7 visionäre Zukunftspläne von Elon Musk – sortiert nach Abwegigkeit

„Ich sage etwas, und dann passiert es für gewöhnlich auch. Nicht immer pünktlich, aber es passiert.“ Wir haben sieben Pläne des Tech-Unternehmers etwas genauer unter die Lupe genommen.

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02 März 2017, 1:37pm

Elon Musk mag viele Qualitäten haben – Bescheidenheit gehört nicht dazu. Der 1971 in Südafrika geborene Unternehmer ist vom Ehrgeiz getrieben und dafür berüchtigt, sich und seine Mitarbeiter bis und über persönliche Grenzen zu peitschen. Der Begriff „Workaholic" wäre noch untertrieben für jemanden, der bis zu 100 Stunden pro Woche arbeitet.

Der Erfolg gibt ihm gleichwohl recht. Mit Tesla und SpaceX sitzt Musk auf dem Chefsessel von zwei der progressivsten Firmen unserer Zeit. Zuvor gründete er unter anderem das Online-Bezahlsystem Paypal, auch hält Musk Beteiligungen an zahlreichen weiteren Projekten – mit jedem will er nicht weniger als die Welt verändern. Längst hat er Kritiker Lügen gestraft, die ihn als übermotivierte Eintagsfliege darstellten. Was Musk anfasst, wird zu Science-Fiction-Gold. Meistens, zumindest.

Wer sich Ziele bis zum Himmel setzt, muss jedoch mit einer entsprechenden Fallhöhe leben. Nicht dass sich Musk davon abschrecken ließe; erst diese Woche landete er mit einer weiteren vollmundigen Ankündigung in den Schlagzeilen: Bereits 2018 will er mit seinem privaten Raumfahrtunternehmen die ersten Touristen auf eine Mondumrundung schicken. Es wäre der erste bemannte Raumflug zum Erdtrabanten seit mehr als 40 Jahren.

Die Raumfahrtmission stellt nur eines der zahlreichen Ziele dar, die sich der 45-Jährige für die nicht allzu ferne Zukunft gesetzt hat. Doch welche davon sind tatsächlich realisierbar, welche lediglich Wunschgedanken eines Mannes, der auch ziemlich sicher ist, dass die Menschheit in einer riesigen Simulation lebe? Ein Überblick.

Die unterirdische Revolution: Tunnel als Heilsbringer für den Straßenverkehr

Ziel: Unterirdische Tunnelsysteme sollen den Straßenverkehr entlasten

Startermin: steht noch aus

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Von den dauerverstopften Straßen seiner Wahlheimat Los Angeles genervt, jagte Musk im Dezember vergangenen Jahres einen brüskierten Tweet ins Netz. Einer von Millionen auf der ganzen Welt, hätte er nicht zugleich einen extravaganten Lösungsansatz geliefert: Mit einem eigens gegründeten Bohrunternehmen will Musk ein komplexes Tunnelsystem unter die Straßen der Stadt fräsen, um den Straßenverkehr zu entlasten. Nach dem Motto: Wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen.

Fortschritt: Selbst für einen Visionär wie Musk könnte diese Nummer eine Spur zu groß werden. Sein Vermögen wird auf etwa 14 Milliarden US-Dollar geschätzt – ein breit ausgebautes Tunnelsystem unter den Straßen LAs könnte diese Summe allerdings schnell überschreiten, wie erste Berichte zeigen. Ohne finanzkräftige Investoren ein unmögliches Unterfangen. Auch eine offizielle Genehmigung der Stadt dürfte er nicht so ohne weiteres erhalten. Zwar zeigte sich Musk noch Ende Januar zuversichtlich: Er sei optimistisch, dass die Grabungen in rund einem Monaten beginnen würden, verkündete er auf seinem Twitter-Account. Seither ist es um das Projekt aber auffällig ruhig geworden.

Womöglich auch deshalb, weil es dem Tausendsassa nie wirklich ernst damit gewesen sein könnte. Ein Indiz dafür ist seit jeher der Name seines geplantes Unternehmens, das die augenzwinkernde Bezeichnung „The Boring Company"  trägt (ein Wortspiel mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs „boring", der im Englischen sowohl „bohren" als auch „langweilig" bedeutet). Alles nur ein elaborierter Witz, vielleicht sogar in Anlehnung an Trumps Mexiko-Mauer? Vielleicht. Wirklich sicher sein kann man sich bei einem Avantgardisten wie Musk allerdings nie.

