Asylantrag als Klimaflüchtling

Eine Familie in Neuseeland kämpft dafür den offiziellen Flüchtlingsstatus zu erlangen, da ihre Heimat Kiribati vom Pazifik geschluckt zu werden droht.

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04 Oktober 2013, 9:32am

Bild: Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 3.0

Normalerweise fliehen Flüchtlinge vor Kriegen, Hungersnöten oder Naturkatastrophen. Ein Mann versucht nun in Neuseeland dauerhaft bleiben zu dürfen, weil sein Land im Ozean verschwindet. Er behauptet, er und seine Familie seinen Klimafüchtlinge.

Der Mann, der auf Grund neuseeländischer Gesetze namenlos bleiben muss, stammt aus Kiribati, einer abgelegenen Inselkette im Pazifik zwischen Hawaii und Australien. Das ist eine der tiefliegendsten Regionen der Erde und wird deshalb vermutlich als eine der ersten Nationen überhaupt im Ozean verschwinden. Kiribati hat eine Bevölkerung von ungefähr 103 000 Menschen und ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es gibt nur wenige natürliche Ressourcen. Eigentlich nur Phosphate und das gibt’s seit 1970 nicht mehr. Die vielleicht bekannteste Spezialität des Landes ist ein Vogel: Der Kiribati-Gartenrohrsänger.

Der 37-Jährige Mann und seine Frau sind ursprünglich mit sechs jährigen Arbeitserlaubnissen nach Neuseeland gezogen. Ihre drei Kinder sind in der neuen Heimat geboren.

Die neuseeländische Einwanderungsbehörde hat seinen Antrag schon zwei Mal abgelehnt. Sein Anwalt, der auf Menschenrechtsfälle spezialisierte Michael Kidd, hat geschworen, den Fall zum höchsten Gericht Neuseelands zu bringen. Am 16. Oktober wird Kidd den Fall nun dort vorstellen.

Seit 1998 durchbrechen hohe Flutwellen die Deiche der Insel, erklärt der Mann. Sie zerstören Ernten und verschmutzen das Trinkwasser seines Dorfes, welches kein Abwassersystem hat. Der Mann sagt, dass das Leben seiner Kinder auf dem Spiel stehen würde, sollten sie zurück geschickt werden.

„Es gibt für uns keine Zukunft, wenn wir dorthin zurück müssen,“ sagte er dem Gerichtshof. „Besonders für meine Kinder. Es gibt dort schlicht weg nichts für uns.“

Die neuseeländischen Offiziellen können jedoch keinen Grund erkennen, durch den die Familie als Flüchtlinge qualifiziert wäre. Bruce Burson, Mitglied des neuseeländischen Tribunals für Einwanderungsschutz sagt, dass Flüchtlinge vor Verfolgung fliehen müssen. So heißt es auch im Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen. Dort werden Flüchtlinge nach folgender Definition als solche anerkannt: „gut begründete Angst vor Verfolgung aus Gründen wie Rasse, Religion, Nationalität, Mitgliedschaft einer bestimmten sozialen Gruppe oder politischen Meinung.“ Der Flüchtling darf „sich nicht im Land seiner Nationalität aufhalten und nicht in der Lage oder aufgrund von Ängsten nicht fähig sein, sich in dem Land selber zu schützen.“

Burson hat außerdem gesagt, dass die Situation in der sich die Familie befinden, sich nicht stark von Situationen anderer Bürger Kiribatis unterscheidet. „Das Leben wurde immer unsicherer auf Tarawa durch den Anstieg des Meeresspiegels,“ sagte Burson. Er zitierte hier einen Experten, der erklärte, dass sich Kiribati in einer Krise durch Bevölkerungsdruck und Klimawandel befindet. „Die traurige Realität ist, dass der Verfall der Umwelt sowohl von langsamen als auch schnell eintretenden Naturkatastrophen ausgelöst wird. Dieses Problem betrifft die gesamte Bevölkerung Kiribatis.“

Burson findet, dass der Flüchtling glaubwürdig sei und seine Geschichte als Ganzes akzeptiert werden müsse. Das hat aber nicht gereicht um ihm den Flüchtlingsstatus in Neuseeland zu geben. Die Gründe, die der Mann und seine Familie angaben, wurden „nicht als ausreichende Notlage und Risikosituation angesehen, dafür dass ihr Leben nachhaltig in Gefahr sei.“

Da es sich für Kiribati um eine fundamentale Bedrohung des Staates handelt, wiegt Präsident Anode Tong seine Optionen ab. Die Nation hat bereits eine Kaution für 24,281139 m² landwirtschaftliche Anbaufläche in Fiji gezahlt und sich nach künstlichen Inseln erkundigt, die entweder schwimmen könen oder wie eine Ölplattform verankert wären.

Auch wenn der Untergang Kiribati nicht unmittelbar bevorsteht, bleibt für die Insel das Problem von mangelnden Ressourcen und Unterentwickelung. Wenn der Meeresspiegel weiter ansteigt, dann wird es schon an so fundamentalen Ressourcen wie Land mangeln. Und auch wenn der Mann nicht als Klimawandelflüchtling anerkannter wird, so ist es leicht zu erkennen, warum er glaubt, seine Kinder hätten es besser in Neuseeland.

Klimawandelflüchtlinge werden in der Zukunft keine Seltenheit mehr sein. Die UNHCR schätzt, dass ungefähr 600 000 Menschen auf tiefliegenden Inseln, wie Kiribati, im Pazifik leben. Der höchste Punkt auf den Malediven ist nur 2,4 Meter hoch. Tuvalu könnte in 50 Jahren verschwunden sein. Und diese Inseln sind nur der Anfang. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 330 Millionen heimatlose Menschen geben könnte, wenn die globalen Temperaturen nur 3 oder 4 Grad ansteigen. Der Mann, der nicht zurück nach Kiribati will, ist einer der ersten, aber er wird mit Sicherheit nicht der letzte sein.