Weltgrößte Hacker-Party startet in Leipzig: Jetzt wollen sie auch noch die Welt retten

In Sachsen versammeln sich ab heute tausende Nerds für den Chaos Communication Congress. Wir haben für euch die wichtigsten Themen und Vorträge herausgepickt, die ihr auch bequem von zuhause anschauen könnt.

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27 Dezember 2017, 8:48am

Bild: Motherboard/Max Hoppenstedt

Rund 15.000 Hacker, Nerds und Technik-Fans versammeln sich zwischen Weihnachten und Neujahr für die 34. Ausgabe des Chaos Communication Congresses, den 34C3. Zum ersten Mal findet die Hacker-Party in diesem Jahr in Leipzig statt. Für vier Tage verwandelt sich das neue Messegelände am Leipziger Stadtrand ab dem 27. Dezember in das Zentrum der Hacker-Kultur – in tagelanger Vorbereitung wurden die sonst eher nüchternen Glashallen in einen schummrig leuchtenden Nerd-Tempel mit Laser und LED umdekoriert und bis unter die Decke mit Technik vollgestopft.

Neben einer Tanzfläche und einer eigenen Halle nur für Programmierer und Bastler-Treffen gibt es mehr als 150 Vorträge auf vier Bühnen. Im Programm gibt es dieses Jahr neben den bewährten Vorträgen zu Sicherheitslücken, Überwachung und Netzpolitik einen großen Schwerpunkt zum Klimawandel. Forscher werfen die Frage auf, ob die Digitalisierung wirklich zwangsläufig einen Fortschritt für die Umwelt bringt; ein Physiker stellt die – nur auf den ersten Blick wahnwitzig klingende – Idee von Drohnen-Windkraftwerken vor und zwei Hacker sprechen über das Konzept von Weltraum-Solaranlagen. In einem anderen Vortrag stellen Klimaforscher die schon heute unter Experten diskutierten Climate-Engineering-Verfahren vor, die den Klimawandel mit technischen Lösungen im großen Stil umkehren oder abbremsen sollen. Eine weitere Präsentation liefert eine pragmatische Anleitung, mit der jeder ausrechnen kann, wie viele Treibhausgase sein Lebensstil produziert und wie genau alltäglichen Entscheidungen die Umwelt beeinflussen. All diese Vorträge gehören zum Themenstrang Science, der als ein Nischen-Programmpunkt begann, in den letzten beiden Jahren aber auf immer größeres Interesse stieß und deswegen jetzt noch einmal ausgeweitet wurde.

Dass es beim 34C3 so häufig um den Klimawandel geht, passt auch zum Thema, dass die Organisatoren des Chaos Computer Clubs dem Kongress geben: "Tu Wat".
Vielleicht wirkt es im ersten Moment überraschend, dass sich das weltgrößte Hacker-Treffen mit der Umweltzerstörung beschäftigt. Doch beim Chaos Communication Congress geht es schon lange nicht nur um Drohnenbasteln, "Capture the flag"-Games und Sicherheitslücken. Das zeigte sich etwa 2015 eindrucksvoll als die Unterstützung von Geflüchteten zu einem zentralen Thema des Kongresses wurde. Auch Umweltschutz und Klimawandel passt in diese Reihe, denn die letzten Jahre haben gezeigt: Technischer Fortschritt alleine hält die Erderwärmung nicht auf. Die Hacker sehen sich in der Pflicht, zu einer möglichen Lösung beizutragen.

Tatsächlich begann schon die Geschichte des CCC mit dem Motto "Tu Wat". Unter dem Namen "tuwat.txt" veröffentlichte der Club-Gründer Wau Holland im Jahr 1981 einen Aufruf in der Tageszeitung taz, der zum Gründungstreffen des Clubs führen sollte. Die Mischung aus Technik-Optimismus, Gesellschaftskritik und Aktivismus, die die Szene auch heute prägt, fand sich schon in diesem Text: "Daß sich mit Kleinkomputern trotzalledem sinnvolle Sachen machen lassen, die keine zentralisierten Großorganisationen erfordern, glauben wir. Damit wir als Komputerfrieks nicht länger unkoordiniert vor uns hinwuseln, tun wir wat und treffen uns. Wir reden über internationale Netzwerke – Kommunikationsrecht – Datenrecht (Wem gehören meine Daten?) – Copyright – Informations- u. Lernsysteme – Datenbanken – Encryption – Komputerspiele – Programmiersprachen – processcontrol – Hardware – und was auch immer." So viel hat sich also tatsächlich nicht verändert – nur dass diese Themen nicht mehr eine handvoll Nerds in die Redaktionsräume der taz locken wie damals, sondern Zehntausende für eine riesige Hacker-Party in Leipzig zusammenbringen.

Motherboard hat für die vier Kongresstage die Redaktion nach Leipzig verlegt. In den nächsten Tagen berichten wir ausführlich vom Kongress, wo wir auch drei Podcast-Folgen aufzeichnen. Weitere Bilder vom Leipziger Messegelände findet ihr hier.

Die Talks von allen vier Bühnen könnt ihr euch hier im Livestream anschauen.

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