Dank Souris Automaten kann jeder kinderleicht seine eigenen Platten herstellen

Analog ist tot, lange lebe analog. Ein Tüftler aus Baden-Württemberg hat in Texas seinen Apparat vorgestellt, mit dem jeder kinderleicht sein Mp3-Archiv in handfestes Vinyl verwandeln kann.

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März 14 2014, 10:10am

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CD's sind tot, schon lange von Mp3's und Streaming-Diensten ersetzt—und im Schatten dieser Entwicklung erfreut sich Vinyl einer neuen Beliebtheit, die auch Jahre nach den ersten Schallplatten-Retromania-Artikeln nicht nachzulassen scheint. Souri's Automaten reitet schon lange auf dieser Welle. Letzte Woche zeigte der Bastler Ulrich Sourisseau seinen Apparat sogar auf einem Messestand in Texas.

Mit seiner kleinen aber feinen Firma aus Hosskirchen in der Nähe vom Bodensee war er mit seinem „Vinyl Recorder" tatsächlich ein Hauptanziehungspunkt aller Audiofans auf dem SXSW in Austin. Seine Maschine soll ein zentrales Problem von Vinyl lösen: Für den durchschnittlichen Musikhörer ist es immer noch äußerst mühsam selbst Schallplatten zu produzieren.

Die Maschine funktioniert letztlich genau umgekehrt wie ein normal Plattenspieler. Der Plattendreher wird mit einem CD-Spieler bzw. mp3-Player, oder mit jedem anderen Audioformat verbunden, woraufhin eine Diamantnadel in Echtzeit die Klangschwingungen der abgespielten Musik in eine Schallplatte schneidet. So entsteht direkt die finale Schallplatte und alle weiteren Schritte vom Muster Anfertigen und Kopieren, bis zur Massenproduktion, die die heutige Vinylproduktion zu einem aufwendigen und komplizierten Verfahren machen, werden übersprungen. Auf ähnliche Weise wurden in den 50er Jahren auch die frühen Sun Records Aufnahmen von Elvis geschnitten. Und teilweise bis heute werden so die Dubplates jamaikanischer Soundsysteme hergestellt—nur dass zu den individuellen DJ-Anfertigungen von Platten in der Karibik ein nicht zu unterschätzendes Geheimwissen gehört.

Während Ulrich mir in Texas erzählte, wie er seine Maschine schon vor über drei Jahrzehnten entwickelt hatte, hörten wir im Hintergrund einer Little Richard Platte zu, die gerade produziert wurde. Als unsere kurze Unterhaltung sich dem Ende neigte, war die Platte auch schon fertig.

Wenn du also knapp 3000 Euro übrig hast und genug Zeit zur Verfügung, dann kannst du schon bald ganz einfach deine gesamte digitale Musikbibliothek wieder zurück in eine massive Vinylsammlung transformieren—und bei der Gelegenheit in Ruhe jedes einzelne Stück deiner Sammlung hören, während es gleichzeitig in ein analoges Schmuckstück verwandelt wird. Das dürfte aber eher nicht Standardverwendung der Maschine sein.

Der Apparat richtet sich vor allem an unabhängig Musiker, die damit nicht für Mindestauflagen in Pressanlagen zahlen müssen, oder einfach nur eine kleine limitierte Anzahl ihrer Platten veröffentlichen wollen—oder an audiophile Vinyl-DJ's.

Nicht dass die Hauptpriorität von Ulrich nur die kulturellen Implikationen seiner Maschinen wäre: Er erzählte mir, dass ihm Vinyl an sich eigentlich ziemlich egal sei. Er sei als Ingenieur einfach an der Technologie selbst interessiert.

Ulrich hat seinen ersten Apparat in den 1980er Jahren während des Übergangs zur digitalen Musik gebaut, damit er weiter die neuesten Singles in der Vinyl-Jukebox seiner Fabrik abspielen konnte. Er hat einfach einen alten Plattendreher in seinem Sinne gehackt und schon hatte er einen Apparat, um die neuesten CD's in der Zeit zurück zu beamen. Und wie mir verraten wurde, hat er auch heute noch die beste Jukebox der Stadt.