare des H. nana. Bild: Wikipedia, DPDx Image Library | Public Domain

Ein CT-Bild des Kolumbianers. Bild: NEJM

Diese gruselige Geschichte aus Medellín ist der erste dokumentierte Fall, in der ein Mensch von den Krebszellen eines in ihm lebenden Parasiten befallen wurde. „Wir waren erstaunt, als wir dieses neue Krankheitsbild entdeckten", so Atis Muehlenbachs, vom Infectios Diseases Pathology Branch und Autor der Studie, die im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlich wurde.

Unter einem Mikroskop konnten die Forscher das Verhalten der Krebszellen genauer beobachten: Die Zellen drängten zwar ähnlich dicht zusammen und vermehrten sich ähnlich schnell wie typische menschliche Krebszellen, waren jedoch zehmmal kleiner. Und obwohl die Gewebeproben denen eines H. nana-Parasiten gleich waren, lieferte die Entschlüsselung ihrer DNA die Entlarvung des Bösewichts: der Krebs kam vom Bandwurm.

Ein Bandwurm der Spezies Dipylidium caninum. Bild: Wikipedia, Division of Parasitic Diseases | Public Domain

Der Patient hatte sich bereits vor zehn Jahren mit HIV infiziert, nahm jedoch keine Medikamente. Sein geschwächtes Immunsystem könnte möglicherweise die Krebserkrankung des H. nana ausgelöst haben. Die Wissenschaftler nehmen an, dass das menschliche Immunsystem den Wurm möglicherweise nicht als Parasiten identifizierte und dieser somit unkontrolliert weiterwachsen und Mutationen ausbilden konnte.

H. nana ist der am weitesten verbreitete Bandwurm, von dem weltweit rund 75 Millionen Menschen betroffen sind. Die Forscher vermuten in der Studie, dass aufgrund der globalen Verbreitung von HIV durchaus noch mehr ähnliche Fälle existieren dürften. Auf Grund der Unerforschtheit solcher Befälle ist auch noch nicht klar, wie die Krebserkrankung eines Bandwurms geheilt werden könnte. Wahrscheinlich würde der Mensch vorerst einer gängigen Krebstherapie unterzogen werden, die möglicherweise auch bei dem Bandwurm wirkt. „Das ist eine seltene Krankheit", so Muehlenbachs in der Studie. „Wir wissen jedoch nicht, wie selten."

Der Kolumbianer verstarb nur 72 Stunden, nachdem die Mediziner den Übeltäter ausgemacht hatten.