Juristin erklärt: So könnt ihr legal und gratis Filme und Serien streamen

Kinox.to gilt als illegal, aber was ist mit all den anderen Anbietern, die Streaming kostenlos anbieten? Eine Medien-Anwältin erklärt, wie ihr auf legalem Weg euren Film-Bedarf decken könnt.

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Jan. 10 2019, 9:05am

Bild: Shutterstock | Antoniodiaz || Screenshots | netflix.com | netzkino.de | kinox.to | Collage: Motherboard

Menschen lieben das Risiko, doch gerade bei der Suche nach Filmen im Internet gehen viele Film- und Serien-Junkies lieber auf Nummer sicher und greifen auf Bezahl-Services zurück, um ihre tägliche Ration "Was bisher geschah" zu bekommen. Denn immer wieder hört man gruselige Storys über die Abmahn-Industrie und Strafen für illegales Filesharing. Was aber tun, wenn die neueste Staffel der Lieblingsserie einfach nicht auf Netflix, Sky oder Amazon Prime verfügbar ist?

Einige werbefinanzierte Websites bieten legal und trotzdem kostenlos Filme und Serien an: Netzkino.de hat Arthouse-Filme und Erotik im Angebot, Crunchyroll.com kümmert sich um Anime-Fans und Watchbox.de liefert nicht nur eine riesige Trash-Abteilung ("Sex, Gras und Zombies"), sondern auch gute Kinofilme wie "Precious". Doch viele der legalen Anbieter sind wenig bekannt, und beim Googeln stößt man schnell auf illegale Angebote. Es ist gar nicht so leicht, den Durchblick zu behalten und rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Beata Hubrig kann helfen: Sie ist Rechtsanwältin für Datenschutz, Urheber- und Internetrecht und vertritt Mandanten, die eine Abmahnung wegen illegalen Filesharings bekommen haben. Sie erklärt, worauf man beim Streaming von Filmen und Filesharing achten sollte und was zu tun ist, wenn man doch einmal Ärger bekommt.

Neben ihrer Arbeit als Anwältin teilt Beata Hubrig als Freifunkerin ihren Internetanschluss mit vielen anderen | Bild: Beata Hubrig
Neben ihrer Arbeit als Anwältin teilt Beata Hubrig als Freifunkerin ihren Internetanschluss mit vielen anderen | Bild: Beata Hubrig

Auf welchen Seiten sollte ich unter keinen Umständen streamen?
Kinox.to und alle Seiten, die dazugehören, wie etwa kinos.to und kinox.me. Zu denen gab es gerade auch ein Urteil: Ein Provider wurde dazu verpflichtet, den Zugang zu Kinox und einigen anderen, damit zusammenhängenden Domain-Adressen zu sperren. Bei Zuwiderhandlung droht eine Strafe von bis zu 250.000 Euro. Abgesehen vom Gesetz würde ich aber schon deshalb empfehlen, nicht auf diese Seiten zu gehen, weil man sich zackidibacki irgendwelche Viren holen kann.

"Ich höre ja auch keinen Leuten in ihren Ausführungen über Finanzen zu, die mal bei Lehman Brothers gearbeitet haben."

Viele Leute sehen sich Filme auf der erstbesten Website an, die Google ausspuckt. Wie erkennen sie dort illegale Angebote?
Dummerweise muss man sich da immer selbst auf den neuesten Stand bringen. Was hilft, ist zu beobachten, welche Seite wie in den Medien besprochen wird. Legale Angebote lassen sich in der Regel schnell recherchieren. Sobald eine Seite aber alle möglichen Filme und Serien kostenlos im Angebot hat, die es sonst nur kostenpflichtig gibt, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Seite die Inhalte illegal anbietet.

Mit Internetseiten ist es wie mit Menschen: Einige Quellen sind einfach nichts für mich. Ich höre ja auch keinen Leuten in ihren Ausführungen über Finanzen zu, die mal bei Lehman Brothers gearbeitet haben. Um herauszufinden, ob die Seite seriös ist, muss man sich die Quelle genau angucken. Besonders die Endung der Domain-Adresse ist wichtig, aber auch, ob ich auf eine andere Seite weitergeleitet werde. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass der Anbieter unseriös ist und die Filme illegal anbietet. Und es gibt noch ein anderes wirklich starkes Indiz für Plattformen, die man lieber meiden sollte: der Werbeumfang. Je mehr Werbung ich wegklicken muss, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Seite nicht seriös ist.

