Smartphone verkaufen, Laptop verschrotten: Das solltest du vorher unbedingt beachten

Ihr gönnt euch ein neues Handy oder einen Laptop? Bevor ihr euch von alten Geräten trennt, solltet ihr unbedingt eure Daten entfernen – nicht einfach nur löschen. Die wichtigsten Tipps.

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Jan. 9 2019, 10:11am

Bild: shutterstock | Peter Gudella

Du hast ein neues Smartphone zu Weihnachten geschenkt bekommen oder dir einen neuen Laptop gegönnt? Jetzt stellt sich die Frage, wohin mit dem alten Gerät. Weiterverkaufen, spenden oder doch lieber recyclen? Für welche Option du dich auch entscheidest, du solltest unbedingt darauf achten, dass du vorher alle persönlichen Daten vollständig löschst. Die Wenigsten wissen, wie das geht – und das kann gefährlich werden.

Wir haben einige Tipps für euch zusammengestellt, wie ihr Daten sicher entfernt, welche Rolle verschlüsselte Daten dabei spielen und wann es überhaupt sinnvoll ist, ein Gerät weiterzuverkaufen. Die Empfehlungen in diesem Artikel richten sich vor allem an Leute, die ihre Daten vor gewöhnlichen Cyberkriminellen oder neugierigen Käuferinnen schützen wollen. Es ist unwahrscheinlich, dass diese viel Zeit oder Ressourcen investieren werden, um eure Daten aufwendig wiederherzustellen – das würde sich schlichtweg nicht lohnen.

"Für die meisten Konsumierenden reicht es schon, wenn sie ihre Daten nicht zu leichter Beute machen. Denn wenn der Aufwand, die Daten wiederherzustellen, viel größer scheint als der Gewinn, ist es einfacher, das Gerät zu reparieren oder seine Einzelteile zu verkaufen", sagte Greg Andrzejewski, der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Gillware, einem Unternehmen, das auf Datenwiederherstellung spezialisiert ist.

Der einfachste Weg: Verschlüsselung

Selbst wenn du deine Daten nicht vollständig vom alten Gerät entfernst, wird niemand etwas damit anfangen können, wenn du sie vorher verschlüsselt hast – solange der nächste Besitzer oder die nächste Besitzerin nicht euren Passwortschlüssel kennt. Die Verschlüsselung schützt dich auch, falls dein Gerät gestohlen wird oder du es verlierst.

Alle gebräuchlichen Desktop-Betriebssysteme unterstützen Festplattenverschlüsselung. Es gibt auch Open-Source-Programme von Drittanbietern wie VeraCrypt, mit denen du sowohl externe Festplatten, als auch den Host-Rechner verschlüsseln kannst. VeraCrypt ist eine Abspaltung des Programms TrueCrypt, das inzwischen nicht mehr in Betrieb ist, und wurde von Sicherheitsexperten geprüft.

Doch selbst wenn du deine Daten verschlüsselt hast, solltest du sie vom Gerät entfernen, bevor du es verkaufst oder recycelst. So gehst du sicher, dass auch dein passwortgeschützter Verschlüsselungs-Key gelöscht wird.

Auch wenn dir jetzt erst auffällt, dass du deine Festplatte unbedingt verschlüsseln solltest, ist es noch nicht zu spät. Denk aber daran, den Verschlüsselungs-Key, den dein Verschlüsselungsprogramm erstellt, an einem sicheren Ort zu speichern, damit du ihn bei Bedarf wiederfindest.

So löschst du Daten von Festplattenlaufwerken

Microsoft

Als Erstes sollte wir hier klarstellen, dass die Schnellformatierung bei Windows keine Daten löscht. Sie werden nur aus dem Datenregister entfernt, also aus der Liste, in der Informationen über Dateien und ihren Speicherplatz festgehalten werden. Bei der Schnellformatierung wird der Speicherplatz dieser Daten freigegeben, die Daten sind aber weiterhin vorhanden, bis sie von einem neuen Programm überschrieben werden. Darum ist eine Schnellformatierung nicht ratsam, wenn du dein Gerät entsorgen oder verkaufen willst.

Microsoft bietet auch die Option, die Sektoren der Festplatte mit Nullen zu überschreiben. Dadurch wird es so gut wie unmöglich, die Daten wiederherzustellen – oder zumindest ist es so aufwendig, dass es sich nicht mehr lohnt. Die Funktion gehört zum Kommandozeilenprogramm DiskPart und kann mit dem Befehl "clean all" ausgeführt werden.

Bilder: Screenshots | Microsoft
Bilder: Screenshots | Microsoft
Bild: Screenshot | Microsoft
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Um DiskPart für die Festplatte anzuwenden, auf der sich das Betriebssystem befindet, musst du das Programm von einem Windows-Installationsmedium booten (einer CD oder einem USB-Stick) und das Recovery-Programm aufrufen. Folge dem Programm und wähle die Festplatte aus, die du löschen möchtest. Dann musst du nur noch den Befehl "clean all" eintippen und geduldig warten, der Vorgang kann lange dauern.

Bild: Screenshot | Microsoft
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MacOS

Bei MacOS von Apple findest du in den Sicherheitseinstellungen verschiedene Möglichkeiten, Festplattenlaufwerke (HDDs) zu löschen. In den Dienstprogrammen findet ihr das Festplattendienstprogramm, mit dem ihr externe Festplatten löschen könnt. Um die Festplatte zu löschen, auf dem sich das MacOS-Boot-Volume befindet, startest du MacOS-Wiederherstellung und wählst hier das Festplattendienstprogramm aus.