Wahrscheinlichkeit: 2/10

Hyperloop: Mit 1200 km/h durch Röhrenbahnen schießen

Ziel: Revolution des Fernverkehrs: Der Hyperloop soll schnelleren Personentransport als Flugzeuge ermöglichen und zugleich deutlich günstiger sein

Starttermin: 2021

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Einiges habe sich Musk vom „California High-Speed Rail"-Projekt erhofft, das im Bau einer Schnellfahrtstrecke zwischen San Diego und Sacramento münden sollte. Schlussendlich wären die Ergebnisse jedoch enttäuschend gewesen: zu langsam, zu spät, zu langweilig seien die wenig ehrgeizigen Pläne. Also entwickelte der fünffache Vater ein eigenes Konzept, das er im August 2013 vorstellte. Dieses sieht vor, ein Röhrensystem um den gesamten Globus zu spannen. Passagiere würden in einer Kapsel Platz nehmen und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1220 Stundenkilometer durch die schmalen Röhren schießen. Früh war Musk jedoch klar, dass er diese Vorhaben auf Zeitgründen würde abgeben müssen – das offene Entwicklungskonzept Hyperloop war geboren.

Fortschritt: In den letzten drei Jahren konnten zahlreiche namhafte Investoren und Partner gewonnen werden, die das Projekt seither konsequent voranbringen. Nach anfänglicher Skepsis hat auch die Deutsche Bahn ihre Unterstützung zugesichert. Erst im Dezember vergangenen Jahres gelang es einer Studentengruppe der TU München, die ausgeschriebenen „Hyplerloop Pod Competition" für sich zu entscheiden. Ihr Kapsel-Prototyp erreichte auf der eine Meile langen Teststrecke eine Höchstgeschwindigkeit von 94 km/h. Der Achtungserfolg zeigt aber auch: Von einer Fertigstellung der Röhrenbahnen ist man noch weit entfernt.

Viele ungeklärte Fragen lassen den für 2021 angesetzten Starttermin gefährlich wanken. So gibt es noch keine Lösung für die Ableitung der produzierten Abwärme, die bei Geschwindigkeiten nahe der Schallgrenze und auf engstem Raum enorm wäre. Auch Konzepte für zentrale Themen wie Brandschutz, Bremswege und die Organisation von Notzugängen fehlen bisher. Dennoch: Seit der Ankündigung hat sich einiges getan, nicht zuletzt aufgrund der finanzkräftigen Partner, die großes (wirtschaftliches) Interesse daran haben, Musks Vision Realität werden zu lassen.

Wahrscheinlichkeit: 7/10

„Von Los Angeles bis New York": Autonome Autos noch Ende 2017

Ziel: Bis Ende des laufenden Jahres sollen die ersten Tesla-Modelle vollkommen autonom die rund 4.500 kilometerlange Strecke von der US-Ost- zur Westküste zurücklegen.

Starttermin: Ende 2017

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Obwohl Tesla erst vergleichsweise spät in den Markt des autonomen Fahrens eingestiegen ist, will das Unternehmen noch dieses Jahr einen Meilenstein abliefern und namhafte Konkurrenz wie Google, Apple und BMW hinter sich lassen. Die ersten Modelle mit der missverständlich benannten „Autopilot"-Software (das Auto fährt selbstständig, der Fahrer muss jedoch stets eingreifen können) bietet der Fahrzeughersteller seit Oktober 2014 an. Seit Oktober 2016 liefert Tesla sogar standardmäßig alle Modelle mit der innovativen Technik aus, die ihre Feuertaufe noch dieses Jahr bestehen soll.

Fortschritt: Zuletzt musste Musk im Allgemeinen und die Automobilindustrie im Speziellen mehrere Rückschläge hinnehmen: Immer wieder kam es durch autonom agierende Fahrzeuge zu Unfällen – teils mit tödlichem Ausgang. Doch die Technik macht große Fortschritte. So lernen aktuelle Tesla-Wagen im sogenannten „Schatten-Modus" dazu, während das Fahrzeug von einem menschlichen Fahrer gesteuert wird. Von der höchsten der insgesamt sechs Autonomiestufe sei man allerdings noch ein gutes Stück entfernt, gesteht Musk. Zwar sind moderne Wagen bereits heute mit der vorletzten Stufe (Level 4 des Klassifizierungssystems) unterwegs. Bis man Level 5 erreicht habe, würde es aber noch bis Ende 2018 dauern.

