Der Mann, der Windkraft mit Drohnen ernten will

Die Windräder der Zukunft rotieren hunderte Meter höher in der Luft, als wir es heute gewohnt sind. Ein Forscher spricht in unserem Podcast über das gewagte Vorhaben, das vielleicht die Energiewirtschaft transformieren könnte.

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Jan. 11 2018, 9:34am

Dr. Christoph Sieg | Screenshot: media.ccc.de

Für Christoph Sieg ist klar: Die Energie der Zukunft ist Windkraft – doch klassische Windräder sind dafür nur bedingt geeignet. Die Windräder müssen in die Luft – auf Drohnen. Denn besonders starke Luftschichten mit konstantem Wind gibt es erst in den oberen Sphären der Erde. Doch um diese Sphären zu erreichen, müssten Windräder gigantisch werden: "Die Stabilität wird dann ein großes Problem", so der Physiker. Die Lösung klingt daher so einleuchtend wie absurd: Windräder müssen fliegen lernen und dazu brauche es eben Drohnen.

Wer jetzt an die beliebten Kamera-Quadcopter denkt, die über Parks und Wälder surren, um beeindruckende Landschaftsbilder zu filmen, liegt nur halb richtig. Die Drohnen, von denen Sieg spricht, sehen anders aus: "Sie sind eher eine Mischung aus Segelflugzeug und Kite-Surfing", sagt Sieg im Gespräch mit Motherboard. Die Mini-Flugzeuge kreisen in der Luft und sind mit einem starken Seil am Boden befestigt. "Dann hat man die Zugkraft, die man in Energie umwandeln kann oder die Drohnen haben Generatoren, die selbst Energie erzeugen."

"Und da war die naheliegendste Lösung: Eine Hochseeangel!"

Noch ist die Idee vor allem das: ein Konzept. Es wird noch einige Zeit dauern, bis das System perfektioniert ist. Viele Versuche enden mit Abstürzen, weil sich Seile verhaken oder die Drohnen nicht richtig starten, auch Ressourcen im Wissenschaftsbetrieb sind knapp und fordern kreative Lösungsansätze: "Wir hatten einfach keine Ressourcen für den Bau einer Bodenstation, die automatisch das Seil ein und auszieht. Und da war die naheliegendste Lösung: eine Hochseeangel!"

An Windenergiedrohnen arbeiten nicht nur Sieg und sein Team an der Uni Bonn, auch große US-Unternehmen starten Feldversuche. Darunter ist etwa eine Forschungsabteilung bei Google mit ihrem Project Makani, einer Drohne in der Größe eines kleinen Flugzeugs. Eine Zukunft, in der ganze Windparks voller schwebender, synchronisierter Drohnen Windenergie bereitstellt ist für manche Ingenieure schon heute nicht nur eine kühne Vision, sondern ein konkretes Projekt, auf das sie zielsicher hinarbeiten.

In unserem Podcast, "Radio Motherboard", hat uns Dr. Christoph Sieg mehr von seiner Forschung verraten. Hier könnt ihr einen Ausschnitt aus dem Gespräch hören.

Den ganzen Podcast findet ihr hier bei Audible. Jede Woche erscheint eine neue Folge von "Radio Motherboard" exklusiv auf der Plattform.