Bild: Screenshot | MacOS
Bild: Screenshot | MacOS
Bild: Screenshot | MacOS
Bild: Screenshot | MacOS

SSDs löschen

In vielen modernen Laptops werden inzwischen nicht mehr herkömmliche Festplatten verbaut, die als "Hard Disk Drive", HDD, bekannt sind, sondern "Solid State Drives", kurz SSDs. Diese enthalten keine beweglichen Bauteile, sind kleiner, leiser und schneller als HDDs – sie lassen sich allerdings auch schwerer löschen.

Wenn du Windows nutzt, schaust du am besten, welche Marke und Modell deine SSD hat und verwendest dann den Dienst des jeweiligen Herstellers, um Befehle zum sicheren Löschen auszuführen (zum Beispiel hier für Intel, Samsung, SanDisk, Kingston, Crucial, Western Digital, Seagate). Genau wie bei HDDs muss die Funktion von außerhalb des Betriebssystems durchgeführt werden. Dafür gibt es auch viele Angebote von Drittanbietern.

Während sich HDDs über das Festplattendienstprogramm von MacOS sicher löschen lassen, gibt es diese Möglichkeit für SSDs nicht. Apple empfiehlt, die FileVault-Verschlüsselung für den SSD-Drive zu aktivieren, um so für eine höhere Sicherheit zu sorgen.


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So löschst du Daten von mobilen Geräten

Auf gewisse Weise ist es leichter, Daten von Mobiltelefonen oder Tablets zu löschen, obwohl sie wie SSDs Flash-Speicher verwenden. Bei neueren Versionen von Android und iOS kann das gesamte Gerät verschlüsselt werden, teilweise ist die Verschlüsselung sogar schon voreingestellt. Diese Entwicklung ist allerdings recht neu, vor allem viele Android-Geräte, die heute noch genutzt werden, sind nicht verschlüsselt.

Android

Android-Geräte können leicht auf ihre Werkseinstellungen zurückgesetzt werden. Durch diese Funktion, die auch als "Formatieren" bezeichnet wird, werden alle Daten von deinem Smartphone oder Tablet gelöscht. Geräte mit microSD-Karten haben normalerweise eine weitere Funktion, mit der externer Speicher gelöscht und formatiert werden kann.

Bild: Screenshot | Android
Bild: Screenshot | Android
Bild: Screenshot | Android
Bild: Screenshot | Android

Allerdings garantiert auch eine Formatierung bei älteren Android-Geräten, die keine komplette Verschlüsselung unterstützen, nicht, dass die Daten vollständig gelöscht werden. Forschende der University of Cambridge analysierten 2015 anhand von 21 gebrauchten Android-Geräten, wie effektiv das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen war. Sie stellten fest, dass sie bei den Android-Versionen 2.3 bis 4.3 alte E-Mails, Textnachrichten und andere Daten wiederherstellen konnten. "Wenn du ein altes Android-Gerät hast, solltest du es lieber nicht weiterverkaufen", schrieb Ross Anderson, Professor für Sicherheitstechnik in Cambridge, Motherboard in einer E-Mail.

iOS

Als alleiniger Hersteller von iOS-Geräten hat Apple die volle Kontrolle über sein Betriebssystem. Seit iOS 8 ist die vollständige Geräte-Verschlüsselung automatisch aktiviert. Alle iOS-Geräten können über Apples iTunes-Software auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden, wenn sie an einen Computer angeschlossen sind. Auch ohne Computer kannst du die Daten auf deinem mobilen Gerät über Einstellungen → Allgemein → Zurücksetzen löschen.

Auf Nummer sicher: Geräte physisch zerstören

Wenn du sehr sensible Daten auf deinem Smartphone oder einer Festplatte gespeichert hast, ist es wahrscheinlich besser, sie nicht zu verkaufen. Am besten bewahrst du sie an einem sicheren Ort auf oder zerstörst sie komplett, so dass die Daten nicht wiederhergestellt werden können. Es gibt Unternehmen, die Speichermedien professionell zerstören und Bescheinigungen dafür ausstellen, aber die Angebote richten sich meist an Firmen und sind oft teuer.

Ein Festplattenlaufwerk kannst du relativ leicht selbst zerstören. Es reicht schon aus, wenn du ein paar Löcher oder Nägel durch die Hülle bohrst, um die Magnetscheiben im Inneren zu zerstören. Natürlich solltest du dabei Schutzkleidung tragen. Alternativ kannst du die Magnetscheiben auch verbiegen oder in mehrere Stücke zerbrechen, rät Nathan Little von Gillware.

SSDs hingegen haben mehrere Speicherchips, die du alle zerstören musst, um sicherzugehen, dass keine Daten wiederhergestellt werden können. Obwohl sie so klein sind, sind Mobiltelefone besonders schwer zu zerstören, da ihre Speicherchips gut geschützt im Circuit-Board integriert sind. Bevor du deinem Smartphone mit Hammer, Feuer oder Bohrmaschine auf den Leib rückt, solltest du unbedingt die eingebauten Akkus entfernen, um das Risiko einer Explosion zu reduzieren – und selbst dann hast du keine Garantie dafür, dass die gut geschützten Speicher komplett zerstört werden.

Um an den internen Flash-Speicher und den Akku heranzukommen, musst du erst das Smartphone auseinandernehmen. Das kann je nach Modell unterschiedlich schwer sein und du könntest dich außerdem verletzen. Daher ist es in diesem Fall am besten, Profis mit der Zerstörung zu beauftragen.

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Dieser Artikel ist zuerst auf der englischsprachigen Seite von Motherboard erschienen.