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Das subtile Datenschutz-Problem der neuen Facebook-Emotionen

Warum die Facebook-Emojis den Nutzer noch gläserner machen

Laura Lucas

gif: giphy.com

Ein bisschen ist Facebook ja wie Wurst. Was Otto von Bismarck über die Entstehung von Gesetzen sagte, gilt auch für die Regeln, nach denen das Soziale Netzwerk funktioniert. Man hat das Gefühl, da ist was nicht ganz koscher, aber genau wissen will man es lieber nicht.

Wir alle sind uns darüber im Klaren, dass Facebook eine Menge Geld damit verdient, gezielt auf uns User abgestimmte Werbung zu verkaufen. Jeder einzelne Like wird dafür genau analysiert und ausgewertet. Und wir? Liken trotzdem was das Zeug hält. Macht halt Spaß. Spaß machen auch die neuen Emojis, mit denen Facebook seit dieser Woche das klassische „Gefällt mir" um die Reaktionen „Love", „Haha", „Wow", „Sad" und „Angry" erweitert. Aus Sicht des Datenschutzes haben die Emotionen allerdings einen Haken: Mit ihrer Hilfe lassen sich unsere Vorlieben jetzt noch besser auslesen, sagt ein führender Big Data-Forscher.

Stefan Rüping ist Geschäftsfeldleiter Big Data Analytics beim Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). „Der Facebook-Algorithmus ist darauf ausgelegt, den Leuten die Posts zu zeigen, die für sie Relevanz haben. Je mehr Informationen ich dafür habe, je mehr Informationen ich also in den Platzierungsalgorithmus einfließen lassen kann, desto besser geht das", so der Forscher im Interview mit jetzt.de.

„Den Like-Button zu verändern ist ungefähr so, als würde Coca-Cola sein Geheimrezept ändern"

„Der Like-Button ist nicht nur Facebooks markantestes Wiedererkennungszeichen", schreibt die Journalistin Sarah Frier, „sondern auch der Motor, der das Unternehmen antreibt." Täglich würde er über 6 Milliarden mal geklickt, was sogar die Zahl der Google-Anfragen übersteige und jedes Quartal Werbeeinnahmen in Milliardenhöhe bedeute. Erst recht seit mit der Einführungs eines entsprechenden Widgets auf Seiten außerhalb von Facebook quasi das ganze Internet „likebar" wurde und Facebooks Big-Data-Topf unvorstellbare Ausmaße erreichte.

In der Evolutionsgeschichte des kleinen Daumens hat Facebook nun also das nächste, logische Kapitel aufgeschlagen. Das Unternehmen hat den Button—und somit seine wichtigste Geldquelle—clever erweitert, ohne ihn in dem, was er ausmacht, zu berühren. „Den Like-Button zu verändern ist ungefähr so, als würde Coca-Cola sein Geheimrezept ändern", schreibt Frier.

Inzwischen, sagt der Big Data-Experte Rüping, könnten Unternehmen in den Sozialen Netzwerken schon ziemlich genau herausfinden, was User über ihre Produkte denken. Dazu müssten lediglich emotionale Äußerungen in Posts analysiert werden. Bisher stellte aber etwa Ironie die Computer vor Herausforderungen. Und genau hier kommen die Emojis ins Spiel: „Würde ich jetzt ein Zwinkersmiley oder ein wütendes Smiley hinter der Aussage machen, wäre die Einordnung noch eindeutiger. Es würde die Bedeutung des Satzes extrem modifizieren. Und das könnten Algorithmen erkennen."

Allerdings, so gibt der Experte zu bedenken, müsse sich erst noch herausstellen, wie häufig und in welchem Kontext die Emojis benutzt würden. „Nutzer entwickeln da ja fast schon eine eigene Grammatik. Um die Informationen, die Emojis liefern können, zu analysieren, muss man erst mal wieder verstehen: Was wollen Leute damit jetzt eigentlich sagen?" In Zahlen ausdrücken könne man die neuen Analysemöglichkeiten noch nicht. Es sei jedoch davon auszugehen, dass mit den neuen Reaktionsmöglichkeiten insgesamt mehr Menschen bereit sein werden, sich zu etwas zu äußern und damit Informationen preiszugeben.