Sex

Das SexFit reduziert deine Leistung im Bett auf nackte Daten

Der Prototyp einer britischen Firma verspricht das Quantified-Self-Prinzip auf deine Sex-Performance zu übertragen und macht intime Selbstvermessung zu einer Sache von Big Data.

Kai La Quatra

SexFit. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Bondara

Letzte Woche dachten wir noch der Quantify-Self–Hype hätte mit dem Vaginatraining durch Kgoal seinen ultimativen Höhepunkt erreicht. Spätestens als nun SKEA nachlegte und das weibliche Geschlechtsorgan zum Game-Controller macht, war jedoch klar, dass die Möglichkeiten der technischen Selbstoptimierung wahrhaft unendlich sind.

Die Firma Bondara hat nun den Prototyp eines Penisrings als Trainingsgerät und Sex-Tracking-Tool für den Mann vorgestellt. Damit wird die hohe Kunst der sexuellen Selbstbewertung von der untäuschbaren Macht von Big Data abgelöst. Das nun von dem Sex-Gadget-Hersteller Bondara enthüllte Gerät möchte die Prinzipien von Jawbone, Fitbit oder Nike Fuelband ins Schlafzimmer übertragen. Und führt die Evolution der Wearable Technology vom Kopf, zum Handgelenk konsequent in Richtung Intimbereich fort.

Wenn Gerätsensor und Klitoris sich vereinigen, dann sendet das Gerät, das ähnlich wie ein Schrittzähler arbeitet, die Daten an dein Handy. Und wenn du besonders stolz auf dich bist, dann kannst du deine Daten auch gleich in den sozialen Netzen teilen. Damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis nach den überflüssigen #Aftersex-Selfies nun auch #Aftersex-Highscores durch das Netz geistern.

Wir wollen deinem Sexleben ein Upgrade verpassen

Immerhin bietet das Bondara-Gadget für diejenigen, die auch während des Sexes auf ihr Telefon schauen möchten eine hervorragende Ausrede. Denn die dazugehörige App zeigt dir auch das richtige Tempo und den Kalorienverbrauch während des Sex an. Ein anderer Modus gibt einen Rhythmus vor, und belohnt die richtige Bewegungsrate mit einem wilden Blinken am Gerät. Formvollendete Daten-Romantik.

Wann wurde Spaß eigentlich zum Leistungssport? Wird ein Quickie deinen durchschnittlichen Kalorienverbrauch und dein Leistungspensum nach unten ziehen? Werden sich Paare in Foren austauschen wie und wann die Trainingseffizienz am höchsten ist? Kann die beliebte Frage „Schatz wie war ich?" nun endlich mit einer objektiven mathematischen Antwort gekontert werden?

Louise Bagley von Bondara ist optimistisch, dass ihre Entwicklung nur der nächste logische Schritt in der menschlichen Beischlaf-Evolution sein wird:

„Historisch gesehen haben sich Sexspielzeuge schon immer zusammen mit der Technologie entwickelt. Unser Gerät passt zum Aufschwung persönlicher Gesundheitsvermessung und bietet auch noch den Bonus eines verbesserten Sexlebens."

Bondara rechnet mit einem riesigen Erfolg, und der, auf einem wahren „Innovationsmarkt", winkende Profit, sorgt gleich für ein noch natürlicheres Feeling bei den eigenen Blink-Ring-Konzeptionen: „Wir wollen damit Millionen Menschen eine Freude bereiten, die ihrem Sexleben ein Upgrade verpassen wollen, die aber zu schüchtern sind, um sich professionelle ärztliche Hilfe zu besorgen."

Zwar können dich deine Freunde nicht wie bei den diversen Running-Apps für datenbefeuertes Jogging live anfeuern, aber du und deine Kumpels können eure auf dem Smartphone gespeicherten Milestones immerhin später praktisch vergleichen. Danke Statistik.

Die Segnungen von SexFit werden deinen Intimbereich allerdings nicht vor 2015 erreichen. Bisher ist das Ganze noch ein Prototyp. Engadget weist zurecht darauf hin, dass auch immer noch die Möglichkeit besteht, dass die Firma oder die nötigen Investoren sich aus der weiteren Entwicklung wieder herausziehen werden.