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Dieser Kanadier hat es geschafft, alle Pokémon auf seinem Kontinent zu fangen

Wir haben den 24-Jährigen gefragt, wie er es geschafft hat, eine derartige Meisterleistung aufzustellen und ob es ein Leben nach Pokémon Go gibt.

Pokémon Go ist kein Videospiel. Es ist ein niemals endendes Hamsterrad, in dem der Mensch immer neuen Zielen und Aufgaben hinterher jagt—die momentan vielleicht fluffigste Metapher für den Alltag im Spätkapitalismus. Und niemand rennt im Augmented-Reality-Hamsterrad bisher schneller und besser als Roberto Vazquez.

Der 24-jährige Fotograf aus Toronto ist der einzige bekannte Spieler, dem es gelungen ist, alle 142 Pokémon-Monster zu fangen, die es in Nordamerika gibt. Angesichts der Tatsache, dass die allermeisten Gamer vier Wochen nach der Veröffentlichung inzwischen vor allem ein Meer an Zubats und anderen weit verbreiteten Pokémon angesammelt haben, ist die Performance von Vazquez wirklich eindrucksvoll. Und wie er gegenüber dem kanadischen TV-Sender CBC erklärte, war es eine echte Höchstleistung, so weit zu kommen.

Ich bin froh, dass ich sie alle gefangen habe, so dass ich jetzt besser schlafen kann.

In den vergangenen Wochen stapfte Vazquez im Zuge seiner Monsterjagd mehrfach nachts durch dunkle Wälder. Auch wenn das Spiel auf den ersten Blick nach einem unterhaltsamen Abenteuer klingt, so schilderte Vazquez gegenüber CBC auch, wie er den zunehmenden Druck der Monsterjagd auf seinen Schultern fühlte. Um zu verstehen, zu welchem Hochleistungssport das Augmented-Reality-Spiel wirklich werden kann, haben wir Vazquez in seiner Heimat Toronto angerufen und ihn über seine perfektionistische Monsterjagd ausgefragt.

Motherboard: Fühlst du dich komplett, jetzt wo du alle Pokémon auf deinem Kontinent gefangen hast?

Roberto Vazquez: Nicht ganz. Ich muss noch immer die Original-Pokémon fangen, oder? Diejenigen, die es in Nordamerika gar nicht gibt—für die muss ich ins Flugzeug steigen und nach Asien fliegen.

Bist du glücklich mit dem Abschluss deines Projekts?

Ich bin froh, dass ich sie alle gefangen habe, so dass ich jetzt besser schlafen kann. Außerdem muss ich diesen Monat endlich mein Datenvolumen nicht mehr so maßlos überziehen.

Liegen viele schlaflose Nächte hinter dir?

Als ich mit Pokémon Go angefangen habe, brachte das Spiel all die Erinnerungen an die Zeiten wieder hoch, als ich mit meinen Freunden die Fernsehsendung guckte und wir das Spiel zusammen zockten. Wir waren alle ziemlich aufgeregt und sind in den ersten Nächten [nach der Veröffentlichung] ziemlich lange wachgeblieben.

Kannst du das Gefühl beschreiben, wie es ist, mit dem AR-Spiel so rauszukommen?

Das ist eines der coolsten Gefühle, die Seele baumeln zu lassen und sich zu entspannen. Du gehst raus, triffst Leute und entdeckst die Stadt auf eine neue Art und Weise. Man zeigt sich gegenseitig, was man gefangen hat. Es gibt diesen ganz speziellen Adrenalinschub, wenn du siehst, wie hunderte Menschen versuchen dasselbe Pokémon zu fangen.

Wie wirst du jetzt die Leere füllen?

Es gibt noch einige Ziele in dem Spiel, die ich noch nicht erreicht habe. Zum Beispiel die Belohnungen, die dich erwarten, wenn du eine bestimmte Menge von einem Monster gefangen hast oder wenn du in einem speziellen Gym kämpfst. Mein nächstes Ziel ist es, 1.000 Kilometer zu laufen. Bisher habe ich rund 260 Kilometer auf dem Konto—ich weiß also, was als nächstes auf mich zukommt.

Wirst du jemals wieder solche Freude empfinden können wie nach dem Fang des 142. Pokémon?

Dieselbe Begeisterung vermutlich nicht. Aber ich werde definitiv noch lange ein glücklicher Gamer sein, denn es gibt noch immer so viel zu tun und andere Spieler zu treffen.