Warum eine 10-jährige eine Plattform für Non-Profit-Crowdfunding gegründet hat

Ihr Limonadenstand reicht Vivienne Harr schon lange nicht mehr im Kampf für Menschenrechte.

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22 Oktober 2014, 8:29am

Vivienne Harr mit ihrem Limonadenstand. Alle Bilder: Make A Stand | Mit freundlicher Genehmigung 

Das Mädchen auf dem Foto ist nicht einfach nur irgendein Mädchen, das seinen Nachbarn selbst gemachte Limonaden zur Aufbesserung ihres Taschengelds andreht. Bei dieser heute 10-Jährigen handelt es sich um eine erfolgreiche Menschenrechtlerin, die mit ihrem Zitronenlimo-Protest „Make A Stand" eine global beachtete Kampagne gegen Kinderarbeit initiierte.

Vivienne Harr machte sich einen Namen als „The Little Lemonpreneur". Vor zwei Jahren verkaufte sie ihre erste Zitronenlimo unter dem Motto „Sweet Taste Of Freedom", außerdem gab es einen dazugehörigen Twitter-Account und den Aufruf auch selbst einen eigenen Stand zu eröffnen. So wurden natürlich auch die Medien schnell auf die engagierten Mini-Aktivistin von der Westküste der USA aufmerksam und an Tag 173—sie wollte erst mit dem Limo-Verkauf aufhören, wenn sie ihr Ziel erreicht hätte—hatte sie schließlich die stolze Summe von 79,500 Euro beisammen.

Vivienne vor dem Hopemobile.

Die Welt war begeistert von soviel kindlicher Energie und Verantwortungsbewusstsein und sprang glücklich auf die Bewegung dieser IRL-„Little Miss Sunshine" auf. Mittlerweile gibt es die Limonade in Flaschen abgefüllt, natürlich nach dem Rezept von Viviennes Großmutter mit lauter natürlichen Zutaten und nur einem Hauch von Zucker hergestellt. Dass das Mädel das Unternehmen nicht vollständig alleine aufgezogen hat, ist vollkommen klar. Aber sie vertritt ihre Position mit einer dermaßen überzeugend fröhlichen Begeisterung, dass auch skeptische Geister nicht nur die Instrumentalisierung einer Minderjährigen, sondern auch den unbedingten Willen zur Weltverbesserung sehen.

„Es kommt nicht auf deine Größe an. Es kommt darauf an ,wie sehr du die Welt verändern willst."

Jetzt hat Vivienne mit Hilfe ihres Vater und einiger Unterstütze ihr zweites Projekt ins Leben gerufen. Eine Crowdfunding-Plattform mit der sich Non-Profit-Projekte finanzieren lassen, und auch andere Menschen mit etwas mehr Leichtigkeit ihre utopistischen Visionen Wirklichkeit werden lassen können: Die MakeAStand-App. „Wir wollen die Lücke zwischen emphatischen Momenten und dem Aktiv-Werden schließen", erzählt Viviennes Vater, Eric Harr, bei CoExist. „Wir wollen es den Menschen ermöglichen innerhalb von 60 Sekunden auf ihrem Smartphone eine Crowdfunding-Kampagne zu initiieren. Crowdfunding ist voller Reibereien, wir wollen es zu einem mitfühlenden Spaß machen."

Vivienne sagt: „Es kommt nicht auf deine Größe an. Es kommt darauf an, wie sehr du diese Welt verändern willst." Sie war an der App-Entwicklung beteiligt, indem sie den Programmiererinnen vom Square College Code Camp von ihren Ideen erzählte, die diese dann für das Mobile-Funding umsetzten. Bisher kann in der Beta-Version nur für 25 ausgewählte Kampagnen gespendet werden, doch schon bald soll es weitere Gruppen geben.

Auch Siegfried (von Roy) ist Fan. „Ich kenne deine Geschichte, Vivienne. Du veränderst die Welt. Gott ist mit dir."

Als besondere Ehrung durfte Vivienne letztes Jahr zusammen mit Patrick Stewart (aka Captain Picard) und Cheryl Fiandaca vom Boston Police Department in New York die Glocke zum Börsengang der Twitter-Aktie läuten. Durch ihren geschickten Nutzen der Social Media-Kanäle war Vivienne nicht nur zur einflussreichen Aktivistin, sondern gleichzeitig zum wahren Twitter-Star geworden.

Nach dem ganzen Medienrummel der letzten zwei Jahre, bemüht sich Viviennes Familie nun allerdings, dem Mädchen eine halbwegs normale Kindheit zu ermöglichen. Sie wird nicht mehr zu Hause unterrichtet und geht statt dessen auf eine öffentlich Schule. Aus diesem Grund ist Vivienne auch nicht das Gesicht der Stand-App. So wird die mediale Präsenz und der öffentliche Druck hoffentlich etwas weniger als bei der Limonaden-Aktion auf ihr lasten. „Chief Inspiration Officer" des Unternehmens wird sie sich aber auch weiterhin nennen dürfen.