Auf Reddit darf gerade keiner mehr über den Mordfall JonBenet Ramsey sprechen

Im SubReddit Unresolved Mysteries wurde eine Art Nachrichtensperre für einen der mysteriösesten Mordfälle in der Geschichte der USA verhängt.

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18 Mai 2016, 1:11pm

JonBenét Patricia Ramsey. Foto: Imago

JonBenét Patricia Ramsey wurde im Alter von sechs Jahren brutal ermordet. Der Vater der mehrmaligen Kinder-Schönheitskönigin fand seine Tochter am 25. Dezember 1996, acht Stunden nachdem er sie als vermisst gemeldet hatte, erdrosselt im Keller seines eigenen Hauses in Boulder im US-Bundesstaat Colorado.

20 Jahre später hat sich der Fall JBR zu einem der mysteriösesten Mordfälle in der Geschichte der USA entwickelt und bietet nach wie vor Nährboden für wilde Verschwörungstheorien. Die Polizei hat die Ermittlungen bereits zum wiederholten Male neu aufgenommen, US-Medien werden nicht müde, den Fall immer wieder aufzurollen, zahlreiche Bücher zum Thema sind erschienen, und auch auf Reddit diskutieren viele Nutzer über den Mord, der noch immer nicht aufgeklärt werden konnte.

Vor allem im Subreddit Unresolved Mysteries, in dem sich Nutzer über ungelöste Rätsel wie verschwundene Personen oder ungeklärte Mordfälle austauschen, stößt der Fall auf großes Interesse. Anscheinend war es so groß, dass die Moderatoren des bekannten Subreddits eine Nachrichtensperre für den Fall JBR verhängen mussten haben: Seit dem 18. April werden keine weiteren Wortbeiträge zum Thema mehr freigeschaltet. Die Inhalte zum Thema hätten ihren „Sättigungspunkt erreicht". Eine konkretere Begründung, ob die Beiträge etwa gegen die Posting-Richtlinien des Subreddits verstoßen hätten, lieferten die Admins dabei nicht.

Die Nachrichtensperre im Subreddit Unresolved Mysteries zum Fall JBR. Bild: Screenshot Reddit

Angeblich hätten die Moderatoren zu viel repetitiven Content löschen müssen—und wollen jetzt schauen, ob nach einer vierwöchigen Sperre überhaupt noch genügend Interesse an dem Fall besteht. Sollte das so sein, bestünde die Möglichkeit, eine Art „Mega-Thread" zum Thema zu eröffnen. Ebenfalls angekündigt hatte man, dass im Falle „bedeutender neuer Entwicklungen" der Ban wieder aufgehoben würde.

Die Tatsache, dass der private Ermittler Ollie Gray, der einst von Familie Ramsey beauftragt worden war, Anfang Mai—also als der Ban bereits aktiv war—im US-TV erklärte, ein Mann aus der Nachbarschaft könnte etwas mit dem Fall zu tun haben, wurde dabei anscheinend nicht als entscheidende Entwicklung betrachtet.

Gegenüber dem Fernsehsender NBC sagte Gray, der laut eigenen Angaben mittlerweile unbezahlt an dem Fall forscht: „Wenn ihr mich fragt, ist die neueste Entwicklung in dem Fall Michael Helgoth. Er war ein echter Störenfried. Es gibt wahrscheinlich drei oder vier Leute, die von der Polizei früher hätten untersucht werden müssen und auch jetzt noch untersucht werden müssen."

Wie die Dailymail berichtet, sei die Person Michael Helgoth tatsächlich Gegenstand polizeilicher Ermittlungen gewesen, allerdings brachte sich Helgoth wenige Monate nach dem Mord um. Gray erklärte, er habe hinreichende Gründe, davon auszugehen, das eine Tonband-Aufnahme existiert, die ein Geständnis Helgoths enthält, welches er gegenüber Freunden und Familie gemacht habe. Die Beamten des Boulder Police Department hält er derweil für unfähig: „Man muss nach etwas suchen, um es zu finden, und in diesem Fall gab es leider nur eine vollkommen unerfahrene Polizeibehörde."

Gray geht davon aus, dass Helgoth den Mord nicht alleine begangen hat, sondern in Begleitung mehrerer Komplizen war. Seine Anschuldigungen werden von einem Mann namens John Kenady unterstüzt, der für Helgoth arbeitete. Auch Kenady spricht von der Existenz einer Tonbandaufnahme mit dem Geständnis Helgoths.