Wahrscheinlichkeit: Auslegungssache. Schon seit Jahren drehen erste autonom agierende Fahrzeuge auf Teststrecken ihre Runden. Musk selbst hat die Messlatte in diesem Fall allerdings äußerst hoch gelegt: Von „Los Angeles bis New York" sollen seine Tesla-Modelle ohne fremde Hilfe fahren. Grundlegend ein machbares Ziel, allerdings kaum bis Ende des Jahres. Zum Vergleich: Hersteller wie BMW wollen erst 2021 soweit sein. Deshalb: 4/10


Nie wieder Ärger mit der Autoversicherung: Lebenslange Tesla-Versicherung

Der Tesla Model S, Bild: Tesla

Ziel: Ein einheitlicher Preis für Auto, Wartung und eine lebenslange Versicherung

Starttermin: 2016 bis 2018

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Mit stolz geschwellter Brust verkündete Tesla-Chef Elon Musk vor kurzem, dass seine Elektroflitzer bis zu 90 Prozent sicherer unterwegs seien als herkömmliche Fahrzeuge. Eine zweifelsohne beeindruckende Zahl, aus der sich einige weitreichende Implikationen ableiten. Die vielleicht spannendste: Je sicherer ein Fahrzeug sei, desto weniger sollten Fahrer für ihre Versicherung bezahlen. So argumentiert zumindest der 45-Jährige. Und wie es seine Art ist, will er diesen Worten auch Taten folgen lassen: Statt Kunden mit etlichen Policen zu überfordern, soll es beim Kauf eines Tesla künftig einen Festpreis geben, der den Kaufpreis des Wagens, dessen Wartung sowie eine lebenslange Versicherung inkludiert.

Fortschritt: Es ist bereits soweit – vorläufig jedoch ausschließlich in Australien und Hongkong, wo Tesla schon die Probe aufs Exempel macht und derartige All-inclusive-Preise seit einigen Monaten anbietet. Fahren sie die gewünschten Erfolge ein, stünde Angeboten auf weiteren Märkten nichts mehr im Wege. Und sollten sich Versicherungsanbieter querstellen, werde man die Absicherung der Kunden schlichtweg selbst übernehmen, heißt es vom Automobilhersteller.

Wahrscheinlichkeit: 8/10

Der Startschuss des Weltraum-Tourismus': Als Passagier zum Mond fliegen

Ziel: Bis Ende 2018 will SpaceX mit zwei Passagieren den Mond umrunden

Starttermin: 2018

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Ein typischer Musk: Völlig überraschend kündigte SpaceX Anfang der Woche an, noch 2018 eine Mondumrundung mit zwei Weltraumtouristen durchführen zu wollen. Zwei Interessenten seien an das Unternehmen herangetreten und hätten bereits eine beträchtliche Summe gezahlt. Erste Fitness- und Gesundheitstests für den einwöchigen Flug sollen bereits in Kürze starten.

Fortschritt: Ausnahmsweise ist die Frage hierbei weniger ob, sondern wann dieser Plan in die Tat umgesetzt werden kann. Dass die Weltraumreise möglich ist, stellte die Nasa bereits mehrfach unter Beweis – zuletzt allerdings vor 45 Jahren im Rahmen der Apollo-17-Mission. Womit das grundlegende Problem bereits skizziert wäre: Es gibt in der jüngeren Weltraumgeschichte keinerlei vergleichbare Unternehmungen. Zwar hat SpaceX bereits erfolgreich mehrere Trägerraketen und Raumschiffe in den Orbit geschickt, keines davon jedoch mit einer bemannten Crew.

Überhaupt sei SpaceX nicht gerade dafür bekannt, die selbstgesetzten Termine einzuhalten, gibt Mary Lynne Dittmar, Geschäftsführerin der US-Weltraumorganisation Coalition for Deep Space Exploration, zu bedenken. Sowohl die Falcon-Heavy-Rakete als auch die Raumkapsel Dragon 2, mit denen die Mondumrundung stattfinden soll, liegen zum Teil mehrere Jahre hinter dem Zeitplan. So hätte die Falcon Heavy bereits 2013 ihren Jungfernflug haben sollen. Dieser wurde aber mehrfach verschoben und ist aktuell für Sommer 2017 geplant. Selbst aktuelle Pläne, wonach nächstes Jahr ein erster unbemannter Testflug stattfinden soll, werden vom US-Rechnungshof mit Skepsis betrachtet.

