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Wo es an Platz und Geld mangelt, leben Japaner in winzigen Sperrholz-Kabinen

Fotograf Won Kim gibt intime Einblicke in Tokios Sperrholz-Hotels.

„Die Japaner sind bekannt dafür, kleine Wohnbereiche effizient zu nutzen", schreibt Fotograf Won Kim über seine Landsleute.

Bestes Beispiel dafür sind wohl die weltbekannten Kapselhotels, die in Japans Hauptstadt Tokio reisenden Geschäftsleuten, Berufspendlern und temporär gestrandeten Backpackern mit schmalem Budget ein Dach über dem Kopf und einen trockenen Schlafplatz mit Minimal-Standard bieten.

Der Deal: Schultermassage gegen Foto-Erlaubnis

Was den Platz- und Privatsphäreansprüchen der meisten Westeuropäer nicht genügt, ist ein etabliertes Stück japanischer Alltagskultur. Da aber für viele Japaner selbst diese Low-Budget-Residenzen in einer der teuersten Städte der Welt noch zu hochpreisig sind, ist in den letzten Jahren eine Art abgespeckte Version der ohnehin schon minimalistischen Übernachtungsmöglichkeiten entstanden.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Kim Won.

In notdürftig zusammengezimmerten Kammern aus Sperrholz, die nur durch einen Vorhang vom Außenbereich abgetrennt sind und weder Türen noch Fenster besitzen, können sich die Bewohner nicht einmal aufrecht hinstellen. Annehmlichkeiten wie Sauna- und Massage-Bereiche oder wenigstens eine Duschmöglichkeit finden sich im Vergleich zu den Kapselhotels natürlich auch nicht.

„Für mich ist dieses Gebärmutterartige dieser Räumlichkeiten behaglich statt einengend. Ich habe einen Fetisch dafür"

Kim übernachtete 2013 als Reisender selbst einige Wochen in einem der namenlosen Etablissements, das er in einem unauffälligen Bürogebäude im Nordosten Tokios entdeckt hatte.

Trotz der kärglichen Ausstattung und einer auf's Minimale geschrumpften Privatsphäre, fand der junge Fotograf Gefallen an seinem temporären Heim, das ihn umgerechnet neun Euro pro Nacht kostete. „Für mich ist dieses Gebärmutterartige dieser Räumlichkeiten behaglich statt einengend. Ich habe einen Fetisch dafür" so der Fotograf gegenüber Motherboard.

„Aus diesem Grund wollte ich die Kammern porträtieren. Mich interessierte vor allem, wie jeder der Bewohner sich in den winzigen Kabinen eingerichtet hat. Manche sind sehr spartanisch, andere voll von Besitztümern, mit improvisierten Kleiderschränken und Bücherregalen oder sogar 'dekoriert'."

Kim war letzten Endes so fasziniert von den Sperrholzkabinen, dass er im November 2014 in das Hotel zurückkehrte, um das Leben seiner Bewohner fotografisch zu dokumentieren.

Um die Erlaubnis zu bekommen, derart intime Einblicke in das Leben seiner Kabinennachbarn zu bekommen, von denen einige zu Kims Freunden wurden, kam der Fotograf auf eine simple wie attraktive Idee: Er verteilte als Gegenleistung für seine Fotoshootings kostenlose Schultermassagen.

Und so ließen sich einige der überwiegend japanischen Bewohner, von denen laut Kim ca. 5-10 Prozent bereits seit mehr als einem Jahr in der Herberge lebten, fotografisch in ihre Sperrholzbehausungen begleiten.

Won Kims so entstandene Fotoserie „Enclosed: Living Small" gibt uns einen Einblick in die sich in Europa und Asien stark unterscheidende Wahrnehmung und Bedürfnisse, was Privatsphäre und Lebensraum angeht und zeigt, wie unterschiedlich Menschen sich auf eine derart beengte Umwelt einstellen.

Für den Fotografen ist im Übrigen klar, dass er nicht viel Platz im Leben braucht: „Ich persönlich hätte keine Probleme, in einem winzigen Raum zu wohnen. Es gibt mir ein Gefühl der Sicherheit und ist gemütlich."

Weitere Bilder von Won Kim findet ihr auf seinem Instagram-Account.