Die Beamten des Boulder Police Departments hatten nach dem Mord zunächst in Richtung der Ramseys ermittelt. Jahre lang standen JonBenets Vater und Mutter sowie ihr älterer Bruder unter Verdacht, die Sechsjährige umgebracht zu haben. Die Medien schossen sich vor allem auf JonBenets Mutter, die früher selber an Schönheitswettbewerben teilgenommen hatte. Sie wurde vor allem deswegen verdächtig, weil ihre Handschrift der Handschrift eines Erpresserbriefs mit Lösegeldforderung gleich, der im Haus der Ramseys gefunden worden war.

Der Erpresserbrief, der im Haus der Ramseys gefunden wurde. Foto: Archive.org.

2003 wurden dann alle drei Familienmitglieder durch eine DNA-Probe des Blutes auf der Unterwäsche von JonBenet entlastet. Dass eine Grand Jury bereits 1999 für eine Anklage der Eltern wegen Kindesmisshandlung mit Todesfolge gestimmt hatte (der zuständige Staatsanwalt hatte diesen Antrag aufgrund unzureichender Beweislage abgelehnt), wurde erst 2013 bekannt.

Im August 2006, JonBenets Mutter war zwei Monate zuvor an Eierstockkrebs verstorben, erfuhr der Fall dann erneut große Aufmerksamkeit: In Bangkok wurde ein 41-jähriger US-Grundschullehrer wegen seiner Verwicklung in Kinderpornographie festgenommen.- Nach seiner Festnahme behauptete er, der Mörder von JonBenet Ramsey zu sein. Seine Behauptung, er habe das Mädchen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt, konnte allerdings nicht verifiziert werden. Seine Aussage wurde schließlich als Falschaussage abgetan.

Im September 2010 erklärte die Polizei dann überraschend, man werde JonBenets Bruder Burke, er war zum Zeitpunkt der Tat neun Jahre alt, erneut befragen, da man den Fall weiterhin untersuche. Burke trat im Gegensatz zu seinem Vater nie in der Öffentlichkeit in Erscheinung und äußerte sich nicht zu den Vorwürfen der Klatschpresse, die Familie habe das Leben des Mädchens auf dem Gewissen. John Ramsey behauptete dagegen noch letztes Jahr im US-TV, er gehe noch immer davon aus, dass der Mörder seiner Tochter gefunden werde.

Auf Reddit erklären sich derweil viele Nutzer überraschenderweise einverstanden mit der Nachrichtensperre für den Fall JBR im Subreddit Unresolved Mysteries. „Danke, großartige Idee, Mods. Ich möchte wirklich mal etwas Neues [zu dem Fall] sehen. Darauf aufmerksam gemacht, dass wir eine Pause brauchen, haben mich die ganzen Akronyme, die zu diesem Fall bereits existieren", schreibt User grapeathletics. Ein anderer fragt: „Kann es nicht länger als ein Monat sein. Dieser Fall ist wirklich zu Tode diskutiert worden und es kommt nichts Neues aus den Threads heraus. Mit allem Respekt, es ist dämlich, jedermanns Lielingstheorie darüber zu lesen."

Laut Moderatorin homehealthgirl habe man übrigens nur eine Art „Stillhalteabkommen" testen wollen. Dieses läuft am 19. Mai endgültig ab. Ob in Zukunft weitere Diskussionen zum Fall JBR zugelassen werden, bleibt abzuwarten.

Was die „bedeutenden neuen Entwicklungen" in dem Fall angeht, betont Moderator hammmy_sammmy, dass die Einordnung als solche weiterhin den Moderatoren selbst obliegt. Er erklärt, dass nicht zuletzt dass Verhalten einiger User zu dem Ban geführt habe. „Als Moderatoren bekommen wir die volle Wucht aagressiver, wütender und irrationaler Nutzer ab. Ich verstehe, dass Leute sich in diesem Fall miteinander anlegen—er ist herzbrechend und faszinierend. [...] Keine anderen Fans eines Falls verhalten sich so wie einige Jonbenét-Fans. Ich weiß nicht, was es ist, aber irgendetwas an dem Fall lässt einige User durchdrehen. Es ist ok, sehr leidenschaftlich zu streiten, aber es ist nicht ok, andere Nutzer als „fucking retarded" zu bezeichnen. Wir machen also eine JBR-Pause, lassen alle mal etwas runterkommen und kümmern uns dann um eine angemessene Lösung, wenn wir in Ruhe darüber sprechen können."