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Diese drei Fehler macht fast jeder beim Aufladen des Smartphone-Akkus

Dank dieser Alltagshacks stehst du nie wieder mit leerem Akku da.

Bild: Shutterstock

Wir wissen es alle: Home is where Wi-Fi is und ohne geladenen Handy-Akku kann das Leben mitunter schon mal ziemlich grau anmuten. Umso mehr Mythen ranken sich darum, wie man den Energiespeicher unserer Smartphones mit der größt möglichen Effizienz aufladen kann, damit das mobile Heimatgefühl auch schön lange anhält. Dass dabei auch der ein oder andere kontraproduktive Workaround in Umlauf ist, wissen vor allem die Hersteller der in unseren topaktuellen Geräten verwendeten Lithium-Ionen-Akkus.

Cadex Electronics, laut eigenen Angaben einer der weltweit führenden Akku-Tester, hat deshalb extra eine extrem nerdige Website namens Battery University eingerichtet und mit dem schönen Wahlspruch „Potestas et scientia" (Macht und Wissenschaft) versehen. Mit dieser Aufklärungsoffensive wollen sie nun mit dem gefährlichen Halbwissen rund um die korrekte Akku-Behandlung aufzuräumen. Da die perfekte Akkupflege jedoch eine erschlagende Wissenschaft für sich und mit Technikdetails nur so gespickt ist, haben wir hier eine kleine Übersetzungshilfe für den Alltagsgebrauch zusammengestellt. Diese eklatanten Fehler solltet ihr beim Aufladen eures Smartphone-Akkus wirklich dringend vermeiden.

Fehler Nr. 1: Ladet den Akku nie zu 100 Prozent auf

Bevor der Akku nicht vollständig geladen ist, gehst du nicht aus dem Haus, denn sonst geht—wie dir dein IT-begeisterter Ex-Freund eingetrichtert hat—die Laufzeit deines Smartphones aufgrund des Memory-Effekts gleich den energetischen Bach hinunter. Falsch! Die technische Expertise der Battery University löst nicht nur endlich deine letzten Beziehungsverdrahtungen auf, sondern führt auch dazu, dass du nie wieder genervt darauf warten wirst, dass die Anzeige von 98 auf 100 Prozent klettert, sondern stattdessen dein Smartphone schon wesentlich früher mit einem abgebrühten Schulterzucken einfach aus der Steckdose ziehst. Zum einen ist der ominöse Memory-Effekt nämlich eine Erinnerung an Zeiten, in denen vor allem Nickel-Cadmium-Akkus eingesetzt wurden und spielt bei den heutigen Akkumulatoren kaum eine Rolle. Zum anderen sind die angezeigten, braven 100 Prozent Ladestärke in den meisten Fällen eine billige Anzeigeschwindelei.

Die perfekte Ladegröße eines Smartphone-Akkus liegt im Bereich von 20 bis 80 Prozent.

Nicht selten ist der Akku nämlich gar nicht bis zum Anschlag geladen, auch wenn die volle Punktzahl grün aufleuchtet. Dein Smartphone gaukelt dir also etwas vor, das möglicherweise gar nicht erreicht wurde. Noch schlimmer ist es jedoch, das Smartphone in vollständig geladenem Zustand auch noch in der Steckdose zu lassen, wie es die meisten von uns regelmäßig über Nacht tun. Das bedeutet für das kleine Ding schlichtweg Stress, da der Akku in diesem Zustand permanent auf Hochtouren läuft. Battery University fasst den Zustand des Akkus im Moment des Herausziehens aus der Steckdose sehr bildhaft und verständnisvoll zusammen: „Das ist, als würdest du deine Muskeln nach einem anstrengenden Training entspannen."

Aus genau diesem Grund ist es auch gar nicht nötig, einen Lithium-Ionen-Akku komplett aufzuladen, denn allein das Erreichen 100 Prozent-Marke versetzt das Gerät in den oben genannten Stress. Eine teilweise Ladung ist besser und schont langfristig den Akku.

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Wer in den abgeschiedenen Abenteuerurlaub fährt oder sich einfach mal aus Liebeskummer aus dem virtuellen Geschehen ausklinken möchte, sollte sein Smartphone nur bei mindestens zur Hälfte geladenem Akku ausmachen und beiseite legen, schreibt Apple über das Akkuverhalten seiner Produkte. Ein komplett leerer Akku könnte das Gerät nämlich in einen Zustand komatöser Entladung versetzen, welche später jegliches Aufladevorhaben zunichte macht. Ebenso verliert ein bis zum Anschlag angefüllter Akku über die Zeit hinweg seine Ladekapazität und lädt sich bei Wiederaufnahme nicht mehr komplett auf.

