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Menschliche Roboter sind die besseren künstlichen Freunde

Eine japanische Wissenschaftsbewegung möchte, dass Roboter so humanoid wie möglich aussehen, weil sie nur dann wirkliche mit uns interagieren könnten.

Roboter schleichen sich nicht nur als praktische Gehilfen sondern gleichzeitig, wenn auch weniger offensichtlich, als unentbehrliche Alltagsgenossen in unsere Gesellschaft ein. Vom Haustier über den besten Freund bis zum Sexpartner bietet uns die Automatisierung inzwischen Unterstützung für alle Lebenslagen.

Das einzige Problem am unvermeidlichen Aufstieg der Roboter ist, dass sie nicht besonders natürlich aussehen—abgesehen vielleicht von der Kuschelrobbe. Deshalb hat sich in Japan längst ein Trend breitgemacht, der Roboter so menschenähnlich macht, wie es nur geht. Eine Entwicklung, die die allgegenwärtige philosophische Ebende des Roboterdaseins ins Extreme führt und Blade Runner zum realistischen Zukunftsszenario machen könnte.

Die Londoner Fotografin Luisa Whitton ließ sich von diesen Verbindungen der Technologisierung und ihrer Folgen auf das menschliche Dasein für ihre Fotoseire What About The Heart? inspirieren. Ihre Bilder erlauben einen Blick in die gegenwärtigen Fortschritte der japanischen Technologie und vor allem in eine technologische Nische mit eher philosophischer Ausrichtung. Die Antwort auf die Frage, was es bedeutet menschlich zu sein, meinen die Wissenschaftler zu finden, indem sie menschliche Roboter, sogenannte Geminoide, bauen.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Luisa Whitton.

Ihre Recherche führte Luisa Whitton zu Professor Hiroshi Ishiguro, dem Leiter des Intelligent Robots Laboratory in Osaka. Er glaubt, dass Roboter existieren, um dem Menschen gute Partner zu sein und mit ihnen hochwertige und wunderbare Interaktionen einzugehen. Solche Partner seien die Roboter vor allem dann, wenn sie so menschlich wie möglich sind, wie es auf der Webseite des Roboter-Labors heißt:

„Eine intelligente Roboterinfrastruktur ist eine Infrastruktur, die auf Interaktionen basiert. In der Interaktion mit Robotern können die Menschen ihre nonverbale Kommunikation mit künstlichen Systemen vertiefen."

Hiroshi Ishiguro forscht nicht nur an intelligenten Robotern und deren Auswirkungen auf das menschliche Dasein, er erschuf auch eine exakte Robo-Kopie von sich selbst. „Er machte mich mit der Idee des Sonzai-Khan bekannt, was der japanische Ausdruck für die Präsenz der Seele in einer Person ist", erzählte Luisa Whitton gegenüber featureshoot. „Das Hauptaugenmerk seiner Studien liegt darauf, ob die Roboter-Kopie immer noch sonzai-khan in sich trägt."

Mit plastischer Chirurgie wieder dem Roboter ähneln

Der japanische Robotik-Experte entwickelt in seinen Experimenten Roboter, die mit Gedanken bewegt werden, doch nicht nur das, Hiroshi Ishiguro will zeigen, dass Brain-Computer-Interfaces besser funktionieren, wenn das gesteuerte Objekt humaoid ist.

Die Konfrontation mit seinem Robotik-Alter Ego warf für Ishiguro eine Menge philosophischer und psychologischer Fragen auf, besonders die eigene Sterblichkeit wurde dem Professor vor Augen gehalten als seine vor zehn Jahren kreierte Kopie im Gegensatz zu ihm selbst keine körperlichen Alterserscheinungen zeigte. „Er unterzog sich dann der plastischen Chirurgie, um wieder so auszusehen wie sein Roboter", erzählte Louisa Whitton.

Die Roboter-Version von Hiroshi Ishiguro.

Es ist eine Mischung aus Fiktion und Phantasie, die mit unserer Gegenwart und den Möglichkeiten der Technologie zusammentrifft. „Für meine Recherchen habe ich die Literatur durchstöbert. Ich las Frankenstein, Das Unheimliche von Freud oder Das Bildnis des Dorian Grey." so Luisa Whitton. „Die japanische Wissenschaft beschäftigt sich nicht nur mit der Technologie, die Antwort auf diese ist motiviert von der Suche nach dem Wissen über Leben und Tod."

Natürlich musste Luisa Whitton auch Hiroshi Ishiguro nach dem Titel der Serie fragen: "What about the heart?" Er antwortete: „Das ist schlicht ein relativ einfaches Körperteil."