Die Masche der 1-Dollar-Website ist genial – doch jetzt wurde ihr der eigene Erfolg zum Verhängnis

Ein einziger Link und eine Textzeile reichten dieser Website, um Geld zu scheffeln. Doch dann kam sie PayPal "verdächtig" vor.

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13 September 2017, 8:25am

Bild: Johan McCubbin

Es muss nicht immer die gefühlsduselige Kickstarter-Kampagne oder das monotone Klicken als Like-Arbeiter sein, um im Internet Geld zu verdienen. Manchmal reicht es schon, an die unbändige Neugier der Menschen zu appellieren, um ihnen ihr hart verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Das hat auch der Softwareentwickler Johan McCubbin erkannt. Im Frühjahr kreierte er die Website"How Many People Paid A Dollar To See How Many People Paid A Dollar?", die ihm seitdem einen stattlichen Nebenverdienst einbringt. Dabei enthält sie nicht mehr als die Frage, wie viele Leute schon einen Dollar gezahlt haben, um zu sehen, wie viele Leute einen Dollar gezahlt haben – und einen PayPal-Link. Das Prinzip ist bestechend einfach: Sobald ihr einen US-Dollar gezahlt habt, erfahrt ihr, wie viele andere Trottel ebenfalls bereit waren, einen US-Dollar hinzublättern.

Bild: Screenshot

"Es gibt so viele unfassbar simple Ideen da draußen, mit denen sich potenziell Geld verdienen lässt", schrieb mir McCubbin in einer E-Mail. Zu seinem Projekt hatte ihn die"Million Dollar Homepage" von 2005 inspiriert, auf der Interessenten einen Pixel für einen US-Dollar kaufen konnten. "Ich finde das Konzept 'aus Nichts Geld machen' sehr interessant."

Ursprünglich habe er nur gehofft, den Preis für den Domain-Namen und die Betriebskosten wieder rauszuholen, aber dann lief das Projekt wesentlich besser als erwartet. "Manchmal passiert nichts, und eine gute Woche zahlt niemand ein. Dann wird der Link irgendwo in den sozialen Netzwerken geteilt und die Seite explodiert förmlich!", erklärt McCubbin. Es kommt auch vor, dass Besucher ihr Geld erstattet haben wollen. Darauf lässt sich der Entwickler jedoch nur ein, wenn es einen Bearbeitungsfehler oder einen ähnlichen Glitch gab. "Ansonsten bekommst du das, wofür du bezahlt hast. Und du bezahlst für das, was auf der Seite beworben wird", erklärt er.


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Nun war ich selbst neugierig geworden, was hinter der Seite steckte. Doch als ich gezahlt hatte, landete ich in einem sonderbaren Loop. Für jeden US-Dollar, den ich zahlte, forderte die Seite einen weiteren. Nachdem ich der Website drei meiner hart erarbeiteten US-Dollar gegeben hatte, wandte ich mich an McCubbin: "Mache ich irgendwas falsch oder bin ich Teil eines Experiments?"

McCubbin erklärte mir, dass die Seite eigentlich nicht loopen sollte. Als einer meiner Kollegen es dann versuchte, funktionierte die Seite wie versprochen. Sie gab die Zahl der Menschen preis, die zuvor einen US-Dollar gezahlt hatten. An dieser Stelle können wir die Zahl natürlich nicht verraten. Aber soviel sei gesagt: Die Summe ist wesentlich höher, als irgendjemand mit einer Website verdienen sollte, die lediglich aus einer Textzeile und einem PayPal-Link besteht.

Inzwischen ist der Ansturm auf McCubbins Website offenbar so groß, dass sie unter ihrem eigenen Erfolg zusammengebrochen ist. Wer momentan den Link aufruft, sieht die Benachrichtigung, dass die Seite gerade bearbeitet wird und bald wieder verfügbar werden wird. Der Guardian berichtete außerdem, dass PayPal den Account des gerissenen Entwicklers wegen "verdächtiger Aktivitäten" eingeschränkt habe.