Kampf um Pepe: Erfinder möchte seinen berühmten Frosch vor Rechtsextremen retten

Niemand soll Pepe den Frosch mehr nutzen, um rechte Hetze zu verbreiten und damit Geld zu verdienen. Der Künstler Matt Furie kämpft nun mit Anwälten gegen den Missbrauch seiner Comic-Figur.

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10 April 2018, 11:43am

Bild: Matt Furie | Kickstarter 

Matt Furie, der Erfinder von Pepe dem Frosch, hat vergangenen Monat die Website Infowars verklagt. Der Cartoon-Künstler möchte die rechtskonservative Seite davon abhalten, ein Poster mit Pepe zu verkaufen. Bisher hat Infowars nicht klein beigegeben. Nun kann es sein, dass der Fall vor Gericht entschieden wird.

Bereits vor einem halben Jahr hat Furie rechten Seiten den Kampf angesagt, die seinen grünen Frosch für ihre Zwecke missbrauchen. Bisher hat der Künstler in dieser Schlacht Erfolge. Über seine Anwälte teilte Furie Motherboard mit, dass er seine Urheberrechte gegenüber jedem geltend machen wird, der mit Pepe Hass verbreiten und Geld verdienen möchte. Mitglieder der Alt-Right hingegen sehen es als ihr gutes Recht, ihr liebstes Maskottchen weiterhin zu verwenden und sind bereit, dieses Recht zu verteidigen. Bisher hat sich Furie dreimal außergerichtlich geeinigt und Dutzende Websites durch Unterlassungsaufforderungen dazu gebracht, Pepe nicht weiter zu verwenden.

Doch Infowars zeigt sich hartnäckig. Nachdem Furies Anwälte sie auf die drohende Klage aufmerksam gemacht hatten, erhöhten sie kurzerhand den Preis für das Pepe-Poster: von 17,76 US-Dollar auf 29,95 US-Dollar. "Es gibt nur noch ein paar Hundert Stück", ist im Online-Shop zu lesen. "Wenn die ausverkauft sind, dürfen wir nie wieder Neue verkaufen. Sichert euch also heute noch dieses Sammlerstück!"

In einem Audioclip auf YouTube behauptet Infowars-Betreiber Alex Jones, die Klage sei unseriös und werde vor Gericht abgewiesen werden. Das Pepe-Poster bezeichnet er als politische Kunst, das durch das First Amendment der US-Verfassung – freie Meinungsäußerung – geschützt sei.

Furie kämpfte zuerst gegen ein rassistisches Kinderbuch

Furie wehrte sich im vergangenen August zum ersten Mal dagegen, dass seine Froschfigur von den Alt-Right genutzt wird. Damals veröffentlichte ein Lehrer aus Texas ein islamfeindliches Kinderbuch mit Pepe in der Hauptrolle. Das rassistische Buch bescherte dem Lehrer kurzen Internetruhm und einen Vertrag mit dem Post Hill Press Verlag. Nachdem Furie rechtliche Schritte gegen den Autor eingeleitet hatte, wurde das Buch wieder vom Markt genommen und die bescheidenen Gewinne wurden auf Furies Wunsch dem Rat für amerikanisch-islamistische Beziehungen gespendet.

Nach diesem ersten Erfolg wollten Furie und seine Anwälte ein Zeichen setzen: "Alle sollten wissen, dass Furie seine Urheberrechte gegen jeden geltend machen würde, der Pepe in Verbindung mit Hassbotschaften verwendet", sagte einer der Anwälte, Louis Tompros, gegenüber Motherboard.

Auch der Rechtsstreit gegen Arktos Media Ltd ging Anfang April zu Furies Gunsten aus. Der Verlag hatte ein Buch namens Dissident Dispatches: An Alt-Right Guide to Christian Theology veröffentlicht, auf dessen Cover ein Pepe im Papstgewand zu sehen war. Aus der Vereinbarung zwischen den beiden Parteien geht hervor, dass der Verlag das Cover geändert hat und die bisherigen Einnahmen in Höhe von umgerechnet 1.288 Euro innerhalb von sieben Tagen an Furie übergeben wird.


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Nutzer von Reddit und 4Chan halten dagegen

Die Strategie der Anwälte ist simpel: Sie durchforsten das Internet und schicken Leute, die mit Pepe Geld verdienen wollen, eine Unterlassungsaufforderung. "In den meisten Fällen merkt die andere Seite schnell, dass sie nicht gewinnen kann", sagte Tompros. "Meist kapitulieren die Leute sehr schnell und willigen ein, das Material zu entfernen."

Die Website des Alt-Right-Aktivisten Richard Spencer nutzte Pepe Beispielsweise als Logo für seinen Podcast. Inzwischen ist der Frosch von der Seite verschwunden. "Spencers Unternehmen hat nie auf unseren Brief geantwortet, hat aber sofort das Logo entfernt", sagte Tompros. "Also haben sie genau das getan, was wir verlangt haben."

Der YouTuber Anthime Gionet, der im Netz besser als Baked Alaska bekannt ist, wehrte sich erst, lenkte dann aber ein. Er wollte ein Buch mit Pepe auf dem Cover verkaufen sowie ein Handy-Spiel, in dem Pepe dabei hilft, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten. "Es ging hin und her, aber schließlich willigte er ein, das Buch mit Pepe als Titelbild nicht weiter zu verkaufen und die App herunterzunehmen", sagte Tompros. "Wir haben kein offizielles Übereinkommen unterzeichnet, aber wir haben unser Ziel erreicht."

Nachdem Furie die ersten Unterlassungsaufforderungen herausgeschickt hatte, sagten Nutzer desReddit-Forums r/the_Donald und des 4chan-Forums /pol/ Furie und seinen Anwälten den Kampf an. Furie sehe das Trompros zufolge gelassen: "Es gibt online viele Angriffe gegen Matt, unsere Kanzlei und unsere Anwälte. Damit hatten wir gerechnet und waren bereit, es in Kauf zu nehmen."

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