Welche Seite ist denn auf jeden Fall gratis und legal?
YouTube. Das Portal funktioniert ja über Lizenzen. Alles, was bei YouTube ermöglicht wird, ist legal und löst keine Abmahnung aus. Natürlich könnte ich aber in Teufelsküche kommen, wenn ich mir ein Konto anlege, geschützte Filme hochlade und mit den Werbeeinnahmen Geld verdiene. Aber nicht, wenn ich es einfach nur als Konsument nutze.

Und wenn ich mit einem Converter Videos downloade?
Wenn YouTube selbst den Download anbietet, wie es zum Beispiel beim bezahlten Premium-Dienst von YouTube der Fall ist, ist das legal. Wenn YouTube selbst einen Download nicht vorsieht, dann ist es illegal. YouTube bestimmt das Angebot.

2013 gab es wegen Streaming eine Abmahn-Welle gegen Besucher von Pornoseiten: Kann ich auf diesen Seiten heute immer noch Probleme bekommen?
Es ging da um Seiten wie Redtube und Youporn. Aber viele Betroffene haben sich gewehrt. Und es sind deswegen auch Ermittlungsbehörden tätig geworden gegen die Anwälte, die abgemahnt haben. Denn ein paar Anwälte haben unter Vortäuschung falscher Tatsachen Daten von Nutzern beschafft, um sie abzumahnen. Das war illegal.

Seit diesen Abmahnungen wissen wir, dass Streaming zur Zeit nicht justiziabel ist. Die Zwischenspeicherung, bei der beim Laden des Videos eine temporäre Kopie auf deinem Rechner entsteht, ist nicht so gravierend, dass es eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Das ist der Status quo. Aber Juristerei ist immer in Bewegung. Wir haben auch eine Entscheidung vom Europäischen Gerichtshof aus diesem Jahr, die sagt: Streaming kann – unter bestimmten Voraussetzungen – auch illegal sein.

Dieses Urteil wurde aber noch nicht ins deutsche Recht überführt. Welche Relevanz hat es denn überhaupt in Deutschland?
Urteile gelten immer zwischen den Parteien des jeweiligen Rechtsstreits. Sie geben aber auch Richtungen für zukünftige Rechtsstreitigkeiten vor, deshalb sind Urteile generell – auch EuGH-Urteile – für uns relevant.

Heißt das, ich begehe beim Streaming etwa auf kinox.to möglicherweise eine Straftat?
Hier besteht Unsicherheit. Ich kann nicht ausschließen, dass Nutzer möglicherweise Probleme bekommen, wenn sie Dienste wie kinox.to nutzen. Die Frage dabei ist, ab wann es für den Nutzer offensichtlich sein muss, dass ein Anbieter Urheberrechtsverletzungen begeht und Filme und Serien illegal anbietet. Wenn das für Nutzer offensichtlich ist, können sie möglicherweise Probleme bekommen. Das kann bei einer Plattform wie kinox.to der Fall sein, weil sie durch zahlreiche Medienberichte öffentlich bekannt ist.

Eine zweite Frage ist natürlich, wie Ermittler in einem solchen Fall Nutzer verfolgen können. Dabei gibt es einige technische und juristische Probleme, aber es ist nicht absolut unmöglich.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Filesharing und Streaming?
Streaming ist der Abruf von einem Video. Dabei wird zwar für kurze Zeit beim Zwischenspeichern eine Kopie des Videos erstellt. Aber wenn das Video vorbei ist, ist auch die Kopie in der Regel verschwunden, beziehungsweise für den Laien kaum wiederfindbar.

Bei Filesharing lade ich etwas runter oder hoch. Der Download stellt zwar auch eine Rechtsverletzung dar, vorgeworfen wird einem aber der Upload. Wenn ich etwa mit dem Filesharing-Programm BitTorrent einen Film herunterlade, werde ich automatisch zum Anbieter, weil bei BitTorrent automatisch auch andere meine heruntergeladenen Dateien downloaden können. Das ist die Urheberrechtsverletzung, die dazu führen kann, dass du einen Schadensersatz bezahlen musst.