Wahrscheinlichkeit: 4/10

Zweite Heimat: Der Mensch soll den Mars besiedeln

Ziel: Die Menschheit soll zu einer multiplanetaren Spezies werden und den Mars kolonialisieren

Starttermin: 2025 (erste bemannte Flüge zum Mars)

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Bereits 2002, dem Gründungsjahr seines privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, zeigte sich Elon Musk alles andere als kleinlaut und schon bald sprach er erstmals von seinen Plänen, den Mars anzusteuern. Anstatt jedoch unter dem Spott und Hohn der zahlreichen Kritiker klein beizugeben, nahmen seine Marsmissionen immer größere Dimensionen an. Vorläufiger Höhepunkt: Die Kolonialisierung des roten Planeten mit insgesamt einer Million Menschen. Erst Ende September vergangenes Jahres stellte er im Rahmen eines leidenschaftlichen Vortrags das Interplanetary Transport System vor, das dieses Vorhaben überhaupt erst ermöglichen soll.

Fortschritt: Genie oder Wahnsinn – und nur wenig dazwischen. Musks Ankündigungen sind für ihre polarisierende Wirkung geradezu berüchtigt, doch keine schlug höhere Wellen als seine futuristische Marskolonie. Bislang wandelte er dabei stets auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion, spaltet die Wissenschaft ebenso in zwei Lager wie den Rest der Bevölkerung. „Wir haben gute Chancen zu scheitern", gesteht er ungewöhnlich selbstkritisch ein. Nicht zu Unrecht: Ungelöste Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Projekt.

Die bislang größte: Wie soll das milliardenschwere Projekt finanziert werden? Allein die Kosten für den Flug, der bei günstigen Konditionen etwa ein halbes Jahr dauern würde (Mars und Erde sind je nach Umlaufbahn 50 bis 400 Millionen Kilometer voneinander entfernt) belaufen sich aktuellen Schätzungen zufolge auf 10 Milliarden US-Dollar – pro Person. Zwar könnten die Kosten im Laufe der Zeit auf etwa 140.000 Dollar gedrückt werden, doch müsste man allein bis dahin etliche Milliarden investieren. Wie ehrgeizig Musks Marsmission ist, zeigt auch ein Vergleich mit einem ähnlichen Programm der Nasa: Die US-Raumfahrtbehörde will ebenfalls Menschen zum Mars schießen – allerdings erst in 20 Jahren.

Wahrscheinlichkeit: 3/10

Aufstand der Maschinen: Wie Musk Roboter davon abhalten will, die Weltherrschaft zu übernehmen

Ziel: Gezielte Präventionsmaßnahmen sollen dafür Sorge tragen, die Entwicklung künstlicher Intelligenz innerhalb gesicherter Parameter stattfinden zu lassen

Starttermin: Möglichst bevor Skynet die Weltherrschaft an sich reißt

Wie der Plan umgesetzt werden soll: Wer in Musk einen dogmatischen Technokraten sieht, der irrt. Die Angst vor einer „Explosion der Intelligenz" eint ihn mit namhaften Wissenschaftlern wie Stephen Hawking. Ihr wenig erbauliches Zukunftsszenario: Sollte künstliche Intelligenz jemals dazu in der Lage sein, sich selbst zu verbessern, wäre es schlecht um die intellektuell unterlegene Menschheit bestellt. Um solch ein Szenario zu verhindern, investiert der 45-Jährige seit Jahren viele Millionen Dollar. Etwa in das Future of Life Institute, das sich mit existentiellen Risiken für die Menschheit beschäftigt und weniger die KI-geführte Apokalypse als vielmehr ganz konkrete Nachteile der voranschreitenden Digitalisierung fürchtet. So sucht die von Musk beratene Organisation unter anderem nach alternativen Arbeitsmodellen in einer Zeit, in der mehr und mehr klassische Beschäftigungen durch Maschinen verdrängt werden. Am 11. Dezember 2015 gründete Musk schließlich sein eigenes Unternehmen: die Non-Profit-Organisation OpenAI.

Fortschritt: Das noch junge Unternehmen arbeitet bereits mit Microsoft und weiteren Firmen zusammen, um die Erforschung von künstlicher Intelligenz weiter voranzutreiben. Seit seiner Gründung hat OpenAI zudem eine Testversion Plattform „OpenAI Gym" gestartet, mit der Forschungsergebnisse im Bereich künstlicher Intelligenz künftig standardisiert erhoben und veröffentlicht werden sollen. Das Ende 2016 veröffentlichte Programm „Universe" misst und trainiert hingegen die Intelligenz einer KI von Spielen, Webseiten und anderen Programmen.

Wahrscheinlichkeit: Wir leben noch, oder? Insofern: 9/10