Fehler Nr. 2: Wartet nicht auf den richtigen Auflademoment, sondern ladet euren Akku auf, wann es nur geht

Auch wenn der leere Handyakku immer wieder ein schöner Vorwand ist, unangenehme Anrufer zu ignorieren—besonders schlau ist die Praxis des leise sterbenden Ladungsträgers leider nicht. Denn auch Fehler Nummer zwei hat seinen Ursprung in grauer Vorzeit, als Akkus vor dem Laden noch stets vollständig ausgesaugt werden sollten, um ebenfalls wieder den fatalen Memory-Effekt zu verhindern. Doch keine Angst vor Kapazitätsverlust und vorzeitigem Spannungsabfall, auch hier handelt es sich aufgrund veränderter Akkumodelle um Versagensängste aus der Steinzeit der Handytechnik. Viel mehr können sogenannte Tiefenentladungen den Lithium-Ion-Akku im schlimmsten Fall sogar vorzeitig zerstören.

Der liebevolle Nutzer sollte einfach mal in eine Thermometer-App investieren.

Richtig kaputt machen könnt ihr euer schickes Smartphone mit einer Tiefenentladung zum Glück jedoch auch nicht, wie Giga schreibt. Denn fast alle Lithium-Ionen-Akkus sind mit einem Schutzmechanismus vor vollständiger Entladung ausgestattet, welcher den Alterungsprozess des Akkus aufhalten soll. So ist die vollständige Entladung einfach nur kontraproduktiv für eine lange Haltbarkeit des Akkus, einen schlimmen Schaden erleidet das Gerät jedoch nicht.

Die perfekte Ladegröße eines Smartphone-Akkus liegt übrigens im Bereich von 20 bis 80 Prozent. Befindet sich die Anzeige an eurem Gerät in diesem Mittelfeld, hält der Akku erfahrungsgemäß am längsten durch. Ihr könnt euer Smartphone also gerne zwischendurch immer mal wieder an den Strom anschließen und einen kleinen Ladezyklus nachlegen. Das ist für das langfristige Akkuleben nachhaltiger als jegliche Komplettladung. Außerdem ist das Handy mit dieser Praxis permanent in einem guten Ladezustand und die Gefahr einer plötzlichen Leere ist gebannt.

Fehler Nr. 3: Ladet den Akku nie bei zu heißen Temperaturen auf

Bei zu viel Hitze gelüstet es nicht nur menschliche Wesen, sich des flauschigen T-Shirts zu entledigen, auch dem Handy geht es nicht anders. Und sogar Apple selbst empfiehlt, das Smartphone beim Ladevorgang aller unnötigen, wärmenden Verkleidungen zu entledigen. Am besten funktioniert das Gerät in einem Temperaturspektrum von 16 bis 22° Celsius. Wenn ihr diese Wunschtemperatur also auch beim Ladevorgang des Geräts erreicht, ist alles in allerschönster Ordnung.

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Temperaturen über 35° Celsius können dem Akku (und vor allem seiner Laufzeit) hingegen dauerhafte Schäden zufügen und werden von den Herstellern als Risiko für das Gerät angegeben. Diese Angaben beziehen sich auf die Außen- und genauso auf die Gerätetemperatur. Der liebevolle Nutzer sollte also einfach mal in eine Thermometer-App investieren und deckt sein Handy bei erhöhter Sonneneinstrahlung diskret ab. Bei Android-Smartphones lässt sich die Akkutemperatur übrigens über eine geheime Zeichenfolge abrufen. Dafür tippt ihr auf das Telefonsymbol und geht in der Wähltastatur folgende Zeichenfolge ein *#*#4636#*#*. Im Menüpunkt Akkuinformationen lässt sich auch die Temperatur ablesen.

Wer mit seinem Smartphone zusammen in den Skiurlaub fährt, sieht sich hingegen nur kurzfristigen Akku-Entladungen ausgesetzt. Auch in einem äußerst frostigen Umfeld zeigt das Handy zwar eine schnellere Entladung, diese ist jedoch temporär und schadet dem Gerät nicht langfristig.