Ich denke, viele von uns haben schon mal illegales Filesharing betrieben, wussten aber zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, dass es wirklich illegal ist. Wann verjährt das?
Auch das ist umstritten. Die normale Verjährungsfrist für Filesharing sind drei Jahre. Es gibt aber auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das sagt, dass Filesharing eine rechtswidrige Bereicherung ist und deswegen erst nach zehn Jahren verjährt. Aber das ist umstritten.

Das heißt, einige Jugendsünden müssten schon verjährt sein?
Nach zehn Jahren sicher. Ansonsten haben wir aber gerade eine absolut unsichere Rechtslage. Das ist unglaublich.

Jetzt bin ich endgültig verunsichert: Sollte ich zur Sicherheit besser gar keine Gratis-Streaming-Seite nutzen, bei der ich mir nicht absolut sicher bin, dass sie legal ist?
Genau. Wenn ich Plattformen benutze, die in den Medien wegen gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzungen seit Jahren Thema sind, dann kann ich nicht so tun, als ob mich dieses Problem nichts angeht. Ich muss mir überlegen, was ich tue, und Verantwortung dafür übernehmen.


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Was mache ich denn, wenn ich dann doch eine Abmahnung bekomme?
Ruhe bewahren und sich mit der Situation auseinandersetzen. Die Abmahnschreiben sind so verfasst, dass man eingeschüchtert wird. Man sollte sich überlegen und aufschreiben, was an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit los war, ob man die Rechtsverletzung wirklich selber begangen hat. Falls ja, sollte man in die Vergleichsverhandlungen gehen, denn die Summe ist erst einmal ein Vergleichsvorschlag, den man auch herunterhandeln kann. Wenn man selber die Rechtsverletzung nicht begangen hat, kann man sich verteidigen.

Zusätzlich bekommt man oft eine Unterlassungserklärung zugeschickt. In der soll man sich verpflichten, die betreffende Datei nie wieder zu teilen. Wenn jemand die Rechtsverletzung nicht begangen hat, kann ich nicht empfehlen, das zu unterzeichnen.

Du möchtest mehr über Abmahnungen wissen? Dann kannst du hier weiterlesen: Was tun, wenn ich eine Filesharing-Abmahnung bekomme

Ist es legal, meine IP-Adresse zu ändern, wenn ich etwa eine Sendung aus den USA streamen möchte, die aber von Deutschland aus nicht abrufbar ist?
Wir können das ja mal umgedreht betrachten: Ich bin in Dänemark und möchte einen Film ansehen, der in einer ARD-Mediathek läuft, aber nur national ausgestrahlt werden darf. Es gibt Filme, die nur deutsche IP-Adressen abrufen dürfen, deshalb ändere ich meine IP, um den Film anzuschauen. Ich umgehe also das Geoblocking. Das ist aktuell keine Rechtsverletzung.

Es gibt kein Gesetz, das uns dazu verpflichtet, mit unserer eigenen IP-Adresse zu kommunizieren, genauso wenig wie es ein Gesetz gibt, das uns verpflichtet, mit unserer eigenen Telefonnummer zu telefonieren. Die Datenschutzgrundverordnung postuliert auch ausdrücklich das Recht auf Anonymität im Alltag. Die Verschleierung der IP-Adresse ist rechtlich nur im Bereich von Internetkriminalität relevant und ist im Prozess dann wohl eine Frage der kriminellen Energie des Beschuldigten. Ich darf also meine IP verschleiern, solange ich nichts Illegales anstelle.

Was ist eigentlich mit den uralten CD-ROMs, auf denen illegale Kopien von Filmen sind. Darf ich die Filme noch weiter anschauen?
Rechtlich gesehen: Nein. Ansprüche aus den Rechtsverletzungen verjähren zwar, spätestens nach zehn Jahren. Aber illegale Dateien darf man nicht behalten, genauso wie man auch kein Recht hat, Diebesgut zu horten.

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